Elmeloh Die Eltern von Ronald Holscher (54) hatten vor genau 23 Jahren einige unruhige Nächte. Ihr Sohn hatte seinen guten Job gekündigt, eine Menge Geld bei einer Bank aufgenommen – und das alles, um sich als Tischlermeister selbstständig zu machen. „Meine Eltern waren mit meinem Entschluss alles andere als glücklich. Heute kann ich das verstehen und ich würde mir auch meine Gedanken machen, wenn mein Sohn Lars es genauso machen würde“, gibt Ronald Holscher gerne zu.

Aufgewachsen ist er in Delmenhorst. Schon im Alter von zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Angeln. Wurde es dem jungen Ronald da zu ruhig, spielte er Fußball: „Ich war nie besonders gut, aber trotzdem hat es Spaß gemacht“, lächelt Ronald. Seine Fußballschuhe hat er schon längst an den Nagel gehängt und auch im Angelverein ist er heute nur noch passives Mitglied.

In der kleinen Werkstatt seines Vaters oder auch in der Schule arbeitete und bastelte Ronald gerne mit Holz. Für ihn stand schon früh fest: „Ich werde Tischler.“ Sein Schulpraktikum absolvierte er in einer Delmenhorster Tischlerei. In Bremen wurde er dann bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz fündig. Jeden Tag hieß es nun: bei Wind und Wetter mit dem Mofa von Delmenhorst nach Bremen und nach Feierabend wieder zurück. Mit einem Lächeln erzählt Ronald mir, dass er im ersten Ausbildungsjahr auch oft die Brötchen für seine Kollegen holen musste: „Tja, Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre.“

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Nach der Bundeswehrzeit arbeitete er noch zwei Jahre bei einem Bauunternehmen mit angeschlossener Tischlerei, bevor er in Paderborn die Meisterschule besuchte. Noch heute schwärmt Ronald von der tollen Wohngemeinschaft: „Von meinem Kollegen Felix habe ich zum Beispiel das Kochen gelernt.“ Aber auch die Vermieterin blieb ihm in bester Erinnerung: „Bevor wir freitags die Heimreise antreten konnten, mussten wir unserer Vermieterin unsere Wohnung vorführen. Nur in einem ordnungsgemäßen Zustand durften wir fahren.“

Nach der Meisterschule arbeitete Ronald Holscher fünf Jahre in einer Tischlerei in Bremen – so gut, dass sein Chef ihm sogar eine Beteiligung an der Firma in Aussicht stellte. Irgendwann kam Ronald aber zu der Erkenntnis: „Das alles kann ich auch alleine.“ Von seinem ehemaligen Schwiegervater bekam er den Tipp, dass die ehemalige Betriebstischlerei vom Wichernstift in Elmeloh leer stehe. Am 20. März 1995 meldete er sein Gewerbe an. Doch bevor er überhaupt das erste Holzstück bearbeiten konnte, musste er die Räume zunächst entrümpeln. „Zwei Monate, und das jeden Tag, habe ich hier verbracht, damit es überhaupt losgehen konnte“, erinnert sich Ronald.

Kunden, die seine Arbeit bei der letzten Firma zu schätzen wussten, meldeten sich bei ihm. Bald musste er seine ersten Mitarbeiter einstellen. Sein erster Auszubildender ist ihm immer noch in sehr guter Erinnerung: Der war im Alter von 49 Jahren bei der Bundeswehr in Pension gegangen, um dann eine Ausbildung zum Tischler zu machen, die er auch noch mit der Note „Sehr gut“ abschließen konnte. Überhaupt ist Tischlermeister Ronald Holscher ein erfolgreicher Ausbilder, denn mehrere seiner Lehrlinge konnten als Jahrgangsbeste und somit als Kammersieger ihre Ausbildung abschließen.

Heute gehören elf Mitarbeiter zum Team der Tischlerei Holscher und davon sind vier – mit dem Inhaber – Tischlermeister. Die fachliche Kompetenz von Ronald Holscher wird sehr geschätzt und so ist er seit vielen Jahren im Vorstand der Tischlerinnung. „In diesem Jahr stelle ich mich aber nicht mehr zur Wiederwahl. Jetzt müssen einmal jüngere Kollegen ran.“

Im Laufe der Jahre hat Ronald Holscher seinen Betrieb nicht nur vergrößert, sondern er konnte das Grundstück auch käuflich erwerben. Hier war nicht nur genügend Platz für seinen Betrieb, sondern auch für sein Eigenheim. Hier genießt er die Zeit mit seiner Ehefrau Silke, die er via Internet kennenlernte, und den beiden Söhnen. Silke brachte Sohn Mika (15) mit in die Ehe und Ronald Sohn Lars (26). Zusammen bilden sie eine beispielhafte Patchworkfamilie. Obwohl sich Silke Holscher als Mitinhaberin vom Reisebüro „Am Markt“ in Ganderkesee in der Welt sehr gut auskennt, bleibt es aus zeitlichen Gründen meistens beim Skiurlaub.

Ronald Holscher,Tischlermeister aus Elmeloh

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