Harpstedt Wenn Spaziergänger am Simmerhauser Weg in Harpstedt die vielen Schilder in den Feldern sehen, dann, so sagt Florian Eiskamp, werde auch schon mal gefragt: „Wird hier genveränderter Mais angebaut?“ Der Landwirt schüttelt dann den Kopf. Solche Experimente gebe es in Deutschland nicht. Welche Versuche aber tatsächlich auf den Feldern etwa in Höhe Hustädte stattfinden und was dabei bislang herausgekommen ist, das wird am Dienstag, 2. Juli, bei einem „Feldtag“ gezeigt. Um 10 Uhr finden Führungen für Besucher aus der Landwirtschaft statt, ab 19 Uhr sind alle anderen Interessierten willkommen.

Maisanbau auf 27,5 Prozent der Flächen

Etwa 12 000 Hektar werden in der Samtgemeinde Harpstedt landwirtschaftlich genutzt. Davon entfielen im Jahr 2017 auf: Weizen 1600 Hektar; Roggen 1330 Hektar; Gerste 1375 Hektar; Triticale 890 Hektar; Mais 3300 Hektar; Raps 590 Hektar; Kartoffeln 1090 Hektar; Zuckerrüben 280 Hektar; Dauergrünland 1570 Hektar; Wildacker 18 Hektar; Blühflächen 76 Hektar; Stilllegung 56 Hektar.

„Ackerbau zum Anfassen für jedermann!“ heißt die Veranstaltung. Sie findet zum dritten Mal statt und wird von den Firmen Agravis, Bayer, Meiners-Saaten und Amazone organisiert. Auf einem rund zwei Hektar großen Acker der Familie Eiskamp werden in etwa 100 Parzellen Versuche durchgeführt – zum Beispiel mit Mais und potenziellen Alternativen, mit Blühmischungen oder Zwischenfrucht.

Was allen Versuchen gemeinsam ist: Es gehe letztlich um die Frage, wie in Zukunft Nahrungs- und Futtermittel produziert und gleichzeitig ein Ausgleich für die Natur geschaffen werden könnten, so fasste es Anbauberater Wolfgang Jerebic (Bayer) zusammen. Eine ganze Zeit lang sei hierüber ideologisch diskutiert worden, mittlerweile sei die Diskussion eher sachlich-fachlich, schilderte Claus Plate (Meiners-Saaten) seine Eindrücke.

Beispiel Mais: Hier zeigen Versuche unter anderem den Anbau mit und ohne fungiziden Beizschutz für das Saatgut. Auch für Laien schnell erkennbar: Beim Verzicht aufs Beizen sind die Pflanzen kleiner, „jede vierte Pflanze ist gar nicht gekommen“, so Florian Eiskamp. Wenn, wie es sich schon bei Raps-Produkten abzeichne, das Beizen mehr und mehr verboten werden sollte, „wird auf Landwirte ein Problem zukommen“, prognostizierte Plate.

Zu Mais-Alternativen für Biogas-Anlagen: Hier zeigt der Feldtag auf einem angrenzenden Acker der Familie Eiskamp die vor zwei Jahren angesäte „Durchwachsende Silphie“. Der Exot, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, könne etwa 15 Jahre genutzt werden, berichteten Christoph und Florian Eiskamp. Aber: Es sei aufwendig, ihn auf dem Acker zu etablieren. Auch sei der Ertrag an Trockenmasse geringer als bei Mais: Statt mit 16 bis 17 Tonnen sei wohl eher mit 12 bis 14 Tonnen zu rechnen.

Die Themen „Bodenleben“ und „Bestäubervielfalt“ werden in einem Versuchsblock behandelt. Hier wurden die letztjährig ausgesäten Blühmischungen erneut ausgesät, so dass die Besucher einzelne Mischungen im ersten und zweiten Standjahr direkt vergleichen können. Dabei sei ganz deutlich geworden, dass Flächen mit Blühmischungen intensiv gepflegt werden müssen, damit das Unkraut nicht alles verdrängt. Lena Pleus (Agravis): „Sie etablieren sich nicht von selbst.“

Abgerundet wird der Feldtag durch aktuelle Landtechnik in Sachen Aussaat und Pflanzenschutz.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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