Ganderkesee “Sie haben Post.“ – Wer sich an diese E-Mail-Benachrichtigung des Dienstleisters AOL erinnern kann, gehört ironischerweise vielleicht noch zu denjenigen, die ab und an einen guten alten Brief verschicken. Und das wird bald teurer: Die Deutsche Post erhöht ab dem 1. Juli das Porto für Briefe.

Ein Standardbrief kostet dann 80 Cent (bisher 70 Cent), eine Postkarte verteuert sich gar um 33 Prozent und schlägt mit 60 Cent zu Buche. Zu der Frage, ob Einrichtungen und Unternehmen im digitalen Zeitalter von einer Portoerhöhung nennenswert betroffen sind, hat sich die NWZ in der Gemeinde umgehört.

Mehrkosten fallen nicht ins Gewicht

„Für uns spielt das überhaupt keine Rolle“, sagte Arnold Hansen, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, „das gängige Medium ist bei uns die E-Mail.“ Zwar würden immer noch Grüße und Einladungen per Post verschickt, auf kommunaler Ebene sei der Erhöhung des Portos aber zu vernachlässigen. In der Funktion als Landesgeschäftsstelle der Freien Wähler werden die Auswirkungen schon mehr spürbar sein: „Das sind bei uns 20 bis 30 Briefe pro Tag“, so Hansen, „pro Jahr dann sicherlich ein paar hundert Euro Mehraufwand.“

Nur geringe Auswirkungen werden die Portoerhöhungen für den Ortsverband des VdK haben, ist sich der Vorsitzende Dieter Strodthoff sicher: „Es gibt gut 200 Mitglieder, die wir fünfmal im Jahr mit einem Brief erfreuen.“ Den Mehrbetrag von 100 Euro für Porto könne der VdK laut Strodthoff aber aufbringen.

Hier 10 Cent, dort mehrere Tausend Euro

Für die Gemeindeverwaltung zeichnet sich dagegen eine nicht unerhebliche Mehrbelastung ab. „Die Portokosten der Gemeinde lagen 2018 bei rund 55 000 Euro“, erklärte Pressesprecher Hauke Gruhn. Da das aktuelle Jahr ein Wahljahr ist, sei bereits generell mit höheren Kosten zurechnen. Durch die Portoerhöhungen für Standardbriefe rechnet die Gemeindeverwaltung daher mit einer Mehrbelastung „im mittleren vierstelligen Eurobereich“.

Eine Belastung wird das erhöhte Porto auch für die Kirchengemeinde. Mitarbeiterin Anja Tornow bestätigte zwar, dass in der Kirchenarbeit vielfach E-Mails verwendet werden, laut Pastorin Irene Schlawin gebe es nach wie vor aber jedes Jahr hohe Portokosten. Genaue Zahlen waren am Mittwoch nicht bekannt.

Überhaupt kein Thema ist höheres Briefporto wiederum für Gerold Ahlers, Vorsitzender des Ganderkeseer Ort- und Heimatvereins: „Ein Brief im Monat ist schon viel für uns, die zehn Cent können wir uns leisten“, sagte er scherzend. Der Verein nutze hauptsächlich E-Mails, lediglich zu besonderen Anlässen, wie etwa bei Trauerfällen, würden Briefe verschickt.

In Unternehmen immer noch präsent

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Eine Präsenz hat die Briefpost nach wie vor für einige Unternehmen. „Briefe sind nicht zu vernachlässigen“, sagte Marco Bönicke, Berater im Außendienst bei der Spedition Mansholt. Einige Zustellungen würden nach wie vor per Post gemacht, da vor allem ältere Kunden den klassischen Brief bevorzugten. Insgesamt sei das bei Mansholt ein Anteil von etwa zehn Prozent, schätzte Bönicke.

Für die Tischlerei Sandkuhl hat dagegen der klassische Brief bereits wieder weniger Bedeutung, wie Marketingleiterin Kirsten Kanert bestätigte. „So viel Post wickeln wir gar nicht ab, das meiste läuft bei uns per E-Mail“, sagte sie. Der größte Anteil an Briefen für Sandkuhl sei Infopost, wo in Zukunft Alternativen zu überlegen seien, falls das Porto zu teuer werde.

Arne Haschen Redakteur / Redaktion Norden
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