Ganderkesee Beim Jahreswechsel vor einigen Tagen haben sich die Menschen für sich ganz persönlich, aber auch für ihre Mitmenschen alles Gute für das neue Jahr gewünscht. Dabei gibt es Symbole für das personifizierte Glück und eines davon ist der Schornsteinfeger. Auch der 52-jährige Bezirksschornsteinfeger Udo Meyering verkörpert durch seinen Beruf für viele Menschen das Glück. So war er zum Beispiel schon als Glücksbringer auf einer Silvesterfeier auf Usedom. Dass die Schornsteinfeger selbst das Glück nicht immer gepachtet haben, das musste Udo Meyering selbst schmerzhaft feststellen.

Doch der Reihe nach: Bernhard Meyering, der Vater von Udo, war ebenfalls Schornsteinfegermeister und als dieser 1978 seinen eigenen Bezirk zugeteilt bekam, musste die Familie ihren Wohnort von Haren/Ems nach Melle verlegen. Durch einen Klassenkameraden kam Udo zum dortigen Schwimmverein. Hier schaffte er es auf den Langstrecken (800 bis 1500 Meter) bis zu den Landesmeisterschaften. Später wechselte er zum Flossenschwimmen im Freiwasser, und das unter anderem im Rhein oder auch in der Ems. Seit früher Jugend ist Udo aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Das macht mir unheimlich viel Spaß, obwohl ich bei unserer Arbeit Unglück und Leid hautnah miterlebe.“ Heute ist er stellvertretender Ortsbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hekeln. Auf die Frage, ob er gerne zur Schule gegangen ist, erhalte ich ein klares und deutliches „Nein“. „Heute denke ich manchmal, hättest Du mal mehr gemacht“, lächelt Udo Meyering.

Ohne großen Aufwand schaffte er seinen Realschulabschluss. Sein Schulpraktikum machte er in Melle als Koch in einem Restaurant. „Ich habe schon immer gerne für meine Familie gekocht, und das war nicht nur Spaghetti Bolognese“, erzählt Udo. Als Praktikant, dazu in der hektischen Spargelzeit, war er aber mehr Zuschauer, als dass er einen Kochlöffel in die Hand bekam. „Um als Koch etwas zu werden, musst du viel reisen, um woanders immer wieder etwas Neues zu lernen. Dazu kommen die nicht gerade familienfreundlichen Arbeitszeiten. Zwei Gründe, warum ich heute beruflich nicht am Kochtopf stehe.“

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Sein Onkel Gerhard war ebenfalls Schornsteinfeger und dieser motivierte ihn zu diesem Beruf. Udo absolvierte seine Ausbildung dann aber nicht bei seinem Vater, sondern bei einem Berufskollegen in Melle. „Ich war meistens mit unserem Altgesellen unterwegs und der hat mich ,geschliffen’, was mir im Nachhinein nicht geschadet hat“, erinnert sich Udo Meyering lächelnd.

Während seiner Ausbildung war er morgens bei Schnee und Eis mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einem Kunden. „Ich fuhr schon sehr vorsichtig, weil die Straße glatt war.“ Plötzlich kam ein Mofafahrer von hinten, berührte seine Schulter und rief: „Ich brauche gleich viel Glück bei meiner Abiturarbeit!“ Ob Udo Meyering ihm als Schornsteinfeger Glück gebracht hat, weiß er nicht: „Ich bin durch diesen Schlag vom Fahrrad gefallen und musste mit nasser Uniform zum Kunden“, erinnert sich Udo.

Nach seiner Gesellenprüfung arbeitete Udo Meyring noch einige Monate in seinem Ausbildungsbetrieb, bevor er bei der Bundeswehr in Lohne seinen Wehrdienst antrat. „Das war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Wir waren in unserer Gruppe mit 20 Rekruten und jeder musste sich auf den anderen verlassen können. Hier habe ich gelernt, was Kameradschaft ist.“

Nach der Bundeswehr arbeitete er als Geselle in einem Betrieb in Hagen am Teutoburger Wald. Während dieser Zeit legte er seine Prüfung als Schornsteinfegermeister ab und war dann auch verantwortlich für die Auszubildenden. „Eine meiner Auszubildenden war eine Dame und sie wurde als Jahrgangsbeste der Schornsteinfegerinnung im Landkreis Osnabrück ausgezeichnet“, erzählt Udo Meyering nicht ohne Stolz. Um noch mehr Erfahrung zu sammeln, arbeitete Udo noch zwei Jahre als Aushilfsgeselle in verschiedenen Betrieben.

2001 wurden dann die Bezirke für die Schornsteinfeger neu strukturiert. „Ich wollte unbedingt einen Bezirk auf dem Land und nicht in der Stadt.“ Sein Wunsch ging in Erfüllung und heute ist er in der Gemeinde Ganderkesee unter anderem in Bookholzberg, Hohenböken und zum Teil auch in Stenum und Rethorn tätig.

In Harmenhausen in der Gemeinde Berne fand Udo Meyering ein Haus für sich und seine Familie. Seine Ehefrau Bianka lernte er auf einem Feuerwehrball in ihrem Heimatort Holtland in Ostfriesland kennen, zu dem die Kameraden der Feuerwehr Melle, also auch Udo Meyering, eingeladen waren. Nach einem Jahr Fernbeziehung wurden „Nägel mit Köpfen“ gemacht und heute sind die beiden längst ein Ehepaar und stolz auf ihre Söhne Hauke (20), Reyk-Lasse (14) und Rune (6).

2007 wurde sogar die breite Öffentlichkeit auf Udo aufmerksam. Zusammen mit seinem Bruder Jörg, ebenfalls ein gelernter Schornsteinfeger, konnte er in der TV-Show „Das Quiz“ von Jörg Pilawa 100 000 Euro erspielen. Da stand ihm das Glück als Schornsteinfeger noch zur Seite.

Wegen der schweren Krankheit seiner Ehefrau Bianka war er danach nicht nur bei seinen Mitarbeitern und Kunden gefordert, sondern auch bei seiner Familie. Dazu kam, dass einer seiner Mitarbeiter tödlich verunglückte. Wegen dieser ganzen Ereignisse dachte er sogar daran, seinen Beruf aufzugeben. Den Glücksbringer hatte das Glück verlassen. „Heute ist aber alles wieder gut“, freut sich Udo.

Udo Meyering,der als Bezirksschornsteinfeger für Teile des Gemeindegebietes zuständig ist

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