Ganderkesee 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut Umweltbundesamt in Deutschlands Privathaushalten im Müll. Containern, das Entnehmen der Lebensmittel aus den Mülleimern der Supermärkte, ist nach wie vor Diebstahl. Supermärkte in Ganderkesee versuchen indes, ihre Lebensmittelabfälle möglichst zu reduzieren.

„Wir verwerten fast alles“, sagt Maren Willemsen vom Bioladen Kornkraft. Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) naht, würden neu bepreist, um diese schneller zu verkaufen. Im nächsten Schritt würden noch gute Produkte, die aber zum Beispiel eine Druckstelle aufweisen, im eigenen Bistro genutzt. Was im Anschluss noch liegen bleibt, dürften die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen. Bevor Artikel jedoch in der Tonne landen, verschenkt Kornkraft diese. „Das, was wirklich überbleibt, ist nicht verwertbar“, sagt Maren Willemsen hinsichtlich der Container-Diskussion.

Auch in den Inkoop-Filialen wird daran gearbeitet, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. „Bei uns geht das meiste von dem, was verzehrfertig ist, zu den Tafeln“, sagt Bernd Oetken, Geschäftsführer der Supermärkte.

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Containern sieht Oetken nicht als ein Phänomen für Ganderkesee oder andere ländliche Regionen: „In Großstädten und Ballungszentren funktioniert das wahrscheinlich eher.“ Im Unternehmen sei schon mehrfach über die Öffnung der Müllcontainer nachgedacht worden, bisher seien die Bedenken jedoch zu groß. Gerade die Frage der Haftung sei noch nicht endgültig geklärt. Oetken bevorzugt die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen: „Da ist man auf der sicheren Seite.“

Abgelaufene Ware gibt Inkoop unter anderem an die Tafel ab. Dort wird zwischen MHD und Verbrauchsdatum unterschieden, wie Walburga Bähre, Leiterin der Delmenhorster Tafel, berichtet. Lebensmittel aus Konserven seien zum Beispiel noch über ein Jahr, Käse bis zu drei Wochen länger verzehrbar. „Wir beziehen unsere Lebensmittel von den umliegenden Supermärkten“, sagt Bähre. In Ganderkesee spenden neben Inkoop auch Aldi, Famila, das Fruchtparadies Öztürk und Lidl an die Tafel. Bähre hält es für sinnvoll, Lebensmittel über gemeinnützige Organisationen zu verteilen, damit ein geregelter Ablauf gesichert ist – Containern könne sich negativ auf die Tafeln auswirken, glaubt sie.

Kostenfrei ist die Herausgabe der Lebensmittel jedoch nicht. „Die Tafelgäste müssen eine Spende von drei Euro leisten, der Wert des Einkaufs liegt aber weit darüber“, erklärt Simone Both von der Ausgabestelle Ganderkesee.

Ibrahim Celik, Chef des Restaurants „Schwarzes Ross“ in Bookholzberg, muss seine Speisen entsorgen: „Leider dürfen wir verarbeitete Lebensmittel nicht weitergeben.“ Der neue Vorsitzende des Ortsverbandes Ganderkesee-Hude im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) ergänzt: „Man merkt, dass die Gäste sensibilisierter sind als die letzten Jahre.“ Oft werde gefragt, wie mit überschüssigen Speisen verfahren werde. Celik hat sich mit Apps, die Lebensmittelverschwendung eindämmen sollen, auseinandergesetzt: „In Oldenburg oder Bremen ist der Zulauf anders, da geht sowas vielleicht.“ In ländlicheren Gebiete hält er es für sehr unwahrscheinlich, dass jemand nachts um zwei noch übrig gebliebenes Essen bei ihm abhole.

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