Frage: Herr Seeger, ist Kreislandvolk-Vorsitzender eigentlich ein Traumjob?

Seeger: Das ist schwer zu sagen. Es war durchaus von Vorteil, dass man Einblick in eine Vielfalt von Themen, die den Berufsstand betreffen, bekommen hat. Ich bin nicht immer mit guter Laune von den Sitzungen gekommen. Vor allem das letzte Jahr war extrem anstrengend. Das spiegelte sich in den Protesten mit Traktoren gegen die Verschärfung der Düngeverordnung wider. Die Politik hört oft auf die „lauten Leute“; das Fachliche ist leider zu oft auf der Strecke geblieben.

Zur Person

Jürgen Seeger übernahm das Amt von Kai Seeger (Hatterwüsting). Bei der geheimen Wahl 2005 entfielen auf Jürgen Seeger 124 Stimmen; auf seinen Herausforderer Friedrich Ahlers (Düngstrup) 25. Seeger, 62 Jahre alt, hat einen 190 Hektar großen Betrieb in Großenkneten-Haschenbrok, den er gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Söhnen führt. Neben der Schweinezucht hat er Milchkühe mit Nachzucht und Bullenmast und betreibt Ackerwirtschaft mit Grünland, Getreide- und Maisanbau. Als Kreislandwirt ist er Mitglied in der Kammerversammlung. Als Nachfolger für den Kreislandvolk-Vorsitz bewirbt sich Detlef Kreye.

Frage: In welchen Gremien sind Sie denn vertreten?

Seeger: Es gibt viele Treffen mit den Vertretern der Ortslandvolkverbände, aber auch mit anderen Kreisverbänden. Vor allem im Frühjahr und im Herbst gibt es unglaublich viele Versammlungen. In meiner Funktion als Kreislandwirt bin ich Mitglied in der Versammlung der Landwirtschaftskammer. Dazu kommt noch die Mitarbeit in mehreren Ausschüssen, unter anderem dem Personalausschuss. Das Amt als Kreislandwirt werde ich daher noch bis Februar 2021 weiterführen.

Frage: Das hört sich ja nach einem Fulltime-Job an, oder?

Seeger: Ohne die Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner drei Söhne, die alle auf dem landwirtschaftlichen Betrieb tätig sind, hätte ich das Amt nicht führen können. Dann hätte sich der Betrieb längst nicht so positiv entwickelt.

Frage: Während Ihrer Amtszeit gab es viele Krisen in der Landwirtschaft, beispielsweise die Krankheit BSE oder die sogenannte Vogelgrippe. Heute geht es um Klimawandel und Düngemittelverordnung. Sind Sie immer im „Krisenmodus“?

Seeger: Leider beschäftigen uns noch die gleichen Themen. Bei den Abferkelbuchten diskutieren wir immer noch über wenige Quadratzentimeter. Aber es gibt auch viele schöne Veranstaltungen; dazu gehören die Landtage Nord. Während meiner Amtszeit haben wir die Gesevo GmbH (Gesellschaft für Seuchenvorsorge) gegründet, um im Falle des Ausbruches bekämpfungspflichtiger Tierseuchen schnell und tierschutzgerecht die Räumung von Tierbeständen zu organisieren. Und wenn die Marktpreise einigermaßen mitspielen, ist die Stimmung in der Landwirtschaft auch positiv. Wir wollen einen gerechten Lohn für unsere harte Arbeit.

Frage: Ist es für die Bauern schwerer geworden, sich in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen?

Seeger: Das ist eine schwere Frage. Für mich gilt das nicht, aber mein Nachfolger benötigt natürlich erst einmal eine Einarbeitungszeit. Das Landvolk ist eine große Familie, in der sich viele kennen. Daher kann man auch vertrauensvoll miteinander sprechen.

Frage: Zur Familie gehört auch der Nachwuchs. Die junge Generation sorgt sich um ihre Zukunftsperspektiven. Wie sehen Sie das?

Seeger: Es ging auf den Höfen schon immer um die Perspektiven für die nächste Generation. Heute hat die Diskussion allerdings eine andere Qualität bekommen. Mobbing an den Schulen gegen Kinder von landwirtschaftlichen Betrieben finde ich unerträglich. Mit der Initiative „Echt grün!“, an der sich mittlerweile 14 Kreisverbände in Niedersachsen beteiligen, ist es uns aber gelungen, die Leistungen der Landwirtschaft für eine gesunde Ernährung und die Probleme des Berufsstandes stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Frage: Welches sind denn Ihre Zukunftspläne? Sitzen Sie wieder öfter auf dem Trecker?

Seeger: Das könnte gut sein. Ich habe nun mehr Zeit für die fünf Enkelkinder. Und handwerklich bin ich nicht ganz ungeschickt. Da werden meine Jungs mir schon einige Aufgaben geben. Arbeitslos werde ich nicht. Und wenn es nichts anderes zu tun gibt, baue ich Vogelnistkästen.

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Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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