Ganderkesee Gemächlich tuckert der Mähdrescher von Heiko Petershagen (53) über das Feld. Im Führerhaus hat der Landwirt eine Hand am Lenkrad und die andere am Joystick, mit dem die Geschwindigkeit der Maschine und das Schneidwerkzeug gesteuert werden. Bahn für Bahn frisst sich der Mähdrescher durch die Wintergerste. Unterbrochen wird der Reigen nur, wenn der um die drei Tonnen Korn fassende Korntank geleert werden muss.

50 Minuten, ein Hektar

Um die 50 Minuten braucht Petershagen für einen Hektar Fläche. Das Feld, auf dem er gerade arbeitet, hat etwa elf Hektar. „Wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich auch bis spät in die Nacht.“ Und gerade ist das Wetter gut, zu gut eigentlich. Zwar lassen sich die Felder gut befahren, aber die langanhaltende Trockenheit sorgt für Ernteverluste. „Wie das beim Weizen, Raps, der Sommergerste und dem Roggen aussieht, das müssen wir abwarten.“

Heiko Petershagen führt den Familienbetrieb seit vielen Jahren. Dass er nicht auf Lohnunternehmer zurückgreifen muss, sondern einen eigenen Mähdrescher hat, ist seinem Vater zu verdanken. Der kaufte in den 1960er Jahren einen der ersten „Selbstfahrer“, also motorbetriebenen Mähdrescher – und bot seine Dienste auch anderen Landwirten an. Eine Tradition, die Heiko Petershagen fortführt. Vier bis acht Wochen ist er auf seinen eigenen und auf anderen Feldern unterwegs, „die anderen elf Monate steht der Mähdrescher in der Maschinenhalle.“

Eine Investition, die sich trotzdem lohnt. Der Mähdrescher vereint in sich gleich mehrere Arbeitsschritte, die zur Ernte nötig sind. Das verstellbare Schneidwerkzeug erledigt das Mähen, das ins Innere des Fahrzeugs transportierte Getreide wird getrennt. Das Korn kommt in den Korntank, Stroh, Ährenreste und anderer „Beifang“ werden hinter dem Mähdrescher in säuberlichen „Strohdämmen“ aufgeschichtet. Die Maschinerie lässt sich auf verschiedene Getreidesorten und Korngrößen einstellen.

Viel Aufwand

„So einfach, wie es vielleicht aussieht, ist es aber nicht“, sagt Petershagen. Tägliche Wartung geht der Ernte voraus. Gerade wenn es so trocken ist, verstaubt das ganze Gerät. Säubert man nicht regelmäßig, steigt auch die Brandgefahr. „Staub und Hitze vertragen sich nicht so gut“, weiß Petershagen. Aber nicht nur Wartung und Reinigung verlangen Konzentration, auch das Fahren an sich: Spur halten, Schneidwerkzeug nachjustieren, Gerätewarnungen im Blick behalten. „Gerade am Ende des Tages zehrt die Monotonie manchmal an den Nerven.“

Korn wird zu Futter

Und wofür das Ganze? „Für Futter“, so Petershagen. Korn für Mehl werde in der Gemeinde Ganderkesee eigentlich nicht angebaut. Das bestätigt auch Enno Gramberg, Standortleiter der Raiffeisen-Warengenossenschaft Hunte-Weser in Ganderkesee. Das abgeerntete Korn landet bei ihm und seinen Mitarbeitern. „Und dann wird erstmal gewogen und eine Probe genommen“, erklärt Gramberg. Die Probe werde sofort ausgewertet, Feuchtigkeit und Hektoliter bestimmt. Nach diesen beiden Angaben richten sich der Preis und die nächsten Arbeitsschritte. Hat das Korn einen Feuchtigkeitsgehalt von mehr als 15 Prozent, muss nachgetrocknet werden. In Brettorf steht eine entsprechende Anlage. „Aber mit zu feucht haben wir gerade nicht zu kämpfen“, weiß der Standortleiter.

20 Prozent weniger

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Rund 3000 Tonnen Gerste werden im Schnitt pro Jahr am Standort Ganderkesee angeliefert. Zählt man Roggen, Weizen, Raps, Mais und Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – noch hinzu, kommt die Genossenschaft auf 12 500 Tonnen. Dieses Jahr rechnet Gramberg mit einem um die 20 Prozent geringeren Ertrag. Um die 80 Landwirte gehören zu den Kunden.

Nach dem Wiegen wird das Korn durch ein Bodengitter in der Anlieferung in den Reinigungsbereich gekippt. Dort wird es mit Luft weiter gereinigt und in den entsprechenden Lagerbereich transportiert. Zwölf Lagerstätten stehen in Ganderkesee zur Verfügung. Von hier aus wird das gereinigte Getreide nach Oldenburg zu Agravis gebracht, wo das Kraftfutter hergestellt wird. „Von dort wird es dann direkt an die Kunden ausgeliefert“, so Gramberg.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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