Betrifft: NWZ -Berichte über den geplanten Neubau der Hähnchenschlachterei von Firma Kreienkamp in Ahlhorn

Ich bin ausdrücklich für das Projekt der Fa. Kreienkamp in Ahlhorn. Die Argumente und das Entgegenkommen zum Beispiel bei der Frage der Kläranlage haben mich überzeugt. Hier investiert ein Unternehmen sinnvoll und langfristig ausgerichtet, um den Betrieb und damit die Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen. Ich würde diesen zukünftigen Gewerbesteuerzahler hier in der Gemeinde Großenkneten sehr gerne willkommen heißen. Die konventionelle Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie mit allen vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen und den dort vertretenen kleinen und mittleren Betrieben waren und sind ein Garant für die guten Wirtschaftsdaten unserer Region. Hier sollte man nicht den Esel schlagen, der die Last trägt.

Leider habe ich das Gefühl, dass ich eine Einzelmeinung vertrete, angesichts der Präsenz und der Lautstärke der Gegner des Projektes. Oder gibt es hier vielleicht auch durchaus eine schweigende Mehrheit, die dem Projekt zu mindestens nicht grundsätzlich entgegensteht.

Wenn bei den Protesten von Volkes Stimme die Rede ist, ist diese dann aber definitiv nicht meine.

Dr. Rainer Henking Großenkneten

Gut, dass Herr Feiner sich dazu bekennt, die Pläne Kreienborgs und Kalvelages nicht gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung mit einer hauchdünnen Mehrheit durchdrücken zu wollen! Allerdings ist mir nicht klar, auf was für einen Kompromiss er in dieser Angelegenheit hinauswill. Denn bei dieser Schlachtfabrik geht es um mehr, als um Umwelt- und Gesundheitsgefahren für die Bürger vor Ort. Es geht um 100 000 bis 200 000 Tiere, die pro Tag (!) getötet werden sollen.

Diese Schlachtungen sind für die Ernährung der Bevölkerung nicht notwendig. Im Gegenteil, man braucht nur auf der Internetpräsenz diverser Menschenrechtsorganisationen, z.B. „Brot für die Welt“ nachlesen, dann erfährt man, dass die an der industriellen Fleischproduktion beteiligten Betriebe in Europa als wesentliche Verursacher für Hunger und Elend von Menschen in der sog. „Dritten Welt“ verantwortlich gemacht werden. Wir haben also auf der einen Seite unfassbar grausam gequälte Tiere aus der Massentierhaltung, die für nichts und wieder nichts gemästet und getötet werden und dazu notleidende Menschen, denen durch den Sojaanbau und subventionierte Exporte von Billigfleisch die Existenzgrundlage weggerissen wird. Auf der anderen Seite stehen Investoren, die sich die Taschen füllen wollen, um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Verluste. Zwischen diesen Interessenslagen hat sich die Politik zu entscheiden. (...)

Da gibt es keine Kompromisse. In dieser Situation gibt es eben tatsächlich nur schwarz oder weiß.

Carin Folkerts Hatten

Bevor aufmerksame Leser oder Enthüllungsjournalisten es aufdecken: der Unterzeichner dieses Leserbriefes erwirbt sein täglich Brot seit 30 Jahren in enger Zusammenarbeit mit der konventionellen Geflügel- und Fleischwirtschaft. Wer so aufgestellt ist, der unterstützt den Bauantrag natürlich. Sich nun über die Presse an die Gegner des Vorhabens zu wenden, erscheint müßig: da herrscht Klarheit über die Ablehnung.

Lohnend erscheint aber die Frage an Rat und Verwaltung, nach welchen Kriterien von nun an geplante Unternehmensansiedlungen in der Gemeinde beurteilt werden sollen: wollen wir produzierende Wirtschaft oder glauben wir, davon leben zu können, dass wir uns allen gegenseitig regelmäßig die Haare schneiden?

Hätte Exxon als seit Jahrzehnten größter Gewerbesteuerzahler der Gemeinde heute überhaupt noch eine Ansiedlungschance wenn dieselbe Unsachlichkeit praktiziert würde wie im Umgang mit Herrn Kreienborg? Wir diskutieren hier nicht mehr nur über die Frage, ob eine weitere Schlachterei für Ahlhorn gut oder schlecht ist.

Im Umfeld wird aufmerksam verfolgt, wie Rat und Verwaltung mit Unternehmern umgehen. Ich leite 2 Unternehmen in der Gemeinde Emstek und fühle mich da sehr wohl. Meine großen Nachbarn im ecopark sind aus Wildeshausen und Ahlhorn kommend nach Emstek umgezogen – warum wohl? Wildeshausen ist in Unternehmerkreisen hinlänglich dafür bekannt, kein Ansiedlungskandidat zu sein, Großenkneten-Ahlhorn ist im Umgang mit ansiedlungswilligen Unternehmern auf dem gleichen Wege.

