Sandkrug Ulrike Schiller kann sich noch gut an den 30. September erinnern. Den Tag, als sie davon erfuhr, dass ihr Vater das Seniorenzentrum „Am Klänerhof“ verlassen muss. „Ich war geschockt, sprachlos, zuhause habe ich erstmal geheult“, erzählt die Sandkrugerin. Mittlerweile sind ihre Gefühle in Enttäuschung und Wut umgeschlagen.

Als es ihrem Vater immer schwerer fiel, den Alltag alleine zuhause zu meistern, erzählt Ulrike Schiller, habe sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester dazu durchgerungen, ihn in einem Pflegeheim unterzubringen. Nach langem Krankenhausaufenthalt und einer viertägigen Kurzzeitpflege Ende August 2014 im Klänerhof, fiel die Entscheidung, dort den 84-Jährigen, der an Demenz leidet, dauerhaft unterzubringen.

Zwei Umzüge aufeinander

Am Wochenende vor dem Umzug direkt aus der Reha wurde der alte Hausstand aufgelöst und das neue Zuhause mit eigenen Möbeln im Heim eingerichtet. „Das war am 30. September. Wir haben Vater aus der Reha abgeholt und zum Klänerhof gebracht. Dort wurde ich dann von der Pflegedienst- und Heimleitung über die Schließung zum 31. Oktober informiert.“

Sofort seien ihr vom Hatter Pflegedienst alternative Unterbringungsmöglichkeiten angeboten worden, erzählt Schiller, die im Hotel Meiners in Hatterwüsting arbeitet. „Doch der Neubau in Wüsting ist zumindest zurzeit noch ohne begehbare Wege für Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind. Seine Möbel hätten dort auch nicht reingepasst. Das ist nicht das richtige für unseren Vater“, ist sie überzeugt.

Seitdem hat sie mit vielen Seiten gesprochen. Ihr Eindruck: „Jeder hat eine andere Sichtweise, nur leider geht es immer nur ums Geld, nicht um die betroffenen Menschen.“ Und dann holt sie selbst den Vertrag hervor, in dem die finanziellen Leistungen für die Unterbringung ihres Vaters im Klänerhof geregelt waren. Zu zahlende 23,42 Euro pro Tag sind dort aufgeführt für die Instandhaltung des Mobiliars und des Gebäudes. Macht etwas mehr als 8500 Euro pro Jahr und Bewohner.

Hoffen auf Ruhe

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Ulrike Schiller hat in Absprache mit ihrer Schwester die Konsequenzen gezogen. Wieder einen Transporter besorgt, wieder gemeinsam mit Schwester und Sohn die Möbel und andere Habseligkeiten geschleppt. Ihr Vater lebt jetzt seit kurzem in Kreyenbrück in einem Heim, das von der proSenium-GmbH geleitet wird. „Jetzt sind wir ganz froh und hoffen, dass auch er sich an das neue Umfeld gewöhnt“, sagt die Sandkrugerin, „aber der Weg dahin...“

Aus Gesprächen weiß sie: So mancher rechnet offenbar fest damit, dass der Klänerhof nicht lange leerstehen wird und es damit die Option geben könnte, zu pflegende Angehörige wieder nach Sandkrug zurückzuholen. Für sich selbst schließt sie diesen Schritt aber aus – ihr Vater soll endlich zur Ruhe kommen. Ulrike Schiller hat nur noch einen Wunsch: „Hoffentlich muss ich nie so etwas selber über mich ergehen lassen.“

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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