Bürstel Südeuropäisches Laissez-faire in Kombination mit dem gewohntem Handwerk hat Mathias Kupschus (20) erlebt, im zweiten Jahr Auszubildender bei Ordemann Land- und Gartentechnik in Bürstel. Ein leistungsstarker Auszubildender, wie Chef Alfred Ordemann betont. Gute Leistungen und die nötige Reife waren auch die Voraussetzung dafür, dass der Westersteder im Februar ein dreiwöchiges Auslandspraktikum im italienischen Vicenza absolvieren durfte. Sein Arbeitgeber stellte ihn frei.

Der Betrieb, in dem der angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker arbeitete, hatte viele Parallelen zum Ausbildungsbetrieb in Deutschland. „Es war ein mittelständischer Familienbetrieb“, erzählt Mathias Kupschus. Während er sich mit seinem Chef gut auf Englisch verständigen konnte, kommunizierte er mit den Kollegen mit Händen und Füßen.

Glücklicherweise seien die Ersatzteil-Listen auf Englisch verfasst. Die Inspektionsprotokolle habe er schließlich nach einer Einweisung auch auf Italienisch gut abarbeiten können – „das läuft ganz ähnlich wie hier“. Allerdings nicht alles: „Die Teile werden bei Inspektionen erst viel später ersetzt als bei uns“, hat Kupschus beobachtet. Und auch sonst würden die italienischen Kollegen manches etwas lockerer angehen. Schutzkleidung beim Schweißen oder bei Arbeiten mit Batteriesäure? – Fehlanzeige. Auch in puncto Ordnung habe er sich umstellen müssen. „Abends durchfegen geht eigentlich nicht, weil überall etwas herumsteht.“

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Statt über Kopf musste Kupschus Arbeiten an den Mähwerken von Gartentraktoren am Boden liegend vornehmen. „Hebebühnen gab es nicht“, erzählt er. „Das hat den Nachteil, dass man für jedes Teil extra aufstehen muss.“ Doch der Zeitfaktor spiele in Italien ohnehin eine andere Rolle. „Der Termindruck scheint nicht ganz so groß zu sein“, hat auch Alfred Ordemann den Berichten seines Azubis entnommen.

Vermittelt hatte das Auslandspraktikum die Handwerkskammer Oldenburg, die Auszubildende unter anderem mit Betrieben in Großbritannien, Irland und Italien zusammenbringt. Die Voraussetzung: Sie müssen volljährig sein, sich schriftlich bewerben, und ihre Anreise selbst organisieren und finanzieren. Zudem erwartet die Kammer einen wöchentlichen Bericht. Die Kosten für die Unterkunft deckte in Kupschus’ Fall das europäische Förderprogramm Erasmus+.

Seine Freizeit verbrachte der 20-Jährige in Italien häufig mit sechs anderen Azubis aus dem gesamten Bundesgebiet, die ebenfalls über das Programm nach Vicenza vermittelt wurden.

Mathias Kupschus und auch seinen Arbeitgebern Alfred und Meike Ordemann ist daran gelegen, die Möglichkeit des Auslandspraktikums im Handwerk bekannter zu machen. „In unserer Branche gab es das bislang nicht“, so Alfred Ordemann, dessen drei Töchter alle während ihres Studiums Auslandserfahrungen sammeln konnten. „Diese Chance sollten auch Auszubildende haben“, ist er überzeugt. „Die Erfahrung nimmt einem keiner mehr weg.“

Das sieht Mathias Kupschus genauso. Und auch seine italienischen Arbeitgeber waren offenbar zufrieden mit dem Austausch: Zum Abschied schenkten sie dem Azubi Wein aus der Region, Olivenöl aus eigener Produktion und eine Arbeitshose.

Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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