WARDENBURG Was heute für die Landwirte der Schlepper erledigt, machten über viele Jahrhunderte die Pferde. Musste eines der Arbeitstiere aus gesundheitlichen Gründen geschlachtet werden oder – schlimm genug – zumindest lange im Stall bleiben, bedeutete das für seinen Besitzer einen erheblichen materiellen Schaden. Die Idee, diesen zumindest zu minimieren, haben weitsichtige Menschen vor genau hundert Jahren in Wardenburg in die Tat umgesetzt: die Wardenburger Pferdeversicherung ward ins Leben gerufen.

Wie für viele gute Ideen gab es damals Vorreiter: So hatte die Oldenburger Landwirtschafts-Gesellschaft schon 1876 einen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gegründet, der für die erlittenen Verluste gekörter Zuchthengste entschädigen sollte. 1894 gründete sich die Oldenburger Landesvieh-Versicherungs-Gesellschaft, bei der viele Oldenburger Landwirte ihren gesamten Pferdebestand versicherten, insbesondere tragende Zuchtstuten.

Schlachterlös für Versicherung

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Doch die Wardenburger wollten und bekamen ihre eigene Versicherung. Zu ihrem ersten Vorsitzenden wurde 1910 der Landwirt Johann Gardeler aus Astrup gewählt, sein Sohn Heinrich führte später die Geschäfte fort. Im Gründungsjahr brachten die 70 Mitglieder 50 Zuchtstuten und 70 Pferde ein. Wie die alten Unterlagen belegen, betrug die damalige Gesamtversicherungssumme 660 000 Reichsmark. Jedes Jahr wurden die versicherten Pferde durch eine Bewertungskommission besichtigt und bewertet.

Der so ermittelte Versicherungswert bestimmte maßgeblich die zu zahlende Versicherungsprämie – zwischen ein und zwei Prozent. Trat der Versicherungsfall ein, entschied ein Obmann über die eventuelle Nottötung des Tieres. Der Besitzer erhielt 80 bis 85 Prozent des Versicherungswerts ausgezahlt, den Schlachterlös behielt die Versicherung ein.

Nach 1945 kriselte es gewaltig in der Wardenburger Versicherung: Wegen einer nicht ordnungsgemäß geführten Kasse fehlten 12 000 Mark in der Kasse. Zeitweilig wurde erwogen, die Versicherung aufzulösen. Doch die Generalversammlung lehnte dies ab. Es kam zum Gerichtsverfahren, in dem der Kassenwart zum Erstatten der Summe verpflichtet wurde.

Ab Mitte der 50er Jahre tauchte ein neues Problem auf: die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft. Dass Motoren die tierischen Helfer verdrängten, spürte auch die Pferdeversicherung. Der damalige Vorsitzende, Dirk Pargmann (Wardenburg) hatte Mühe, die Zahl der versicherten Pferde auf einem lohnenden Niveau zu halten. Dies gelang nur durch Aufnahme von Pferden, die zum Reiten genutzt wurden. Ein Trend , der sich fortsetzte und zur Folge hatte, dass die Versicherungssummen höher wurden. „Die Besitzer von Reitpferden müssen zum Teil sehr hohe Einkaufpreise bezahlen. Damit mussten sich auch die Prämien ändern“, so der seit 1990 amtierende Vorsitzende Bodo Willms, unter dessen Leitung der neue Vorstand diesen unumgänglichen Schritt vornahm. Der Höchstsatz wurde angehoben. Außerdem erhält heute im Schadensfall der Versicherungsnehmer auch den Schlachtwert des Pferdes. Deshalb bestimmt er selbst, ob sein Pferd geschlachtet oder eingeschläfert werden soll.

100 Jahre alte Kriterien

Unverändert geblieben sind allerdings die Aufnahme- und Bewertungskriterien seit der Gründung 1910. Jedes Pferd wird im Exterieur – dem äußeren Erscheinungsbild – sowie im Schritt und Trab durch den Vorstand besichtigt und nach Absprache mit dem Besitzer eingestuft. Und jedes Jahr werden alle versicherten Pferde durch den Vorstand einmal an ihrem jeweiligen Standort besichtigt. „An dieser Tradition möchte der heutige Vorstand noch möglichst lange festhalten“, formuliert Willms einen Wunsch an die Zukunft.

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Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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