Colnrade 71 000 eigenständige Gemeinden hatte Japan im Jahr 1888 noch – heute sind es gerade mal 1700. Besonders in den vergangenen Jahrzehnten wurden viele Kommunen aus Kostengründen zusammengelegt. Eigenständige kleine Ortschaften gibt es kaum noch, sagt Professor Kimiaki Yamazaki.

Der Regionalsoziologe von der Universität Gifu versucht zu ergründen, wie man die Bevölkerung der großen Städte Japans an den Entscheidungen beteiligen könnte, die ihre direkte Umgebung betreffen.

Anregungen dafür holt sich der Wissenschaftler unter anderem in Colnrade, das er in den vergangenen Tagen besucht hat. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann und ihrem Stellvertreter Klaus Karnath war er am Mittwoch im Ort unterwegs. Der Dorfladen interessierte den 49-jährigen Forscher ebenso wie die Umbauten am Dorfgemeinschaftshaus oder der kleine Kindergarten.

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Es ist nicht der erste Besuch von Yamazaki, zuletzt war er vor fünf Jahren in Colnrade. „2000 und 2001 war ich für zehn Monate als Gastwissenschaftler an der Uni Oldenburg“, erzählt er in fast fließendem Deutsch. „Damals haben mich vor allem die Bürgervereine in Oldenburg interessiert, die es flächendeckend für die ganze Stadt gibt.“

Ähnliche Strukturen gebe es auch in Japan, wo Bürgervereine sich ehrenamtlich für die Belange der Menschen auf lokaler Ebene einsetzen. Wie in Oldenburg auch hätten diese Vereine aber kein direktes Mitbestimmungsrecht.

Wie die Strukturen einer kleinen Gemeinde mit Rat und Verwaltung funktionieren, will der Wissenschaftler aus der 400 000-Einwohner-Stadt Gifu jetzt in Colnrade weiter erforschen. Vor allem die Veränderungen im Vergleich zu seinem letzten Besuch interessieren ihn. Welche öffentlichen Einrichtungen gibt es noch? Wie sieht die Zusammensetzung im Gemeinderat aus, gibt es genügend Kandidaten? Diese und weitere Fragen stellt er der Bürgermeisterin. Auch möchte der Forscher gerne wissen, über welche Haushaltsmittel der Rat verfügen kann, und sogar die Diskussion über die Höhe der Samtgemeindeumlage interessiert ihn. Nicht alle Fragen werde sie sofort beantworten können, meint die Colnrader Verwaltungschefin.

Für Anne Wilkens-Lindemann ist das internationale Interesse aber auch ein Zeichen dafür, dass die kommunale Selbstverwaltung kleiner Gemeinden wie Colnrade eine Zukunft hat. „Wir können hier auch mit einem kleinen Haushalt etwas bewegen“, ist sie überzeugt.

Der japanische Forscher pflichtet ihr bei. Die Bürger der aus finanziellen Gründen immer weiter vergrößerten Gemeinden Japans vermissten die Möglichkeiten, die Entscheidungen in ihrem direkten Umfeld zu beeinflussen.

An diesem Donnerstag endet der Besuch von Yamazaki in Colnrade bereits wieder. Er fährt weiter nach Osnabrück, wo er ebenfalls bereits geforscht hat und macht sich Ende der Woche wieder auf den Heimweg in seine Heimatstadt im Zentrum der Japanischen Hauptinsel.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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