HUDE Ihr ganzes Leben hat Rosemarie Hering in dem Haus in der Ulmenstraße 18 gelebt. Das Haus ist seit drei Generationen Wohnort ihrer Familie. 1911 wurde es von ihren Großeltern errichtet. „Es war das erste Haus, das in der Straße erbaut wurde“, erzählt sie. Auch Hering kann sich gut an die Zeiten erinnern, als rund um das Haus noch Weideflächen waren. Im gleichen Jahr wie das Haus wurde ihrer Meinung nach auch die damalige Sonnenschule – heute die katholische Grundschule – errichtet.

Vor dem Haus Nr. 18 pflanzte Herings Großvater Carl Hachfeld damals mehrere Ulmen. „Ob der Straßenname dadurch entstanden ist, oder mein Großvater sich bei der Auswahl der Bäume nach dem Straßennamen gerichtet hat, ist ungewiss“, erzählt Hering. Heute stehen die Ulmen nicht mehr. Das Straßenbild wird von Linden geprägt.

Carl Hachfeld arbeitete in Hude als Oberpostschaffner. Hering erinnert sich an Erzählungen, wonach er zwei Mal die Woche zu Fuß durch den Hasbruch nach Falkenburg gelaufen sei, um dort die Post auszutragen.

„Wie meine Großeltern nach Hude gekommen sind, weiß ich nicht“, berichtet sie. Carl Hachfeld stammte aus Clausthal im Harz. Ihre Großmutter kam aus Lembruch. Kennen gelernt haben sie sich in Hannover.

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Im Laufe der Jahre wurden an dem Haus in der Ulmenstraße einige Veränderungen vorgenommen. Die vordere Fassade haben Rosemarie und Bodo Hering erst vor sieben Jahren, nach einem alten Foto, restaurieren lassen. Die alten Muster wurden mit eigens dafür angefertigten Formen in Beton gegossen und an das Haus angebracht. Auch der Bereich unter dem Balkon zeigt sich nicht mehr im Original. „Aus praktischen Überlegungen haben meine Eltern den offenen Eingangsbereich geschlossen“, berichtet Rosemarie Hering. Der alte schmiedeeiserne Zaun, der das Grundstück einst zur Straße hin umgab, steht ebenfalls nicht mehr. Dennoch bemüht sich das Ehepaar, möglichst viel im Originalzustand zu lassen. Daher wurde auch die alte Eingangstür wieder hergerichtet. Im Inneren runden alte Jugendstilmöbel das Bild ab. „Wir haben viel Arbeit in das Haus gesteckt und hängen sehr daran“, sagt Bodo Hering.

Das Haus in der Ulmenstraße hat in den 97 Jahren viel erlebt. Zum Ende des Krieges waren Soldaten der kanadischen Besatzungstruppen dort einquartiert. „Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich von einem der Soldaten Schokolade geschenkt bekommen habe. Das war ein richtiges Erlebnis“, erzählt Rosemarie Hering. Nach dem Krieg wohnten zahlreiche Flüchtlinge in dem Haus. Zeitweise lebten darin 16 Personen. „Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben“, wundert sie sich rückblickend. Der große Garten wurde damals als reiner Nutzgarten gebraucht. Im Garten steht heute immer noch ein Zwetschgenbaum, der so alt ist wie das Haus. Er hat zwar nur noch eine halbe Krone, aber Zwetschgen trägt er noch. „Der Baum gehört zu diesem Haus einfach dazu“, betont das Ehepaar. Genauso wie der alte Brunnen, über den das Haus in den ersten Jahren mit Hilfe einer Schwengelpumpe mit Wasser versorgt wurde. Nach dem Krieg kamen die Nachbarn, um aus dem Brunnen Wasser für ihren Tee zu holen.

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