Landkreis /Wildeshausen „Erdbeeren? Haben wir noch nicht.“ Wer bei Ilse Helms im Hofladen in Lohmühle eine Schale der roten Früchte kaufen möchte, muss sich gedulden. So wie ihr geht es anderen Ladenbesitzern in diesen Tagen auch. Die Erdbeererträge lassen aufgrund der niedrigen Temperaturen auf sich warten. Jetzt blicken die Bauern zusätzlich den Eisheiligen entgegen.

Frost eingezogen

Ilse Helms bekommt ihre Erdbeeren von einem Hof in Goldenstedt. Dort würden sie in einem Folientunnel angebaut, erzählt die Geschäftsfrau. Allerdings ist noch nichts zur Lieferung bereit. „Himmelfahrt könnte es losgehen“, schätzt sie – also in rund zwei Wochen. Auch bei Heinrich und Renate Krieger im Hofladen in Holzhausen hat der Erdbeerverkauf noch nicht begonnen. Bei ihnen ist das zu dieser Zeit normal: Sie beziehen von einem Bauern aus Harpstedt ausschließlich Erdbeeren aus dem Freilandbau. Der Verkaufsstart sei für gewöhnlich Ende Mai, sagt Renate Krieger. Wegen der Wetterverhältnisse rechne sie aber ebenfalls mit verzögertem Start.

„Klima verändert sich“

„Der Frost ist in die Pflanzen eingedrungen“, erklärt Olaf Schachtschneider vom Pflanzenhof Schachtschneider in Aschenstedt. Durch die Wärme im März und der langanhaltenden Kälte im April seien die Blätter noch nicht ausgereift. Dadurch sei der Frost in einer kalten Nacht vor zwei Wochen in die Blätter gezogen. Unter anderem hätten die Hortensien auf seinem Pflanzenhof einen Frostschaden erlitten. „Erstmal drei bis vier Wochen warten“, rät er in solchen Fällen den Hobby-Gärtnern. In der Regel erhole sich die Pflanze von selbst.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Dass es vor den Eisheiligen kälter wird, ist für ihn als Gärtner nichts Neues. Dennoch stellt er fest: „Das Klima verändert sich.“ Der Winter komme immer später. „Das ist natürlich ärgerlich für die Obst- und Erdbeerbauern.“

Dazu zählt auch Christoph Thölking aus Langförden (Vechta). Der Landwirt beliefert unter anderem den Spargelhof Ulrich in Dötlingen. Er baut zum Teil in Gewächshäusern und in Folientunneln, zum Teil im Freiland an. Thölking hatte mit dem Frost vor zwei Wochen ebenfalls zu kämpfen. „Von Montag auf Dienstag ist mir alles kaputt gefroren.“ Gut 15 Tonnen Erdbeeren würden für gewöhnlich in einer Saison auf freiem Feld geerntet – in diesem Jahr dürften es weniger werden. Aus dem Gewächshaus rechnet er ebenfalls mit weniger Erträgen. „Wir hatten viele dunkle Tage“, erklärt er. Das schlage sich auf den Preis nieder – zusätzlich sei der Anbau im Gewächshaus kostenintensiver. Das wiederum macht sich letztlich an den Verkaufsständen vom Dötlinger Spargelhof Ulrich bemerkbar. „Momentan gibt es weniger Erdbeeren“, antwortet Klaus-Dieter Ulrich auf Nachfrage – das wirke sich natürlich auf den Preis aus. Hinzu komme, dass er vor allem derzeit Gewächshaus-Erdbeeren beziehe.

Mehr Sonne nötig

20 bis 25 Grad seien die idealen Temperaturen für Erdbeeren zum Wachsen, sagt Christoph Thölking. Die Pflanzen bräuchten zudem mehr Niederschlag, ergänzt Olaf Schachtschneider. „Bisher hat es noch nicht stark genug geregnet.“ Er findet, dass die Verbraucher den regionalen Handel trotz der Ertragseinbrüche unterstützen sollten. Wenn es die Erdbeeren aus der Umgebung später und etwas teurer gäbe, solle dies kein Grund sein, auf Erdbeeranlieferungen aus anderen Ländern zurückzugreifen.

Franziska hält am Dienstag (20.05.2008) auf einem Feld bei Erlangen-Hüttendorf (Mittelfranken) eine Erdbeere in der Hand. Seit dem vergangenen Wochenende hat in Mittelfranken offiziell die Erdbeer-Saison begonnen. Foto: Daniel Karmann dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++ BILD: Daniel Karmann

Späte Erdbeerzeit durch die Eisheiligen

Die Eisheiligen beginnen an diesem Donnerstag, 11. Mai, und enden in der nächsten Woche am Montag, 15. Mai. Diese Bauernregel fußt darauf, dass sich in der ersten Maihälfte Polarluft in Deutschland ausbreitet und es daher eher zu Frost kommt. Die Eisheiligen sind nicht immer genau in diesen Tagen, sagt Olaf Schachtschneider. Fakt sei aber, dass es um diese Zeit herum kälter wird.

Fünf Heilige, Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, haben in diesem Zeitraum Namenstag – daher die Bezeichnung Eisheiligen. Sie sind auch bekannt als Gestrenge Herren oder Eismänner.

Aufgrund der niedriger ausfallenden Erträge schätzen Verkäufer, dass die Erdbeeren teurer werden.

Bei Verkaufsständen des Spargelhofs Ulrich in Dötlingen zahlen Käufer derzeit gut 3,90 Euro für eine 500-Gramm-Schale mit Erdbeeren.

Ilse Helms vermutet, dass sie die Erdbeeren in ihrem Hofladen, die sie voraussichtlich in gut zwei Wochen erhält, für rund drei Euro anbieten wird.

Für gut zwei Euro erhalten Interessenten für gewöhnlich eine Schale Erdbeeren bei Renate und Heinrich Krieger in Holzhausen – allerdings könne der genaue Preis noch nicht genannt werden.

1,99 Euro kosten 500 Gramm der roten Früchte beim Verbrauchermarkt K + K in Wildeshausen. Diese Erdbeeren kommen laut Verpackungsangabe aus Spanien.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.