Ganderkesee Wer in Niedersachsen einen Termin in einer Facharztpraxis benötigt, braucht Geduld. Laut der aktuellen Studie „Gesundheitsversorgung 2016“ der pronova BKK, für die 1639 Bürger ab 18 Jahren befragt wurden, mussten rund drei von zehn Patienten einen Monat oder länger auf ihren Termin warten.

Facharzt-Versorgung im Landkreis in Zahlen

Die Bedarfsplanung legt fest, wie viele Ärzte in einem Landkreis tätig sein sollen. Es wird bestimmt, wie viele Ärzte jeweils für eine bestimmte Zahl Menschen zur Verfügung stehen sollen. Im Landkreis Oldenburg leben 128 608 Personen, darunter 64 620 Frauen und 22 598 Kinder.

Augenärzte: Ein Arzt soll 24 837 Personen versorgen, es gibt sechs Ärzte und somit einen Versorgungsgrad von 115,9 Prozent. Chirurgen: 47 512 Personen, fünf Ärzte, 147,8 Prozent Frauenärzte: 6554 Frauen, 11,5 Ärzte, 116,6 Prozent HNO-Ärzte: 34 489 Personen, fünf Ärzte, 134,1 Prozent Hautärzte: 42 872 Personen, vier Ärzte, 133,3 Prozent Kinderärzte: 4372 Kinder, sechs Ärzte, 116,1 Prozent Neurologen: 33 138 Personen, 4,5 Ärzte, 115,9 Prozent Orthopäden: 26 750 Personen, 5,5 Ärzte, 114,4 Prozent Psychotherapeuten: 9087 Personen, 53 Therapeuten, 201 Prozent Urologen: 53 054 Personen, drei Ärzte, 123,8 Prozent

Wer in Ganderkesee einen Termin bei einem Facharzt benötigt, muss teilweise sogar länger als ein Jahr warten. Die NWZ  hat bei fünf Ärzten getestet, wie lange es dauert, bis man bei allgemeinen, nicht akuten Problemen einen Termin bekommt. In einer Augenarztpraxis hieß es direkt: Aufnahmestopp. Ähnlich erfolglos war der Versuch bei einer Diplom-Psychotherapeutin: Sie habe eine Warteliste von über einem Jahr. Um in einer Hautarztpraxis Leberflecken checken zu lassen, müsste ein Patient bis Mitte April warten. Wer hingegen Probleme mit den Ohren hat, muss nicht lange warten. Selbst bei einer allgemeinen Untersuchung bietet eine HNO-Praxis Termine schon ab dem 6. Januar an. Auch bei Leiden des Bewegungsapparats geht es schnell: In einer orthopädischen Praxis ist eine Untersuchung schon am 23. Dezember möglich.

Wer hofft, dass sich bald weitere Fachärzte in der Nähe niederlassen, wird enttäuscht: Denn wie viele Ärzte sich in einer Region niederlassen dürfen, regelt die gesetzlich vorgeschriebene Bedarfsplanung. Und die gibt vor, dass sich derzeit kein weiterer Facharzt im Landkreis Oldenburg niederlassen darf, erklärt Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Denn: „Der Landkreis Oldenburg ist sehr gut versorgt.“

Im Bereich Fachärzte werden die Landkreise betrachtet. Liegt der Versorgungsgrad bei über 110 Prozent, darf sich hier kein weiterer Arzt dieser Fachrichtung niederlassen. „Eine Ausnahme gibt es, wenn ein neuer Arzt eine bestehende Praxis übernimmt“, erklärt Haffke. Im Landkreis Oldenburg liegt der Versorgungsgrad in allen Fachbereichen bei mehr als 110 Prozent (Zahlen siehe Infokasten).

Ein bisschen anders sieht es im Bereich Hausärzte aus: Hier liegt Ganderkesee im sogenannten Mittelbereich Delmenhorst, dazu gehören neben der Stadt Delmenhorst und Ganderkesee auch Weyhe und Stuhr. Hier versorgen 101 Hausärzte 170 737 Menschen. Laut Bedarfsplanung ist ein Hausarzt für 1630 Menschen zuständig. Das ergibt einen Versorgungsgrad von 96,2 Prozent. „Ad hoc könnten sich also in diesem Bereich 14,5 Hausärzte niederlassen“, erklärt Haffke. Theoretisch könnten auch alle 14,5 Hausärzte – 0,5 bezeichnet eine halbe Stelle – in Ganderkesee eine Praxis eröffnen. Das sei aber unwahrscheinlich: „Der Trend geht dahin, dass sich die jungen Ärzte eher in Städten niederlassen.“

Dass die Quoten nicht immer aussagen, wie gut die Versorgung wirklich ist, gibt Haffke zu: „Es ist schwierig, den genauen Bedarf zu erfassen. Es müsste zum Beispiel erfasst werden, ob eher Kinderärzte oder Ärzte für Ältere gebraucht werden.“ Er hat aber einen Tipp: Mit einer Überweisung klappt es mit einem Termin oft schneller. Die Annahme, dass Privatpatienten schneller einen Termin bekommen, sei richtig. „Aber jede Praxis hat acht bis zehn Prozent Privatpatienten. Wenn von 100 Terminen zehn an Privatversicherte gehen, ist das in der Relation nicht viel.“

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Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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