Hurrel /Hude In vielen bäuerlichen Familien liegen die Nerven blank, sagt der Linteler Landwirt Renke Dählmann. Düngeverordnung, Mäuseplage, mediale Hetzjagd auf konventionelle Landwirte. Das seien einige Beispiele. Und jetzt auch noch ein Volksbegehren „Artenschutz“. „Wir lehnen das entschieden ab und fordern alle Bürger auf, keine Unterschrift dafür zu leisten“, sagen Dählmann und seine Kollegen Andre Heinemann, Oberhausen, und Edo Schweers, Hurrel.

Drei Landwirte ärgern sich massiv

Renke Dählmann (41) ist Landwirt (Schweinemast und Ackerbau) sowie Lohnunternehmer in Hude-Lintel. Er hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren massiv in Technologie zur umweltschonenden Bewirtschaftung investiert. „Das wird nicht honoriert“, sagt Dählmann.

Andre Heinemann (40) ist Landwirt in Hude-Oberhausen. Er hält Milchvieh (110 Kühe). In und an seinen Flächen liegen viele Gewässer. Das Umbruchverbot für Grünland treffe ihn hart. Ein Teil seiner Flächen werde quasi unbrauchbar, befürchtet der Landwirt.

Edo Schweers (44) ist Milchviehhalter in Hurrel. Er betreibt einen Futterbaubetrieb mit Grünland, Mais, Getreide. Als Folge des Volksbegehrens würde der Getreideanbau vermutlich eingestellt, befürchtet Schweers. „Das Grünland-Umbruchverbot würde die Futterqualität stark verschlechtern“, sagt der Landwirt.

Die Landwirte befürchten, dass sich der Strukturwandel dramatisch beschleunigen wird, wenn die Forderungen des Volksbegehrens, für welches der Nabu derzeit Unterschriften sammelt, im vollen Umfang umgesetzt werden. „Dabei werden in erster Linie kleinere Familienbetriebe aufgeben, genau die Betriebe, die doch eigentlich nach Wunsch der Gesellschaft erhalten werden sollen“, so Dählmann.

Noch erschreckender als die Forderungen im Volksbegehren sei eigentlich nur die Tatsache, dass der Nabu als einer der Hauptakteure gegenüber der Landwirtschaft Wortbruch begehe: Der„Niedersächsische Weg“ sei eine Vereinbarung zum Natur- und Artenschutz, die auf Initiative des niedersächsischen . Landvolks von Politik, Naturschutz (BUND und Nabu) und Landwirten nach hartem Ringen unterzeichnet worden sei.

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In dieser Vereinbarung finden sich, so die Huder Landwirte, viele Forderungen auch des Nabu wieder, die in naher Zukunft in Gesetze umgewandelt werden sollen und damit auch für die Landwirte verbindlich wären. Vorgesehen seien darin auch Entschädigungen. „Die Landwirte haben diese Vereinbarung zähneknirschend akzeptiert in dem Glauben, die Naturschutzverbände würde das geplante Volksbegehren auf Eis legen“, ärgert sich Edo Schweers. Der Nabu aber halte sich – im Gegensatz zum BUND – nicht an diese Vereinbarung, sondern trete fröhlich nach und propagiere das Volksbegehren „Artenvielfalt“, das mit seinen Forderungen noch weit über das hinausgehe, was im „Niedersächsischen Weg“ vereinbart worden sei.

Mittlerweile schauten auch andere Akteure genauer hin, was die Forderungen im Volksbegehren so anrichten könnten. Viele Imkerverbände beispielsweise distanzierten sich, weil ihnen klar werde, dass die Ziele ehrbar seien, aber das Gegenteil davon eintreten werde, sollte es zur Umsetzung kommen. „Der Maisanbau wird dann zum Beispiel zunehmen“, ist Dählmann überzeugt. Weil sich im Mais die geplanten Gewässerrandstreifen am besten umsetzen ließen. Der Rapsanbau dagegen werde ganz verschwinden, weil Raps Pflanzenschutz benötige. Grünlandwirtschaft werde schwieriger, da die Neuansaat geschädigter Grasbestände, wie man sie nach der Mäuseplage derzeit vielfach sehe, erheblich eingeschränkt werde. Das Gleiche gelte für Einschränkungen im Bereich Wiesenpflege/Grünlandnutzung. Die Weidehaltung der Kühe werde zurückgehen.

„Viele der geplanten Einschränkungen kommen letztendlich einer Enteignung und Entwertung gleich, der ökologische Nutzen ist dagegen überschaubar“, sagen die Landwirte. Sie ahnen, dass die meisten Unterschriften für das Volksbegehren in den großen Städten zusammenkommen werden. „Am Ende befinden die Leute in der Stadt darüber, wie wir auf dem Land zu leben, zu arbeiten zu wirtschaften haben“, ärgert sich Dählmann. „Es geht nicht gegeneinander, sondern nur miteinander“, sagt Andre Heinemann. „Wir sind bereit, die Zukunft mitzugestalten und uns zu verändern.“ Das werde durch das Mitgehen auf dem „Niedersächsischen Weg“ deutlich signalisiert. Dass der Nabu diesen Weg verlasse, sei mehr als enttäuschend.

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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