Großenkneten Die Hauptstraße von der Einmündung Moorbeker Straße bis weit in den Ort Großenkneten hinein stand am Dienstagabend voll mit Treckern am Straßenrand, dazu der komplette Marktplatz: Es waren wohl schätzungsweise mehr als 100 Fahrzeuge. Hunderte von Demonstranten standen vor dem Gasthaus Kempermann.

Durch dieses mächtige Spalier von Fahrzeugen und Personen kamen die knapp 200 Gäste des Neujahrsempfangs der Gemeinde Großenkneten gleichwohl ohne Probleme zum Gasthaus. Darum hatte die Gemeinde die Organisatoren der Demonstration gebeten, daran hielten sich die Veranstalter.

Das Ziel der Landwirte um Sprecher Jan-Bernd Stolle war der Ehrengast Olaf Lies (SPD). Erst vor kurzem hatten die Landwirte vom Besuch des Niedersächsischen Ministers für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz erfahren. Sie bereiteten ihm wie schon im Dezember in Ganderkesee einen „großen“ Empfang. Der Politiker stellte sich dem Gespräch mit den Landwirten, die um ihre Zukunft fürchten und sich von immer neuen Umweltauflagen und Bürokratiehürden drangsaliert sehen. Nicht zuletzt die neue Düngeverordnung sorgte auch am Dienstagabend hörbar für Empörung, da sie als weltfremd und praxisfern empfunden wird.

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„Wir haben freundliche Gesichter, aber Grummeln im Bauch“ formulierte Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandsvolks, die Stimmungslage im gesamten Agrarsektor. Hauptsächlich führte Stolle, Sprecher des Bündnisses „Land schafft Verbindung“ (LSV), den Dialog mit dem Minister. „Wir Landwirte werden das nicht machen“, sagte er, „die Zündschnur ist ganz kurz geworden“. Zugleich betonte er, dass diese Aussage nicht als Drohung verstanden werden solle. Massive Kritik äußerte er an der Düngeverordnung und der Schuldzuweisung bei den Nitratwerten im Wasser an die Landwirtschaft. Die 20-Prozent-Vorgabe bei der Einschränkung der Düngung sei fachlich nicht zu rechtfertigen. Minister Lies warb für einen sachlichen Dialog: „Wir gehen immer anständig miteinander um.“ Es gebe Probleme beim Wasser und der Artenvielfalt. Sie seien so lösen, dass man eine funktionstüchtige Landwirtschaft habe.

Angesichts der Vorgaben der Politik meinte Stolle: „Unsere Vorfahren drehen sich im Grabe um.“ Gegen 17.30 Uhr wurde das Gespräch auf der Treppe beendet, die friedliche Demonstration löste sich auf.

In seiner Festansprache auf dem Neujahrsempfang ging Lies auch auf die Demo ein. Er sprach von einer „lebhaften und intensiven Diskussion mit Landwirten aus der Region“. Er fragte: „Wie kann es sein, dass ein Land wie Deutschland die beste Lebensmittelqualität zu den billigsten Preisen hat?“ Derzeit werde der Bürger subventionierte, damit er billig einkaufen könne. „Wir als Bürger müssen bereit sein, für hochwertige Lebensmittel auch faire Preise zu zahlen.“ Wer gesunde Lebensmittel in ausreichender Zahl wolle, der müsse die Landwirtschaft als Partner für Umwelt und Artenvielfalt begreifen. Diese Leistungen müssten der Landwirtschaft dann auch bezahlt werden. Gänzlich ohne Veränderung werde der Prozess aber nicht gehen, betonte er auch in Richtung Landwirtschaft.

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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