Gemeinde Hatten Dass Besucher auf ihren Hof kommen und sich über Infos zum Thema Milcherzeugung freuen, das kennt die Familie Lüschen-Strudthoff schon. Doch normalerweise sind das Kindergartengruppen, Grundschulklassen oder Teilnehmer einer Gästeführung. Aber ein Wirtschaftsprüfer, ein Gutachter und ein weiterer Landwirt, die stundenlang die Ställe der 135 Milchkühe, das rund 110 Hektar umfassende Ackerland, die Bilanzen und das Gesamtkonzept des Betriebes durchleuchten – das war neu. „Zum ersten Mal haben wir uns um den Milchlandpreis, die Goldene Olga, beworben“, erzählt Karin Lüschen-Strudthoff. Und zwar sehr erfolgreich. Die Familie kam unter die Top 10 bei dem Wettbewerb der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN), bei dem über 8500 Milchviehhalter mitmachen können.

Goldene Olga: Viele Formulare

Das mit dem „ersten Mal“ betont Karin Lüschen-Strudthoff so, weil die Bürokratie die Familie bislang immer abgeschreckt hatte. „Und dann dachte ich mir: Diesmal machen wir’s“, erzählt sie fröhlich. Wie eine dezidierte Wirtschaftsprüfung sei es ihm vorgekommen, bestätigt auch Ehemann Dirk Lüschen-Strudthoff. Die Jury zog vier Kriterien zur Beurteilung heran: Ökologie, Ökonomie, das Tierwohl und das Soziale.

„Es gefiel den Prüfern, glaube ich, dass hier alles in Teamarbeit und als Familienkonzept geschieht“, vermutet Karin Lüschen-Strudthoff. Mit am Tisch sitzen die vier Kinder. Annika (18), Finn (17), Madita (14) und Insa (10). Obwohl sie in der Schule durchaus auch mal einen Spruch einstecken müssen, finden die vier den Beruf ihrer Eltern klasse. „Ich finde es toll, dass man auch mal die ganze Klasse einladen kann und den Platz dafür hat“, sagt zum Beispiel Madita. Sie hat den Traum, eines Tages Tierärztin zu werden. Praktisch, finden die Eltern. Und auch Annika kann sich vorstellen, in Richtung Landwirtschaft zu gehen. „Sie hat den Tierverstand von Dirk geerbt“, ist Mama Karin stolz. Sie selbst kümmere sich vor allem ums Zahlenwerk und das Büro. „Da ergänzen wir uns einfach“, so Dirk Lüschen-Strudthoff. Sohn Finn will auch im Betrieb bleiben.

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Melkroboter helfen enorm

Kann man bei all der Verantwortung überhaupt mal Urlaub machen? „Ja klar, das muss man nur gut organisieren. Wir haben jemanden, der nach den Kühen schauen kann“, erklärt der Landwirt. Außerdem gibt es seit 2011 auf dem Hof eine riesige Unterstützung: zwei Melkroboter. Etwa 55 Kühe kann einer von diesen automatisch gesteuerten Melkanlagen pro Tag versorgen – komplett selbstständig. „Unsere Erfahrung ist, dass man am besten überhaupt nicht eingreift“, berichtet Karin Lüschen-Strudthoff. Jede Kuh habe ihren eigenen Rhythmus, die Reihenfolge pendele sich schnell ein. „Die meisten Kühe gehen dreimal täglich in die Anlage. Das ist ein großer Vorteil, weil ihre Euter nie komplett voll sind“, geht Dirk Lüschen-Strudthoff ins Detail. Seine Frau muss lachen und schaut in die Runde. „Ich kann das den Kühen sehr gut nachfühlen, dass das so sehr viel angenehmer ist. Ich habe schließlich auch alle meine Vier gestillt.“

Drei-Generationen-Projekt

Ein weiterer Vorteil des Roboters: Die Technik erkennt Krankheiten oder Abweichungen in der Milch. „Bei jedem Melkvorgang wird der Salzgehalt geprüft, die Farbe und die Temperatur. Wir merken sofort, wenn etwas nicht stimmt“, ist Dirk Lüschen-Strudthoff beruhigt. Rundfahrten zum Nachwuchs, Kontrollen bei den Tieren auf der Weide – all das übernehmen noch Friedhard und Linda Lüschen, beide 79 Jahre alt. „Es leben also drei Generationen von dem Betrieb“, fasst Karin Lüschen-Strudthoff zusammen. Und weil das so ist, packen alle mit an. Ausmisten, Futter nachfüllen, Kälbchen versorgen – alles Teamarbeit.

Kleines Detail am Rande: Eine „Olga“ ist bei den Tieren nicht dabei. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Die Jungtiere stehen bereits in den Startlöchern.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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