Huntlosen Großes Interesse an den Umsiedlungsplänen der Firma Kornkraft innerhalb von Huntlosen: Der Saal in „Meyer’s Gasthaus“ ist am Donnerstagabend mit mehr als 100 Bürgerinnen und Bürgern sehr gut besucht gewesen. Der Naturkosthändler stellte seine Pläne an der Sannumer Straße vor, die seit rund einem halben Jahr im Gespräch sind. Der Bürgerverein Huntlosen hatte den Infoabend organisiert, Vorsitzender Josef Spreckelmeyer übernahm die Moderation der rund zweistündigen Versammlung. Neben Familie Schritt, den Eigentümern von Kornkraft, bezog auch Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke Stellung und warb für die Pläne. Alle Ratsmitglieder aus Huntlosen waren zugegen im Publikum, ebenso weitere Kommunalpolitiker. Die Fragen und Antworten des Abends:

Wer ist die Kornkraft Naturkost GmbH?

Erste Anfänge 1981 als Biohandel in Bremen, dann in Harpstedt und ab 1986 nonstop in Huntlosen-Hosüne: Das sind die Stationen der Firma. Durch Zufall sei man damals auf das ehemalige Polizeigelände in Hosüne gekommen, berichtete Firmengründer Jochen Schritt, zusammen mit Ehefrau Sabine Moeller-Schritt und den Kindern Nina und Robin Schritt die aktuelle Geschäftsleitung. Kornkraft verfügt über ein Vollsortiment mit mehr als 9000 Produkten und bedient 600 Kunden (Naturkosthändler, Bio-Supermärkte, Reformhäuser, Verarbeiter und Großverbraucher) in ganz Niedersachsen, Hamburg sowie im Großraum Münster/Bielefeld. Die Firma hat 130 Mitarbeiter im Großhandel, davon zehn Auszubildende. 55 Mitarbeiter kommen aus der Gemeinde Großenkneten, davon allein 36 aus Huntlosen. Weitere 35 Mitarbeiter (davon zwei Azubis) sind im Einzelhandel in einem der fünf Geschäfte tätig. Zum Fuhrpark gehören zehn Kühl-Laster. Neben dem Lager in Hosüne (4000 Quadratmeter) gibt es das Lager Hannover (500 Quadratmeter).

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Warum will die Firma umziehen?

Alle zehn Jahre hat sich in der knapp 40-jährigen Firmengeschichte der Umsatz verdoppeln. Trotz permanenter Bautätigkeit seit 2010 werde der Standort in Hosüne zu klein, so Kornkraft. „Wir brauchen mehr Lagerfläche. Immer mehr Menschen kaufen Bio“, erläuterte Jochen Schritt. Mit dem Einstieg der Kinder Nina und Robin in das Unternehmen sei die Zukunftsperspektive gesichert.

Warum soll es unbedingt in Huntlosen sein?

„Huntlosen ist unsere Priorität. Wir sind hier gewachsen und groß geworden. Wir fühlen uns zugehörig, wir wollen hier bleiben“, sagte Jochen Schritt. Man wolle das „tolle Team“ bei Kornkraft erhalten und die Arbeitswege kurz halten. Auch könnten so viele Arbeits(zeit)modelle weiter ermöglicht werden.

Was ist am neuen Standort geplant?

Die Entwicklung auf den rund 3,5 Hektar soll nach und nach erfolgen und ist auf viele Jahre angelegt. Zeitnah soll eine erste Ausbaustufe mit 1000 Quadratmeter großem Tiefkühllager,  Getränke-Mehrweg-Lager mit Sortierung und Reservelager entstehen (fünf Arbeitsplätze). Einen Pendelverkehr zwischen beiden Standorten werde es nicht geben. Lediglich einmal am Tag werde Tiefkühlware nach Hosüne gebracht werden, so Robin Schritt. In der Stufe 2025 bis 2030 würde der Umzug von Lager und Logistik folgen (6000 Quadratmeter Lagerfläche/90 Arbeitsplätze). In der dritten Stufe in 10 bis 20 Jahren würden es 10 000 Quadratmeter Lagerfläche und 800 Quadratmeter Verwaltungs- und Büroflächen (insgesamt 170 Arbeitsplätze) werden.

Wie soll gebaut werden?

