Großenkneten Der Ausgangpunkt für diese Initiative war 2013 der damals geplante Bau eines Hähnchenschlachthofes in Ahlhorn. 20 Ärzte wiesen gemeinsam auf die möglichen medizinischen Folgen der Massentierhaltung hin. Aus diesem Kreis ist die „Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung“ entstanden, seit April 2015 ein eingetragener Verein. Sie besteht inzwischen aus mehr als 700 Unterzeichnern aus dem medizinischen Bereich, die das Positionspapier unterstützen. Die Ärzteinitiative beschäftigt sich „mit den schädlichen Auswirkungen der industriellen Intensivtierhaltung auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft“. Jetzt widmet sie sich erneut einem Thema in der Gemeinde Großenkneten: der aktuell laufenden Bauleitplanung zur Steuerung des Neubaus von Tierhaltungsanlagen.

Ende Mai hat die Initiative alle 31 Kneter Ratsmitglieder angeschrieben und ihre massiven Einwendungen gegen weitere Stallbauten „in der ohnehin hoch belasteten Region“ formuliert. Eine der beiden Unterzeichner ist Dr. Jutta Weinmann, ehemals Zahnärztin in Ahlhorn und der Gemeinde Großenkneten immer noch sehr verbunden. Zwei Monate danach hat die Initiative von fünf der 31 Ratsmitglieder eine Reaktion auf ihr eineinhalbseitiges Schreiben erhalten, „Sehr enttäuschend“, findet Weinmann diese Resonanz. Dazu gehört die Antwort des Bürgermeisters, der formal auf die öffentliche Auslegung der Pläne verwiesen habe und sich nicht zur Problematik geäußert habe, so Weinmann. Dabei sei es der Initiative gerade darum gegangen, auf die gesundheitlichen Belange hinzuweisen.

Von der AfD-Fraktion reagierten zwei Mitglieder. „Auf unsere Argumente sind sie aber nicht eingegangen“, so Weinmann. Ein Ratsmitglied der SPD teilte die Bedenken der Initiative, aber nicht alle in der Fraktion seien der Meinung, hieß es. Schließlich formulierte ein Mitglied der KA-Fraktion mündlich volle Zustimmung zum Papier. Aus Reihen von CDU und FDP kamen laut Weinmann bisher keine Reaktionen.

Über das weitere Vorgehen der Initiative wolle der Vorstand jetzt bei einer Sitzung beraten, so Weinmann.

Sorge um Reserveantibiotika – Problem Feinstaubemission

Vier gesundheitsrelevante Folgen sieht die Ärzteinitiave bei einem weiteren Ausbau der Massentierhaltung. Nachfolgend Ausschnitte aus dem Brief an die Ratsmitglieder:


 „Mehr Masttiere erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Seuchen, wie die Ausbrüche der Geflügelpest belegen. Auf Grund der besonderen Eigenschaften des Erregers der Geflügelpest erhöht sich mit jedem Ausbruch einer Seuche die Gefahr, dass ein menschenpathogener, das heißt ein auch für Menschen krankmachender Keim entsteht.“


 „Mehr Masttiere bedeuten auch einen höheren Einsatz von Antibiotika. Zuletzt ist der Einsatz von sogenannten Reserveantibiotika deutlich angestiegen. Diese Substanzen sind aber aus humanmedizinischer Sicht absolute Reserveantibiotika. Wenn sich gegen diese resistente Keime entwickeln, fallen wir in ein postantibiotisches Zeitalter zurück, in dem Menschen an banalen Infektionen sterben.“


 „Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und Allergien haben deutlich zugenommen. Bei diesen Erkrankungen besteht nachweislich ein Zusammenhang mit einer erhöhten Feinstaubemission, nicht nur aus Autoabgasen, sondern auch aus der Landwirtschaft. 95 Prozent der Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft.“


 „Mit dem Mist und der Gülle aus den Tierställen werden zugleich auch Antibiotika und multiresistente Keime auf den Äckern verteilt. Die Ausbringung von Mist und Gülle erhöht somit das Reservoir an resistenten Keimen und Resistenzgenen in der Umwelt über das natürliche Maß hin­aus.“

Ulrich Suttka Kanalmanagement / Redakteur
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