Ganderkesee Sie leben in den Gräben der Sannauer Hellmer. Und auch in Schönemoor sollen sie bereits heimisch sein. Nutrias sind inzwischen in der Gemeinde Ganderkesee angekommen. Sechs der Nagetiere sind kürzlich im Jagdrevier Neuenlande an der Grenze zur Wesermarsch erlegt worden. Doch die Jäger wissen, dass es noch mehr von ihnen gibt: „In der Sannauer Hellmer sind sie richtig aktiv“, sagt Jagdpächter Thomas Hasselberg.

Deich durchwühlt

Landkreis beteiligt sich an Kosten für Fallen

Die Zahl der Nutrias ist im Landkreis Oldenburg in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. 2015 wurden die ersten Tiere dieser Art entdeckt. Besonders in der Gemeinde Wardenburg, wo im vergangenen Jahr 345 erlegte Nutrias gezählt wurden, und auch in Wüsting in der Gemeinde Hude sind sie verbreitet.

Mit Lebendfallen soll die Population eingedämmt werden. Der Landkreis Oldenburg beteiligt sich nach Angaben von Eva-Maria Langfermann, Dezernentin im Amt für Naturschutz und Landschaftspflege, an den Kosten. Die Hunte-Wasseracht und der Ochtumverband setzen auf Rohrkippfallen. Durch ihre Nutzung soll verhindert werden, dass sich schützenswerte Tiere wie Fischotter verletzen, sollten sie in eine der Fallen geraten.

Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Sumpfbiber sind gefürchtet, weil sie mit ihren Bauten Uferböschungen und Deiche zerstören. Der Ochtumverband in Harpstedt zahlt deshalb seit zwei Jahren eine sogenannte Schwanzprämie von 6 Euro für jede gefangene Nutria. Außerdem sei der Jägerschaft in Klattenhof eine Lebendfalle zur Verfügung gestellt worden, sagt Geschäftsführer Matthias Stöver. Denn die Schäden, die die Tiere anrichten, verursachen hohe Kosten. In Hasbergen bei Delmenhorst seien wegen der Nutrias rund 10 000 Euro in die Instandsetzung des Ochtum-Deichs investiert worden, berichtet Stöver. „Der Deich war durchwühlt“, sagt er. „Bei Hochwasser quoll das Wasser landseitig hindurch.“ Doch auch für Landwirte stellen Nutria-Untergrabungen in Uferböschungen eine Gefahr dar, weil landwirtschaftliche Fahrzeuge absacken können.

Während Bisamratten von Bisamjägern bekämpft werden, die im Auftrag der Landwirtschaftskammer arbeiten, fallen Nutrias seit Mitte des Jahres unter das Jagdrecht. Sie seien das einzige Wild, das man ganzjährig jagen könne, erläutert Hasselberg aus dem Revier Neuenlande.

Rasante Vermehrung

Sorgen bereitet den Jägern, dass sich die Tiere rasant vermehren: Nutrias können bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen, die nach etwa einem halben Jahr geschlechtsreif sind. „Die Population vervier- oder verachtfacht sich“, sagt Jan-Bernd Meyerholz, Leiter des Hegerings Ganderkesee. Die Jäger haben das Problem der eingewanderten Tierarten erkannt, erst kürzlich gab es dazu einen Vortrag. „Das Thema ist in der Jägerschaft angekommen“, sagt Helmut Blauth, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst.

Natur-Gefüge in Gefahr

Auch Waschbären und Marderhunde breiten sich immer weiter aus. Anders als in anderen Regionen Niedersachsens sind sie nach Einschätzung von Jan-Bernd Meyerholz jedoch erst vereinzelt in der Gemeinde Ganderkesee anzutreffen. Trotzdem befürchtet der Hegeringleiter, dass sie sich ausbreiten. Zwar richten sie nicht so hohen wirtschaftlichen Schaden an wie die Nutrias. „Aber sie bringen das Gefüge der Natur durcheinander.“

Marderhunde etwa fressen Gelege von Wiesenvögeln und auch Jungtiere. Sie seien eine Gefahr für Kiebitze und Uferschnepfen, die auf der Roten Liste stünden, erläutert Helmut Blauth. Auch Waschbären stellen eine Gefahr für bedrohte heimische Tierarten dar. Zudem mögen die Kleinbären mit der putzigen Gesichtsmaske die Nähe des Menschen.

Meldung an Jäger wichtig

In Siedlungen und innerstädtischen Bereichen würden sie in Häusern herumkaspern und könnten die Deckel von Mülleimern öffnen, sagt der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Mülltonnen sollten deshalb so verschlossen werden, dass die Deckel nicht geöffnet werden könnten, rät Blauth. Wichtig sei auch eine Meldung an die Jägerschaft. „Damit man den Anfängen wehren kann.“

Antje Rickmeier Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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