Verantwortungsbewusst mit der Kulturlandschaft umgehen, das große Gebäude in den dörflichen Kontext integrierend und nachhaltig: So beschrieb es Planer Oliver Seidel vom Büro Cityförster aus Hannover, das auf ökologische Projekte in der Wirtschaft spezialisiert ist. Die Dächer werden abgeschrägt und mit Grün versehen, die Firsthöhe beträgt rund 10 Meter, die Versiegelung des Bodens möglichst minimiert, die Ladezone, vom Ort abgewandt, durch Absenkungen von 1 bis 1,50 Meter „versteckt“. Dazu ist die naturnahe Gestaltung der Freiflächen geplant. Der Baumbestand an der Straße soll erhalten bleiben, ein 20 Meter breiter Wall ist geplant. Photovoltaik ist ebenso angedacht wie Regenwasserhaltung vor Ort. „Es sollen moderne Arbeitsplätze mit hohem ökologischen Anspruch entstehen“, so Seidel.

Wie erfolgt die Erschließung des Areals?

Von der Sannumer Straße aus wird die Zufahrt aus Richtung Norden in das Gebiet erfolgen, berichtete Schmidtke vom jetzigen Stand der Planung. Dafür ist ein Realverbandsweg vorgesehen (ungefähr in Höhe der Abzweigung Rethbergweg auf der anderen Seite). Die Verlegung bedeute weniger Belastung für die Anwohner. Bei den Hausnummern 18 und 20 wären Richtwerte für Lärm nicht eingehalten worden, bei Nummer 22 werden sie das.

Warum ist jetzt von einem Industriegebiet die Rede?

Das hat damit zu tun, dass bei Kornkraft in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet wird. „Es wird nicht lauter als jetzt in Hosüne“, sagte Jochen Schritt. Es gehe bei der Ausweisung Industriegebiet darum, dass die Firma nachts arbeite, damit die Waren an sechs Tagen die Woche morgens ausgeliefert werden können. Künftig werde man nur noch Lkw mit 72 Dezibel kaufen (bisher 80).

Wie sieht der Bürgermeister das Projekt?

Schon vor einigen Jahren habe sich Kornkraft an die Gemeinde gewandt, da der aktuelle Standort aus allen Nähten platze, berichtete Thorsten Schmidtke. Es sei nicht einfach gewesen, eine Fläche in Huntlosen zu finden. Kornkraft sei einer der größten Arbeitgeber. „Hier sind wir auch als Wirtschaftsförderer gefragt“, sagte er.

Was gaben die Kritiker zu bedenken?

Der Metropolpark Hansalinie in Ahlhorn mit seinen freien Flächen wird immer wieder als Alternative genannt, so Lena Schiller. Für den Bürgermeister ist das keine Option. Schließlich wolle eine Huntloser Firma in Huntlosen bleiben. Schiller wies auf den Flächenverbrauch hin, der so vermindert werden könnte. Axel Janssen erinnerte daran, dass es im Metropolpark zum Teil sogar ökologisch höherwertige Flächen als den Maisacker an der Sannumer Straße gebe. Olav Bruns vermisste eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Schmidtke entgegnete, dass sich das Gebiet auf Dauer amortisieren werde, ohne konkrete Zahlen nennen zu können „Kornkraft ist ein guter Steuerzahler“, betonte er. Anlieger Germar Schröder monierte, dass er den „freien Blick“ bei seinem Haus verlieren würde. Ihm würde das Objekt „direkt vor die Nase“ gesetzt. Er kritisierte die Gemeinde, dass erst am Donnerstag die neue Erschließung und die Ausweisung als Industriegebiet bekannt gegeben worden seien.

Wie war die Stimmung im Saal?

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Zumeist sachlich-konstruktiv. An mehreren Stellen gab es deutlichen Applaus von sehr vielen Huntlosern für die Ausführungen der Familie Schritt. Axel Janßen, über lange Jahre Ratsherr aus Huntlosen, formulierte es so: „Toll, dass wir Kornkraft haben. Der Plan ist gut, es ist eine tolle Lösung.“ Rat und Verwaltung seien gefordert, dass eine Vereinbarung getroffen werde, in der die Vorschläge auch festgeschrieben würden. Bürgermeister Schmidtke sprach von Kornkraft als „einem Aushängeschild für die Gemeinde. Das darf man nicht ziehen lassen“. Ratsherr Matthias Reinkober meinte, dass für die gewerbliche Entwicklung in Huntlosen „nur noch diese Fläche vorhanden ist“. Lärmgutachter André Kimitz sagte, dass er eine derartige Infoveranstaltung in 25 Jahren Tätigkeit noch nicht erlebt habe. Hier stelle die Firma ihre Pläne vor, bevor das Beteiligungsverfahren für die Bürger überhaupt begonnen habe, staunte er.

Ulrich Suttka Kanalmanagement / Redakteur
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