STREEKERMOOR Etwa 100 Exoten aus Südamerika und Asien bevölkern die Terrarien. Gerhard Hinz bekommt die Tiere von Züchterkollegen.

Von Stephan Onnen STREEKERMOOR - Wenn es um seine „Mitbewohner“ geht, ist Gerhard Hinz ungläubiges Staunen gewohnt. „Die meisten Leute trauen mir so ein Hobby gar nicht zu“, sagt der Streekermoorer. Der pensionierte Bundeswehrsoldat züchtet Vogelspinnen. Etwa 100 Exemplare krabbeln in den Terrarien, die Hinz in einem früheren Jugendzimmer im Obergeschoss seines Hauses eingerichtet hat. Während viele Menschen beim Anblick der behaarten Tiere Schweißausbrüche und Panik bekämen, bleibt Gerhard Hinz ganz cool: „Es sind aufregende, phantastische Tiere“, schwärmt er. Wobei seine Liebe aber nicht so weit reicht, dass er die Achtbeiner über seine Hand laufen lässt: „Das würde für mich und für das Tier Stress bedeuten. Vogelspinnen sind nicht zum Spielen da.“ Hinz hat gehörigen Respekt vor den Tieren – hochgiftige Arten hält er nicht. Zwar gehen von den mindergiftigen Vertretern keine lebensbedrohlichen Gefahren für den Menschen aus, die Wirkung ihres Bisses ist indes immerhin mit dem Stich

einer Hornisse vergleichbar. „Das muss man also nicht unbedingt haben“, sagt Hinz.

Sein Interesse an exotischen Arachnoiden aus Brasilien, Mexiko und Thailand erwachte vor etwa sieben Jahren. Als er in einem Fachgeschäft Futtermittel für die Schmuck-Schildkröte und den Leoparden-Gecko seiner Kinder kaufen wollte, fiel sein Blick auf ein Terrarium mit einer Vogelspinne: „Das war die Initialzündung“, sagt Hinz. Durch Fachliteratur und Filme eignete er sich die nötigen Kenntnisse über Haltung und Pflege der Tiere an. Gleichgesinnte trifft er regelmäßig beim „Vogelspinnen-Stammtisch Weser-Ems“, dessen 20 bis 25 Mitglieder an jedem ersten Sonnabend im Monat im „Münchhausen“ an der Nadorster Straße in Oldenburg zusammenkommen, um Erfahrungen und Tiere auszutauschen. So betreiben Hinz und seine Kollegen selber die Nachzucht. „Das minimiert die Kosten und verhindert, dass Vogelspinnen der Natur entnommen werden“, betont Hinz. Seltene Tiere werden nur aus inländischen Nachzuchten übernommen. Die Nachwuchs-Tiere nennt er liebevoll „Spiderlinge“.

Vogelspinnen findet Gerhard Hinz faszinierend. „Es werden jedes Jahr neue Arten entdeckt.“ Sein gewaltigstes Exemplar ist eine zwölf Zentimeter große Spinne der Gattung „Theraphosa blondi“. Einige der Terrarien-Bewohner hat er schon ein Vierteljahr lang nicht mehr gesehen. Die so genannten grabenden Spinnen leben überwiegend in der Erde und kommen nur zur Nahrungsaufnahme kurz zum Vorschein. Größere Vogelspinnen werden alle zwei bis drei Wochen gefüttert, Jungtiere einmal pro Woche. Auf dem Speiseplan stehen Heuschrecken, Heimchen und Schaben, die Gerhard Hinz als „Futtertiere“ ebenfalls selber hält. Den Raum mit den Terrarien hat er stets auf 25 bis 32 Grad temperiert.

Zwei- bis dreimal im Jahr hat Gerhard Hinz Schulklassen bei sich zu Hause zu Gast, um über sein Hobby und die Bedeutung der Spinnen als Nutztiere zu informieren. Dennoch läuft vielen Schülern dabei ein Schauer über den Rücken – gut, dass der Blick beim Betreten des Raumes erst einmal auf das Wasserbecken mit den ursprünglich aus Mexiko stammenden quirligen Querzahnmolchen fällt.

Mehr Infos unter www.vogelspinnen-weser-ems.de

Vogelspinnen brauchen „lebendiges“ Futter

Weltweit gibt es etwa 30 000 Spinnenarten, davon zählen etwa 850 Arten zu den Vogelspinnen. Es gibt drei verschiedene Gruppen unter den Vogelspinnen: die am Boden lebenden Arten, Baumspinnen, die sich größtenteils nur in der senkrechten Position aufhalten, sowie grabende Spinnen.

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In Terrarien können fast alle Arten nur einzeln gehalten werden, da sie sich sonst gegenseitig auffressen würden. Vogelspinnen sind Raubtiere, die sich ausschließlich von lebendigem Futter ernähren.

Der Körper der Vogelspinne besteht aus dem vorderen Körperteil (Cephalothorax), dem hinteren Körperteil (Abdomen), acht Laufbeinen, zwei Tastern, zwei Beißwerkzeugen (Chelizeren), zwei Spinnwarzen und dem Augenhügel. Ihr Hauptsinnesorgan sind die so genannten Tasthaare an den Beinen, mit denen sie Futtertiere, Artgenossen und auch ihre Umgebung wahrnehmen kann.

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