Viele kleine Kinder möchten später Polizist oder Astronaut werden. Aber später kommt dann oft doch alles ganz anders. So war es auch bei Jens Stöber (50). Er wollte immer gerne Landwirt werden – und heute ist er der Inhaber von „Stöber Papier & Schreibwaren“ und Inhaber der Firma „B-P-E“ (Büro, Papier, EDV) in Ganderkesee. Privat ist ein Stück von seinem Kindheitstraum aber noch in Erfüllung gegangen.

In seinen ersten Lebensjahren verbrachte Jens viel Zeit in der Backstube seiner Großeltern Martha und Hermann Hüholt oder im Verkaufsladen, in dem seine Mutter Ursula die Kunden bediente. Mit ungefähr neun Jahren waren Brötchen und Kuchen nicht mehr interessant, da waren Kühe und Trecker angesagt. Jede freie Minute verbrachte Jens auf dem Bauernhof von Familie Borries in Bookhorn. „Ich war beim Melken mit dabei, genauso wie beim Sortieren der Kartoffeln. Später durfte ich auch schon mit dem Trecker leichte Arbeiten verrichten“, schwärmt Jens noch heute.

Diese Zeit war auch eine Lehrstunde fürs spätere Leben. Ein kleines Bullenkalb hatte es ihm angetan. Beide wurden Freunde. Immer wenn Jens auf den Hof kam, kam auch schon der Bulle angelaufen, um von Jens gestreichelt oder gefüttert zu werden. Nach drei Jahren hieß es Abschied nehmen, denn auch dieser Bulle musste zur Fleischgewinnung seinen letzten Weg antreten. „Da sind bei mir Tränen geflossen“, erinnert sich Jens.

War er nicht auf dem Hof bei Familie Borries, so war er im Geschäft seiner Mutter. Ursula Stöber hatte 1979 das „Papier- & Schreibwarengeschäft“ von Wilhelm und Grete Focken übernommen. Da Jens das Geschäft eventuell einmal übernehmen sollte, machte er ein Schulpraktikum bei Carl Otto in Delmenhorst. Nach Abschluss der Realschule besuchte er die Höhere Handelsschule. Beim Fachgeschäft Dauelsberg in Delmenhorst absolvierte er dann seine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel. Er beendete seine zweijährige Ausbildung zu einer Zeit, in der es allgemein schwierig war, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Man musste nehmen, was angeboten wurde.

So erging es auch Jens Stöber, der bei einem Betonwerk in Bremen eine Anstellung fand. Hier verkaufte er keine Büroartikel, sondern Steine. Zwei Jahre waren vergangen, als sich die Bundeswehr an Jens Stöber erinnerte und ihn mit 22 Jahren einzog. Nach der Grundausbildung meinte ein Sanitäter zu ihm: „Stöber, sie haben doch eine kaufmännische Ausbildung. Wir benötigen noch jemanden, der die Akten ordnet.“ Jens wollte über dieses Angebot eigentlich noch eine Nacht schlafen, aber um diesen Posten zu bekommen, musste er sofort zusagen.

Dadurch, dass viele Patienten beim Sanitäter vorstellig wurden, hatte auch Jens viel zu tun. Dieser Job war alles andere als eine Beschäftigung zum Zeitvertreib. „Die viele Arbeit und das bei der niedrigen Besoldung, das kann nicht richtig sein“, sagte sich Jens Stöber und verpflichtete sich kurzerhand für drei Jahre. Kurz vor Ende der Bundeswehrzeit meldete sich der Chef der Firma Zimmermann – ein Spezialgeschäft für Zeichentechnik und Malerbedarf in Bremen.

„Ich hatte mich da mal beworben und nun wollte man mich haben“, erzählt Jens. Gerne denkt er an die Zeit in der Bremer Firma zurück, aber mit der Zeit wurde der Wunsch nach einer eigenen Firma immer stärker und präsenter. Am 1. Januar 1997 gründete er dann seine eigene Firma: Büro-Papier-EDV (B-P-E). Standort waren zunächst die Kellerräume im Wohnhaus seiner Eltern. Mit dem Umzug von „Stöber Papier und Schreibwaren“ in die neuen Räumlichkeiten Am Ring 8 zog auch Jens mit seiner Firma dort ein. Heute hat B-P-E vier Mitarbeiter. Natürlich unterstützte er seine Eltern in deren Geschäft. Nachdem Ursula und Hans Stöber 2017 in den Ruhestand gewechselt waren, übernahm Jens auch dieses.

Besonders freut sich Jens auf die kommende Woche, denn dann wird das 40-jährige Bestehen von „Stöber Papier-&Schreibwaren“ gefeiert. Erholung von der täglichen Arbeit findet Jens auf seiner kleinen „Ponderosa“. Es ist schon etwa 20 Jahre her, dass Jens mit einem Kumpel auf dem Reiterball in Höven war. Dort lernte er seine spätere Freundin kennen und mit ihr die Liebe zu den Pferden. „Sie wunderte sich, dass ich mich beim Stall-Ausmisten gar nicht so schlecht angestellt habe“, erinnert sich Jens.

Die Freundin ist schon lange nicht mehr aktuell, aber die Liebe zu den Pferden ist geblieben. Auf seiner kleinen Ranch hat Jens ein Pferd und er erntet eigenhändig das Futter für den Winter. „Ich bin eben doch noch ein Bauer geworden, wenn auch ein ganz kleiner“, lächelt Jens. Abschalten kann er nicht nur auf seinem Trecker, sondern auch als begeisterter Funkamateur. Er ist Mitglied im Deutschen Amateur Radio-Club (DARC) und kann so die ganze Welt erreichen. „Da bin ich unabhängig. Wenn ich Lust dazu habe, dann brauche ich niemanden zu fragen und kann loslegen und zum Beispiel mit Funkamateuren in Australien Kontakt aufnehmen.“

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Dirk Wieting spricht mit Jens Stöber, Inhaber

von Stöber Schreibwaren

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