Hude Frage: Was halten sie als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das für die Landwirtschaft produziert, von der neuen Düngeverordnung, gegen die die Bauern derzeit Sturm laufen?
Sprock: Die verschärften Bedingungen für die Landwirte werden zu einem weiteren Höfesterben führen. Dabei ist unsere heimische Landwirtschaft nicht nur in Coronazeiten als systemrelevant anzusehen. Stattdessen tut die Politik alles, damit noch mehr landwirtschaftliche Produktion ins Ausland verlagert wird und wir zum Beispiel unsere Hähnchen dann aus anderen osteuropäischen Ländern bekommen, wo nach sehr viel schlechteren Standards produziert wird als bei uns. Das ist bei vielen Verbrauchern leider noch nicht angekommen. Die Landwirte stehen im direkten Vergleich mit dem Weltmarkt, sollen aber die hohen Ansprüche unserer Gesellschaft erfüllen. Das funktioniert so nicht. Wir unterstützen den massiven Protest der Bauern.
Frage: Was bedeutet die neue Düngeverordnung konkret für Ihr Unternehmen?
Sprock: Wenn Landwirte in Deutschland aufgeben, ist nicht nur die Nahrungsversorgung gefährdet, sondern es trifft immer auch die vielen Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich mit voller Wucht. Und damit gehen dann viele Arbeitsplätze verloren, nicht nur bei uns in Wüsting, wo wir Fütterungstechnik mit rund 100 Leuten produzieren. Wir haben erst kürzlich einen runden Tisch gegründet, an dem sich rund 15 Akteure, welche direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig sind, über die aktuelle Situation austauschen. Allein diese 15 Akteure aus der Region, vom Landmaschinenhandel und dem Anlagenbau bis hin zum Handwerk, bieten mehr als 1000 Arbeitsplätze. Einhelliger Tenor in unserer Runde: Bei Inkrafttreten der Verschärfung der Düngeverordnung wird dies Arbeitsplätze kosten. Erste Unternehmen aus unserer Runde stellen wegen der großen Ungewissheit gegenwärtig schon keine neuen Mitarbeiter mehr ein.
Frage: Es geht bei der Düngeverordnung aber doch um den Grundwasserschutz?
Sprock: Das ist richtig. Doch die Landwirte kritisieren zu Recht, dass die Festlegung der „Roten Gebiete“ durch ein unzureichendes Nitratmessnetz nicht wirklich hilft. Ich kann hier nur dem FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Dürr zustimmen, der kürzlich gesagt hat, dass das, was wie eine Natur- und Umweltschutzmaßnahme klinge, zu echten Ernteausfällen führe, ohne den Böden tatsächlich zu helfen. Der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes, Detlef Kreye, hat gerade erst betont, dass es durch die Unterernährung der Pflanzen zu einem verstärkten Humusabbau komme und dadurch die Kohlendioxid-Freisetzung gefördert werde. Das verstärke den Klimawandel. Das kann es doch nicht sein. Das, was da jetzt beschlossen werden soll, gefährdet landwirtschaftliche Betriebe sowie der Landwirtschaft verbundene Betriebe.

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Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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