Immer Der Tannenbaum steht bei Werner Wachtendorf schon geschmückt in der guten Stube. „Das habe ich lieber vorher gemacht“, sagt der Landwirt aus Immer. „Sonst wär’ ich nicht mehr dazu gekommen.“ Denn die Tage vor Heiligabend sind für ihn und seine Familie die stressigsten des ganzen Jahres – weil das, was sie anzubieten haben, in diesen Tagen so gefragt ist wie sonst nie: Weihnachtsgänse.

Das Geschäft mit der Gans läuft zwar schon länger: Wenn die Restaurants der Region Ende Oktober ihre „Gänse-Wochen“ ausrufen, beginnt für Wachtendorf die heiße Phase. Aber vor Weihnachten kommt die private Nachfrage noch hinzu. Und die ist immens: An diesem Wochenende, wenn die Bestellungen abgeholt werden, dürfte die Schlange vor dem Zeltpavillon am Hof wieder bis auf die Straße reichen, schätzt der Hausherr. Für viele Kunden ist das ein kleines Fest vor dem großen: Glühwein und Kekse gibt es gratis dazu.

Wer indes jetzt noch die Idee hat, zu Weihnachten eine Gans in den Ofen zu schieben, muss auf die Tiefkühlfächer in den Supermärkten hoffen – bei Wachtendorf kommt nur noch zum Zuge, wer vorbestellt hat. Zwar laufen auf seiner Weide noch rund 150 Gänse zwischen Zaun und Unterstand hin und her – aber auch deren Schicksal ist längst besiegelt. „Die sind alle bestellt und kommen heute oder morgen noch zum Schlachter“, sagt der Landwirt, der für die Festtage auch Enten und Puten verkauft.

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Das Geschäft mit den Gänsen ist für ihn aber ein gan(s)z besonderes: „Die Gans ist ein Luxusprodukt“, meint Wachtendorf. Diesen Festtagsbraten gönnen sich die Leute einfach mal, wenn Weihnachten ist, und da gucken sie auch nicht aufs Preisschild: „Nur fünf Prozent der Kunden fragen nach dem Preis“, erzählt der Züchter.

12,65 Euro kostet bei ihm das Kilo, soviel wie im letzten Jahr. Eigentlich hätte es ein bisschen mehr sein müssen, findet Wachtendorf. Denn das Füttern hat ihn auch mehr gekostet, eine Folge des trockenen Sommers. Das Wetter hatte übrigens auch Auswirkungen auf das Wachstum der Gänse: Sie sind ein bisschen kleiner und leichter als sonst. Das liege am Hitzestress der Elterntiere im Juli und August, erklärt Werner Wachtendorf.

Gut 16 Wochen dauert es, bis aus frisch geschlüpften Küken schlachtreife Gänse mit sieben Kilo Lebendgewicht werden. Ohne Federn und Innereien wiegen die geschlachteten Vögel noch vier bis fünf Kilo. „Schwerer sind sie in diesem Jahr nicht“, so Wachtendorf. Wer Sorge hat, dass davon an den Festtagen nicht alle satt werden, kann bei ihm noch Brust und Keule aus der Truhe zukaufen – „die haben wir schon im Sommer eingefroren.“

Werner Wachtendorf isst die eigenen Gänse auch gern selber – aber dazu geht er mit Frau und Familie in eines der Lokale, die sie beliefern. „An den Weihnachtstagen ist uns das zu viel Aufwand“, erklärt er. Und Aufwand mit den Gänsen hat er schon genug in diesen Tagen.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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