Dr. Klaus-Peter Behr Großenkneten

(...) Das Aufbegehren in Ahlhorn ist (...) mehr als nur ein lokaler Widerstand gegen Unrecht durch ein einzelnes Schlachtunternehmen. Immer mehr Nutztiere werden besonders im Norden industriemäßig in Tierhaltungsfabriken gehalten. Folge: Überdüngung der Böden, eine unkorrigierbare Nitratverseuchung des Grundwassers, Billigbezahlung hart arbeitender Menschen vorrangig aus Osteuropa – über Jahrzehnte hinweg.

Einmal Nitrat im Grundwasser – immer Nitrat im Grundwasser. Politiker wissen davon, üben sich gekonnt im Verdrängen und nehmen ihre Verantwortung überhaupt nicht wahr. Im Gegenteil. Selbst Wasserverbände (z. B. der OOWV!) kennen das Problem – rütteln aber auch nicht am Privileg der Nitratverursacher. Um ihr Produkt Wasser vermarkten (verkaufen) zu können, geben sie dem nitratbelasteten Wasser solange weniger belastetes hinzu, bis der erlaubte Grenzwert hergestellt ist. Sie verschneiden quasi Wasser wie Schnapsbrenner, die den Alkoholgehalt bis zur Trinkfähigkeit runtertrimmen. Na denn Prost.

Was hat das mit dem geplanten Ahlhorner Massen-schlachtbetrieb zu tun? Leider zu viel; denn jede Massentiertötungsanlage setzt eine Unzahl Zulieferer für „Tiermaterial“ aus riesigen Tierfabriken mit all den bekannten negativen Begleiterscheinungen voraus. (...)

Leo und Annegret Kurth Wildeshausen

Ich verstehe die ganze Aufregung um die Verlegung der Schlachterei von Wildeshausen nach Ahlhorn überhaupt nicht. Die Firma Kreienborg betreibt seit Jahrzehnten diese Schlachterei, mittlerweile sogar direkt in der Stadt. Beanstandungen sind nicht bekannt.

Sollte es wirklich ernsthafte Bedenken gegen einen solchen Betrieb geben, wäre die Stadt Wildeshausen sicherlich eingeschritten.

Nun möchte sich dieser Betrieb erweitern und den heutigen Erfordernissen anpassen.

Dies ist am derzeitigen Standort nicht möglich.

Also Verlegung in eine andere Gemeinde.

Zunächst völliges Einverständnis von Seiten der Gemeinde und der Firma. Der Betrieb soll vergrößert und nach Ahlhorn verlegt werden. Wohlgemerkt, ein noch produzierender Betrieb.

Hier, in dieser unserer Gemeinde, wird den Menschen jedoch auf einmal erklärt, dass es sich um ein Projekt handelt, dass in hohem Maß gefährlich für Mensch und Umwelt ist. Dies scheint für Wildeshausen nicht zu gelten.

Dieser Sachverhalt sollte zumindest den Ratsherren zu denken geben. Von diesen kann man wohl verlangen, dass sie nicht mit den Füßen, sondern auch mit dem Kopf abstimmen.

Dieter Menkens Großenkneten

(...) Jedes Mitglied des Gemeinderates, das für die Ansiedlung des Schlachthofes stimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er/sie gegen den Willen der Mehrheit der Bürger abstimmt, dass er/sie für eine Gefährdung des Grundwassers, eine weitere „Vermaisung“ der Landschaft, für eine Degradierung der Ackerböden, für vielfachen Einsatz von Antibiotika mit allen Risiken für die menschliche Gesundheit stimmt. (...)

Er/sie muss sich im Klaren sein, dass der Schlachthof nur ein Glied in der Kette der überschießenden Fleischproduktion ist, angefangen von der Enteignung der Kleinbauern in Südamerika, von Urwaldrodung, Futtermittelanbau in Monokulturen unter geradezu krimineller Anwendung von Pestiziden, über die tierquälerischen Massentierhaltung bis hin zu den ökologischen Folgeschäden weltweit. Das System „Industrielle Landwirtschaft“ funktioniert nur durch großzügige Subventionen, Steuervergünstigungen und dadurch, dass die Gewinne beim Erzeuger bleiben, die Schäden aber von allen getragen werden. (...)

Im Grunde ist es ökologischer Wahnsinn, einen Großteil der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche für den Anbau von eiweißhaltigem Tierfutter zu verschwenden (oder genau so fatal: Für Biogasanlagen zu nutzen) anstatt nachhaltig Getreide für die Ernährung der Weltbevölkerung anzubauen. (...)

Bei der Abstimmung in Großenkneten geht es also nicht nur um Gewerbesteuer und Arbeitsplätze „ja oder nein“ sondern hauptsächlich um „für und wider“ Tier-, Klima- und Umweltschutz, um unsere globale Verantwortung. Was wiegt mehr?

Dr. Klaus Weinmann     Dr. Jutta Weinmann Wardenburg

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.