Harpstedt Kann die kanadische Eiche auf dem Wendeplatz der Breslauer Straße überleben? Diese Frage stellen sich die Anwohner, seit der Baum von der Samtgemeinde Harpstedt stark zurückgeschnitten wurde. In einem offenen Brief wandten sich Anwohner an die Verwaltung. Für sie waren die Eiche und die nun abgebaute Bank, die sie umringt hatte, zum Zentrum ihrer Nachbarschaft geworden. Ob der Baum diese Maßnahme überstehen wird, ist für die Unterzeichner des Briefes ungewiss.

Was steht in dem Brief?

Die Eiche habe Pflege benötigt, keinen „Radikalschnitt“. „Der Baum wurde so stark zurück geschnitten, dass er die nächsten Jahre weder Schatten spenden, noch ansehnlich sein wird“, heißt es in dem Schreiben. „Es ist sogar fraglich, ob er überhaupt überleben kann.“ Vor etwa 30 Jahren sei dieser von den Bewohnern der Breslauer Straße gepflanzt und seitdem gepflegt worden.

Auch die nun entfernte Bank hätten die Bewohner selbst gebaut und instand gehalten. Vor einigen Jahren, heißt es in dem Brief, sei das Holz mithilfe von gesammelten Spenden erneuert worden.

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Die Unterzeichner beklagen auch, dass beim Beschnitt der kanadischen Eiche über ihre Köpfe hinweg entschieden worden sei. „In Harpstedt, dachten wir, geht man anders miteinander um.“

„Das Zentrum unserer Straße – ein simpler Baum und eine Bank, die 30 Jahre lang ein Symbol für unser Zuhause waren, sind nun zerstört“, heißt es in dem Brief weiter. Die Unterzeichner fordern die Gemeinde dazu auf „alles dafür zu tun, damit der Baum überlebt“. Zudem erwarten sie den Wiederaufbau der Bank.

Was sagen die Anwohner?

Eine Befürchtung der Bewohner der Breslauer Straße ist, dass die großen Schnittflächen den Baum anfällig für Schimmel machen könnten. Im Jahr 1982, vor 38 Jahren, sei der Baum mit Genehmigung und Unterstützung der Gemeinde gepflanzt worden, so einer der Unterzeichner des offenen Briefes. Für den Umfang, in dem er beschnitten wurde, hat er kein Verständnis. „Im Nachhinein wurde alles irgendwie gerechtfertigt“, findet er. Sollte der Baum den Beschnitt nicht überleben, sollte er seiner Meinung nach von der Gemeinde ersetzt werden.

„Der Baum sieht entsetzlich aus“, berichtet auch eine Bewohnerin der Breslauer Straße. Von der Gemeinde fühlt sich die 78-Jährige missverstanden. Im Herbst des letzten Jahres habe sie in der Krone der Eiche Totholz bemerkt und daraufhin die Verwaltung gebeten, dieses zu entfernen. „Dabei ging es um einige Zweige, nicht um ganze Äste“, erinnert sich die 78-Jährige. Dann sei aber alles anders gekommen: „So schnell konnten wir gar nicht gucken, da waren die ersten Äste schon abgesägt.“ Einer davon sei direkt auf die darunter stehende Bank gefallen. Dass sie die Verwaltung um die Entfernung des Totholzes gebeten hatte, bereut sie inzwischen.

Was sagt die Gemeinde?

In einer schriftlichen Antwort äußerte sich die Gemeinde zu den Hintergründen der Maßnahme. Eine Anwohnerin habe die Verwaltung auf das Totholz in der Krone aufmerksam gemacht, berichtet Jens Hüfner, Fachbereichsleiter für Bau und Planung. Vor Ort hätten sachverständige Landschaftsgärtner des Bauhofs die Situation von oben begutachtet und Totholz und morsche Äste in der Baumkrone bemerkt. „Wir haben den Baum in der Hoffnung, dass er wieder austreibt, beschnitten“, so Hüfner. Die Alternative sei die Fällung gewesen.

Hüfner bezieht sich auch auf ein Bild des Baumes aus dem Herbst 2015, das dem offenen Brief beiliegt. Bereits auf diesem sei Totholz zu erkennen. Der Zustand der Eiche habe sich in den darauf folgenden trockenen Sommern noch verschlechtert. Auch die Bank sei in schlechtem Zustand gewesen: „Es stand schon fest, dass sie abgebaut werden muss“, so Hüfner. Für ihn spricht nichts dagegen, dass die Bewohner der Breslauer Straße diese mit den derzeit auf dem Bauhof der Samtgemeinde gelagerten Betonblöcken selbst wieder aufbauen.

Jana Wollenberg Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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