Charlottendorf-West Kostüm und Pumps für ein paar Stunden gegen Overall und Gummistiefel getauscht, hat am Montagvormittag die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen aus Ahlhorn. Um 8 Uhr trat die Politikerin auf dem Hof Poppe in Charlottendorf-West zu einem Praktikumstag an. Zwischen Fütterung und Stallpflege schilderten ihr Wolfgang Poppe und seine Familie ihre Sorgen und Nöte als Landwirte.

Auf dem Hof Poppe leben drei Generationen: Wolfgang Poppe (48) und seine Frau Sonja (49) übernahmen den elterlichen Betrieb von Heinrich (81) und Gisela Poppe (80). Mittlerweile steht Tochter Lina (22) mit ihrem Lebensgefährten Mattis Iker in den Startlöchern. Auch Sohn Jan Poppe (18), der zurzeit noch eine Lehre als Metallbautechniker macht, möchte später mit einsteigen.

In Rindermast investiert

Während sich Wolfgang Poppe um die 1300 Mastschweine und 180 Sauen kümmert, hat der Nachwuchs gerade von einem Nachbarn, der die Landwirtschaft aufgegeben hat, die Bullenmast und die Kälberaufzucht übernommen. „Da haben wir ganz schön investiert“, sagt Wolfgang Poppe. Den ersten Ertrag werde es aber erst in knapp zwei Jahren geben.

Auch bei den Schweinen wurde Geld in die Hand genommen. Finanzierungshilfe hatte sich Landwirt Poppe über das Qualitätssiegel „Initiative Tierwohl“ des Lebensmittelhandels erhofft. „Aber da haben sich doppelt so viele Landwirte beworben, wie Geld im Topf war.“ Am Ende sei im Losverfahren entschieden worden, wer die Mittel von mehreren Millionen Euro bekomme. Leider sei er nicht dabei gewesen, obwohl alle erforderlichen Standards, wie zum Beispiel ein Verzicht auf Eberkastration, mehr Tränken und zusätzliches Beschäftigungsmaterial, erfüllt worden seien, bedauert Wolfgang Poppe. Und ob er bei der nächsten Runde dabei sei, sei fraglich, da die Standards weiter erhöht worden seien.

Dabei liegt dem Landwirtschaftsmeister das Wohl seiner Tiere sehr am Herzen. Er und seine Familie wehren sich gegen das Vorurteil „Alle Landwirte sind Tierquäler“. „Solche Aussagen tun mir richtig weh“, sagt Lina Poppe während sie einen der beiden Hofhunde streichelt.

Doch Familie Poppe hat gelernt, um mehr für das Wohl ihrer Tiere zu tun, bedarf es nicht nur den Willen des Landwirts, sondern auch der Verbesserung vieler anderer Faktoren: „Was nützt es, wenn ich meinen Stall vergrößern will, damit meine Sauen mehr Platz bekommen, aber ich dafür keine Baugenehmigung bekomme“, so der 48-Jährige.

Kinder sind Motivation

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„Hier wird oft nicht das Ganze betrachtet“, weiß auch Astrid Grotelüschen. Baugesetze- und Umweltgesetze sowie diverse Vorgaben und Richtlinien auf Europa-, Bundes-, Landes oder auch Kreisebene seien zu beachten und etliche bürokratische Hürden zu nehmen. Gerade an der Familie Poppe werde deutlich, wie wichtig es sei, Landwirten eine Verlässlichkeit für die nächsten 20 bis 25 Jahre zu garantieren.

Poppes Motivation als Landwirt weiter zu machen, sind seine Kinder: „Wenn ich jeden Tag in ihre Gesichter sehe, weiß ich, wofür ich das alles mache.“

Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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