Huntlosen Die geplante 94. Änderung des Flächennutzungsplanes „Sannum – Gewerbegebiet Sannumer Straße Nord“ wird in Huntlosen kontrovers diskutiert. Hintergrund ist die geplante Betriebsverlagerung des Bio-Lebensmittel-Großhändlers Kornkraft in Hosüne, die auf einen neuen Standort mit Erweiterungsmöglichkeiten umsiedeln möchte. Doch ein entsprechendes Gewerbegebiet bzw. eine Baulandfläche ist in Huntlosen kaum zu finden. Was ein Gewerbegebiet an der Sannumer Straße für das beschauliche Huntlosen, das Ortsbild und betroffene Anlieger bedeuten könnte, beleuchtete die Interessengemeinschaft für Erhaltung des ländlichen Raumes im Norden von Huntlosen, kurz „dorfkraft.de“ betitelt, am Freitagabend in Meyers Gasthaus in einer Bürger- und Informationsversammlung.

40 Zuhörer

„Wir möchten heute Abend nicht nur sachlich informieren, sondern auch Meinungen und Stimmungen hören“, begrüßte Gerrit Schröder zusammen mit Mauritz von Strachwitz und Olav Bruns von der Interessengemeinschaft gut 40 Gäste.

Wie Schröder einleitend aufzeigte, habe die Gemeinde Großenkneten auf Drängen der Firma Kornkraft mit einer Fläche an der Westseite der Sannumer Straße gegenüber den Häusern der Familien Schröder nachgegeben. Alternative Standorte im Gewerbegebiet Ahlhorn oder im Metropolpark habe Kornkraft wegen des „zur Firma nicht passenden Umfelds“ abgelehnt. Seiner Forderung nach einem anderen Standort in Huntlosen habe Kornkraft dadurch Nachdruck verliehen, dass das Unternehmen mit dem Umzug in eine andere Gemeinde gedrohte habe, so Schröder.

An der Sannumer Straße in Huntlosen sei deshalb ein sechs Hektar großes Areal in den Fokus gerückt. Drei Hektar davon würde demnach Kornkraft für sich beanspruchen, der Rest könne an kleinere Gewerbebetriebe vergeben werden. Schröder: „Geplant sind von Kornkraft unter anderem ein Hochregallager, teilweise Kühlung und Tiefkühlung. Die Gebäude hätten eine Traufhöhe von zehn Metern. Der Ausbau soll in drei Bauphasen bis 2035 auf 10 000 Quadratmetern bebaut werden. Erst dann wären dort auch Arbeitsplätze im vollen Umfang nach 16 Jahren sicher.“

Die Vertreter von „dorfkraft.de“ machten deutlich, dass sie den Bio-Lebensmittel-Großhändler als Huntloser Firma schätzten. „Den Standort halten wir aber für falsch; denn nicht nur die unmittelbaren Anwohner wären betroffen.“ Der ganze Ort würde mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zwischen den beiden Firmensitzen über den langen Zeitraum der Bauphase konfrontiert. Das Ortsbild würde sich verschlechtern, Zersiedelung und Bodenversiegelung im großen Umfang wären die Folge und die Gemeinde würde finanziell stark belastet und in Vorleistung gehen müssen.

Besonders bangen die Bewohner um ihren Schlaf in den Nachtstunden, wenn es erhöhten Lkw-Verkehr gebe, die dann beladen und entladen würden – und das in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung. Außerdem sei die verkehrliche Anbindung gegenüber Ahlhorn im Nachteil.

Zur Sprache kam auch das bereits bestehende Gewerbegebiet Heidkämper nebenan am Ortsausgang. Wie dargestellt wurde, gebe es im hinteren Bereich noch genügend Fläche. „Wie wir in Gesprächen mit der Gemeinde erfuhren, würden aber Lärmemissionen gegen eine Ansiedlung sprechen“, hieß es von der Interessengemeinschaft.

Bürger werden beteiligt

Ihre Standpunkte und Bedenken stellten die drei Vertreter von „dorfkraft.de“ in einer Präsentation dar. Darin wurden die Einwände auch aus planerischer und baulicher Sicht von Bruns und von Strachwitz anhand gesetzlicher Bestimmungen und Vorlagen dargestellt.

In der anschließenden Diskussion meldete sich Matthias Reinkober aus Hosüne, der im Stadtplanungsamt in Lohne arbeitet und für die Kommunale Alternative im Großenkneter Gemeinderat sitzt. Man stünde noch am Anfang. Es werde hypothetisch argumentiert. Erst jetzt würden Gutachten zu Flora und Fauna angeschoben. Die frühzeitigen Bürgerbeteiligungen würden folgen. Jederzeit bestehe hier Einspruchsmöglichkeit von Bürgerseite und öffentlichen Trägern. Die Gemeinde selbst könne jederzeit den Stecker ziehen und den Plan für das neue Gewerbegebiet verwerfen.

Für Schröder, der von der „Voll-Katastrophe“ für Direkt-Betroffene sprach, und für seine beiden Mitstreiter gebe es zu viele Wenn und Aber. Sie würden liebe Gestern als Heute das Projekt auf Eis legen.

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