Selbst in der heutigen Zeit ist bei einigen Vereinen die Frauenquote im Vorstand noch recht mickrig. Nicht so beim Orts-und Heimatverein Bürstel-Immer: Frauen waren in der langjährigen Vereinsgeschichte immer im Vorstand tätig, aber mit Ute Holschen (51) gibt es seit diesem Jahr die erste Frau an der Spitze. Im „Verein ehemaliger landwirtschaftlicher Schüler/innen Delmenhorst“ ist sie als 2. Vorsitzende sogar die erste Frau im Vorstand.

Schon als Kind setzte Ute in dieser Beziehung Maßstäbe: Nach dem Motto „Keine Angst vor den Männern“ war sie im Schützenverein Hengsterholz-Havekost das erste Mädchen, das beim Schützenfest „Knabenkönigin“ wurde. In Hengsterholz ist Ute Brüning (so ihr Mädchenname) aufgewachsen. Leidenschaftlich gern spielte sie mit ihrer Freundin auf deren Bauernhof. Ute war gerade eineinhalb Jahre zur Dorfschule in Hengsterholz gegangen, als diese geschlossen wurde. Von nun an ging es nach Ganderkesee zur Grundschule Lange Straße.

Ute Holschen scheint in vielen Dingen die Erste zu sein. Sie gehörte zu den ersten Schülern, die die Orientierungsstufe durchliefen. Während ihrer anschließenden Zeit auf dem Gymnasium Ganderkesee liebäugelte sie mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau. Doch es sollte ganz anders kommen.

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Wie viele andere auch, trat Ute mit 16 Jahren der Landjugend Ganderkesee bei. „In meinem Terminkalender war mehrmals in der Woche ,Landjugend’ eingetragen“, erzählt sie. Ob in der Volkstanzgruppe, beim Völkerball oder den anderen Aktivitäten der Landjugend: Ute war immer vorne mit dabei. Einige Jahre war sie auch im Vorstand der Landjugend und ein Jahr sogar deren Vorsitzende.

So lernte sie viele Gleichaltrige kennen, unter anderem einen jungen Landwirt aus Bürstel. 1981 ging es zum Gebietslandjugendtag nach Emden und hier gab es für alle Teilnehmer zum Abschluss eine Riverboat-Party auf einem Schiff. Seit diesem Abend sind Ute und Jürgen Holschen, der junge Landwirt von damals, unzertrennlich.

Ute machte gleich „Nägel mit Köpfen“ und entschied sich mit der Fachhochschulreife in der Tasche nicht für eine Banklehre, sondern für eine Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft. Da ihre Eltern bei der Post angestellt waren und keinen Hof hatten, absolvierte Ute das erste Lehrjahr bei ihren zukünftigen Schwiegereltern. Auf meine Frage, wie ihr denn dieses Jahr gefallen habe, antwortet sie nur mit einem Lächeln. Das zweite und letzte Ausbildungsjahr absolvierte Ute auf dem Hof Wessel in Dünsen. Der hatte einen Hofladen und dort durfte sie auch hinter der Ladentheke stehen. „Das hat mir ganz viel Spaß gemacht.“

Nachdem sie 1985 die Gesellenprüfung bestanden hatte, wurde geheiratet. Einen geregelten Achtstundentag, wie sie es von ihren Eltern kannte, den gab es nicht. Hof, Tiere, Garten und Haushalt mussten versorgt werden und dann kamen auch ihre drei Kinder Dirk (28 Jahre), Petra (27) und Andrea (23). Dazwischen besuchte Ute die Fachschule und schaffte 1990 ihre Meisterprüfung. Mittlerweile ist Sohn Dirk gelernter Landwirt und Tochter Petra wird in Kürze ihre Eltern zu „Oma“ und „Opa“ machen. „Darauf freue ich mich schon jetzt“, erzählt Ute mir freudig.

Da Ute immer viel Interesse am Vereinsleben im Ort hatte, holte sie der damalige Vorsitzende des Ortsvereins, Werner Wachtendorf, in den Vorstand als Schriftführerin. „Als ich vom Familienrat das Okay bekam, habe ich zugesagt.“ Wie nicht anders zu erwarten, engagierte sie sich sehr stark und so war ihre Wahl an die Spitze für alle Vereinsmitglieder die logische Konsequenz.

„Schnacken vor vielen Menschen macht mir nichts aus“, erwähnt Ute eher so nebenbei. Beim Landfrauenverein Ganderkesee ist sie im Fachausschuss für Familie und Gesellschaft und hält bei den Versammlungen vor über 200 Landfrauen Kurzvorträge. „Auch das mache ich sehr gerne“, versichert Ute mir. Nicht nur die Kollegen vom Kegelclub wissen: Wo Ute ist, da ist „Leben“. Ganz wichtig sind ihr auch die Pflege der Nachbarschaft und die gemeinsamen Feste wie „Milchstraßenfest“, „Almabtrieb“ oder „Laterne-Laufen nach Neujahr“. Mit der Bezeichnung „Powerfrau“ sollte man sparsam umgehen, aber Ute Holschen hat ihn sich mehr als verdient.

Ute Holschen, Vorsitzende des Orts- und Heimatvereins Bürstel-Immer

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