WILDESHAUSEN Den braun-bunten Stein, glatt geschliffen von den Ostseewellen, fand er vor drei Jahren im Urlaub am Strand von Prerow. „Er erinnert mich an einen Laib Brot“, sagt der Wildeshauser Hobbygärtner Klaus Stölting (67). Inzwischen liegt der Stein neben einem Krug im neuen Wildeshauser Bibelgarten. Das kleine Paradies am Remter, eingeteilt in vier Themenbereiche, wurde am Wochenende mit einem Empfang für geladene Gäste sowie der ersten öffentlichen Führung im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst offiziell eröffnet.

Mühlstein vom Bauhof

„Das ist heute eine Premiere“, begrüßte Franz Duin, Vorsitzender des Ausschusses Alexanderkirche im Gemeindekirchenrat, am Sonnabend die Gäste im Fachwerkhaus am Ende des einstigen Küstergartens. Das Gebäude war als Abstellraum genutzt worden. Erstmals fand hier nun eine Andacht statt, gehalten von Pfarrer Matthias Selke. „Staunen ist angesagt“, so der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. „Gott will mit uns durchs Leben tanzen.“ Es gelte, sich an der Schöpfung zu erfreuen und die Augen zu öffnen für große wie kleine Pflanzen im Bibelgarten.

Den Schriftzug auf dem dicken Eichenbrett, gestaltet von Künstler Hans-Joachim Kampa, erläuterte Wiltrud Stanszus vom Gemeindekirchenrat: Das Kreuz fuße in einer Pflanze, die auch an ein Herz erinnere. Einige Buchstaben seien ausdrücklich lang gezogen, damit sie Baumwurzeln gleichen. Bürgermeister Dr. Kian Shahidi sagte, dieser „Themenpark“ sei eine Bereicherung für die Stadt. Der Bibelgarten eigne sich vorzüglich für Ethik- oder Geschichtsunterricht im Freien. Die Stadt hat für das Areal einen Mühlstein, der bislang auf dem Bauhof lag, als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Hinter dem Fachwerkhaus ist so ein kleiner Rastplatz entstanden.

Landschaftsplanerin Eta Mumm hat das Konzept für den gut 180 Quadratmeter großen Bibelgarten erarbeitet. An dem kreuzförmig angelegten Weg, der auch für Rollstuhlfahrer gut passierbar ist, finden sich Pflanzen wie Amberbaum, Weinrebe oder Kräuter. Begeistert schlugen Küster Wolfgang Jöllenbeck und Rentner Stölting, die mit Stephan Sievers den Garten angelegt haben, den Bogen zu den biblischen Geschichten: So erinnern Stock, Quellstein und der Wasserlauf daran, wie Moses das Volk Israel durch die Wüste geführt hat. Ein Seil im Kiesbett symbolisiert die Steinschleuder, mit der David Goliath zu Fall brachte. Im „Sumpfgebiet“ steht Papyrus. Und die Aloe-Pflanze sei damals zum Einbalsamieren der Toten genutzt worden.

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Garten wächst weiter

Noch behauen werden soll ein großer Stein am Ende des Weges. Wenn er dann abgerundet ist, erinnert er an Jesu’ Felsengrab. Ein Ölbaum spendet Schatten. „Der Garten wächst ständig weiter“, betonte Duin. Dabei sei kein Cent aus Kirchengeld verwendet worden; sämtliche Pflanzen und Materialien haben Sponsoren finanziert. Nun biete man der Stadt „ein Schmuckstück“ an, so Duin. „Die Gästeführer freuen sich schon.“ Und was erhofft sich Stölting? „Ein ,Lohn’ für mein freiwilliges Engagement wäre es, wenn viele, die in den Bibelgarten gehen, anschließend den Weg in die Kirche finden.“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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