Ganderkesee Pendler in Ganderkesee kennen das: morgens oder zum Feierabend mit dem Auto lange vor Bahnschranken warten müssen. Auch wer mit der Bahn zur Arbeit fährt, braucht oft länger, weil Züge an vielen Straßenübergängen nur langsam fahren können. Mit einer „finanziellen Umarmung“ will der Bund es den Kommunen künftig einfacher machen, Übergänge mit erhöhtem Gefährdungspotenzial sowie mit einer hohen Verkehrsbelastung auf Straße oder Schiene abzuschaffen, um den Verkehr zu beschleunigen.

Vor allem Reisende im Nordteil der Gemeinde könnten profitieren, wenn der Gesetzentwurf zur Finanzierung von Brücken oder Unterführungen wie gewünscht an diesem Mittwoch beschlossen werden sollte.

Grund: Der Schienenverkehr der im Norden verlaufenden Strecke Bremen-Oldenburg quert gleich neun öffentliche Straßen mit Bahnübergängen. Darunter die Bahnhofstraße in Schierbrok, der Sahrener Weg in Sahren sowie der Hohenborn und die Fockestraße in Hoykenkamp.

Dort gibt es seit Jahrzehnten Begehrlichkeiten: Der Orts- und Heimatverein Schierbrok-Stenum klagt über zu lange geschlossene Schranken an der Bahnhofstraße. Die UWG hatte unter ihrem früherem Chef Otto Sackmann einst schon eine Über- oder Unterführung ins Spiel gebracht. Und 2011 ergab eine damals von der Verwaltung beauftragte Studie, dass der Bahnübergang eine Belastung erreiche, die es rechtfertige, ihn durch ein „kreuzungsfreies Bauwerk“ zu ersetzen.

In Hoykenkamp könnte das seit Jahrzehnten diskutierte größte Straßenbauprojekt in der Gemeinde gar eine Wiederauferstehung erfahren – rein hypothetisch.

Für die damals angedachte Abschaffung des Übergangs Fockestraße und die Anlegung eines Fußgänger- und Radfahrer-Tunnels dürfte es nach der Sanierung des dortigen Bahnhalts nur geringe Chancen geben. Trotz der Aussicht auf eine finanzielle Entlastung und alter Ausbaubeschlüsse warnt Peter Meyer, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung, vor allzu großen Hoffnungen: Über dem gesamten Projekt schwebe weiter die Sorge, dass ein in diesem Zuge gut ausgebauter Hohenborn irgendwann die Basis für die in Ganderkesee weiterhin ungewollte Entlastungsachse im Lauf der B 212neu wird. Auch die Finanzierung werfe Fragen auf.

„Es ist jetzt schon möglich, Fördermittel zu erhalten, um die finanzielle Last zu senken. Ob das neue Gesetz wirklich Vorteile böte, müssten wir gründlich prüfen“, zeigt Meyer sich skeptisch. Mit Blick auf die Bahnhofstraße betont er: „Wenn wir dort einen Tunnel oder eine Brücke bekämen, würden wir Schierbrok nicht mehr wiedererkennen.“

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Ganz begraben will der jetzige UWG-Fraktionsvorsitzende Carsten Jesußek das Thema nicht und erinnert an alte Pläne: „Die Übergänge Sahrener Weg und Hohenborn schließen, auch den an der Fockestraße, dort stattdessen einen Fußgänger- und Rad-Tunnel“, sagt er. Wohin aber mit dem Kraftfahrzeugverkehr? „Der könnte durchs Gewerbegebiet Buschhagen und dort über eine Überführung geleitet werden.“

Thorsten Konkel Redakteur / Redaktion Ganderkesee
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