Ganderkesee /Landkreis Der Wolf wird kommen, auch nach Ganderkesee. Daran besteht wenig Zweifel. Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg, der von Bernd Althusmann nun als Kandidat für das Amt des Umweltministers vorgestellt wurde, hat das Thema wieder aufs Tapet gebracht. „Es gibt Bereiche, in die passt der Wolf nicht. Da muss reguliert werden – mit Abschuss“, sagte Oesterhelweg. Während der Wolf im Südkreis seine Präsenz immer wieder zeigt, wartet man in Ganderkesee noch ab.

Die Landwirte

Das tut man aber nicht unbedingt gelassen: „Wir kennen alle die Berichte von halbtoten oder toten Nutztieren“, betont Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Landvolks Ganderkesee. Die Landwirte seien, aus Angst um ihre Tierbestände, auch ganz klar für einen Abschuss. „Der kann gerne kontrolliert sein! Aber einen hundertprozentigen Schutz halten wir für falsch“, so Wübbenhorst weiter. „Der ländliche Bereich wird hier völlig alleine gelassen.“ Gerade die Diskussion um Einzäunung und andere Schutzmaßnahmen sei reine Showpolitik. „Wir reden hier nicht von 1000 Quadratmeter Kleingärten, sondern von ganzen Landstrichen, die eingezäunt werden müssten.“ Der Wolf dürfe nicht so behandelt werden wie die Krähe, die die Scheu vorm Menschen schon verloren habe. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Distanz gewahrt bleibt“, so Wübbenhorst.

Der Nabu

Auch der Naturschutzbund (Nabu) beobachtet die Entwicklung genau und steht vor allem mit Carsten Sauerwein, einem der beiden Wolfsberater für den Landkreis Oldenburg, in regelmäßigem Austausch. „Wir sind natürlich für mehr Artenvielfalt“, sagt Hans Fingerhut, Vorsitzender des Nabu Ganderkesee. „Wir sehen aber akut keine Anzeichen für eine Ansiedlung des Wolfes in der Gemeinde.“ Zudem müsse man aus einem ganz pragmatischen Grund abwarten: „Es müssen erst Erfahrungen gesammelt werden“, so Fingerhut. Und auf diese Erfahrungen müsse man bauen, das Verhalten der Wölfe müsse genau beobachtet und erforscht werden. Um auf diesen Erkenntnissen aufbauen zu können, müsse man die schützenden Maßnahmen anpassen.

Die Jäger

„Der Wolf ist schon da“, betont Karl-Wilhelm Jacobi, Vorsitzender der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst. „Es gibt schon viel mehr als wir denken“, ist er sich sicher. Ein hohes Interesse an der Bejagung seitens der Jäger im Landkreis sieht er indes nicht. „Der Wolf ist da für uns eher uninteressant.“ Das bedeute aber nicht, dass man den Umgang mit dem Wildtier nicht genau regeln müsse. „Wichtig ist, dass wir sachlich diskutieren und dass es endlich geregelt wird“, so Jacobi. Ein Aussitzen und Warten auf eine „natürliche“ Regelung werde nichts bringen. „Der Wolf steht an der Spitze der Nahrungskette und wird sich seinen Platz sichern.“ Vorbereitungen auf den Wolf seien indes – für Jäger – nicht möglich. „So steuerbar ist der Wolf nicht.“ Vorbereiten müssten sich allerdings die Halter von Nutztieren.

Der Wolfsberater

Für den Landkreis Oldenburg sind Carsten Sauerwein aus Delmenhorst und Dr. Gerhard Frensel aus Ovelgönne als Wolfsberater tätig. Im Gespräch mit der NWZ sieht Sauerwein die Wolfssituation im Landkreis noch gelassen. „Wir haben zwar schon häufiger Spuren gefunden, es bleibt aber insgesamt sehr überschaubar.“ Fälle wie der aus Goldenstedt (Landkreis Vechta) seien ihm für den Landkreis Oldenburg noch nicht bekannt geworden. Es gebe zwar vereinzelt Meldungen von Rissen, die aber häufig nicht eindeutig Wölfen zugeschrieben werden könnten. Und für die Gemeinde Ganderkesee sind Sauerwein gar keine Wolfsmeldungen oder Spuren bekannt. Anders im Raum Hude, Dötlingen, Harpstedt und Wildeshausen, wo man teilweise schon Wölfe mit Fotofallen erwischen konnte. „Im Verhältnis mit anderen Gebieten gibt es aber sehr wenige Meldungen.“ „Tierhalter können und sollten sich mit dem Thema Herdenschutz auseinandersetzen“, rät Sauerwein dennoch. Viel mehr könne man aktuell auch gar nicht tun.