HOYKENKAMP „Leute! Klauen – das funktioniert doch nicht!“ Streitereien ums Spielzeug schlichtet Sven Polizuk ganz pragmatisch. Vieler Worte bedarf es nicht, damit die fünf Jungs aus der Goldgräbergruppe der Hoykenkamper Kita Schatzinsel ihren Disput beilegen. Ob das daran liegt, dass der 20-Jährige als Mann einen besonderen Draht zu den Jungen hat, oder einfach nur an seiner ausgleichenden Persönlichkeit, sei dahingestellt.

Jedenfalls muss die Kita auch nach Ende des Zivildienstes auf ein männliches Teammitglied nicht verzichten. Sven Polizuk ist einer der beiden Bundesfreiwilligendienstler, die seit Mitte August in der Schatzinsel tätig sind. „Es gibt immer noch wenig männliche Erzieher und Sozialassistenten. Dabei ist es auch für Jungen wichtig, Identifikationsfiguren zu haben“, sagt Kita-Leiterin Birgit Geerken, die froh ist für die beiden Integrationsgruppen der Einrichtung wieder Unterstützung bekommen zu haben.

Seit der Eröffnung 1994 wurde der Mitarbeiterstab der Schatzinsel durchgängig um anfangs einen, ab dem zweiten Jahr sogar um zwei Zivis ergänzt. In all den Jahren hat Birgit Geerken mit den jungen Männern beste Erfahrungen gemacht. Gleiches gelte für die Freiwilligen: Sie sei nach den ersten Wochen beeindruckt, wie gut sich Sven Polizuk und Liza Kruse ins Team eingefügt hätten und wie selbstverständlich beide alle anfallenden Arbeiten erledigen würden – in Vollzeit und für ein Taschengeld von 300 Euro, wohlgemerkt.

Die Motivation, sich für den neuen Dienst zu bewerben, war bei beiden eine unterschiedliche. „Ich wusste nach dem Realschulabschluss noch nicht genau, was ich beruflich machen wollte“, sagt die 17-jährige Liza Kruse. Bevor sie im kommenden Jahr ihre Schullaufbahn an der Berufsschule fortsetzt, mit dem Ziel Abitur, möchte die Heiderin zunächst etwas Berufserfahrung sammeln.

Sven Polizuk hatte ursprünglich den Plan, Grundschullehramt zu studieren. Für ihn sei der Dienst im Kindergarten ein Mittel gewesen, um herauszufinden, wie ihm der Umgang mit kleinen Kindern liege. Dass er sich nun doch in Richtung eines Logistikstudiums umorientiert hat, liege keineswegs daran, dass ihm die Arbeit im Kindergarten keinen Spaß mache, betont der Bookholzberger.

Sowohl Sven Polizuk als auch Liza Kruse würden sich – stünden sie noch einmal vor der Entscheidung – sofort wieder für den Freiwilligendienst bewerben. „Ich musste mich noch an keinem Morgen überwinden, zur Arbeit zu gehen“, erzählt Sven. „Aber der Dienst im Kindergarten ist anstrengender als ich gedacht habe!“ Nach den ersten Arbeitstagen sei er „quasi schon an der Haustür ins Bett gefallen“, gibt der 20-Jährige zu. Inzwischen habe er sich aber an die 39-Stunden-Woche und den Umgang mit den Kindern gewöhnt.

Dass sie beide es mit der Stelle im Kindergarten gut getroffen haben, glaubt auch Liza. Beim ersten der fünf Seminare, die sie während des Freiwilligendienstes absolvieren, hätten sie auch andere Stimmen gehört, berichtet Liza.

Vier weitere Seminarwochen liegen bis zum Ende ihres einjährigen Freiwilligendienstes noch vor Sven und Liza. Neben den Rechten und Pflichten der Freiwilligen stehen dort unter anderem politische Bildung, soziale Kompetenzen und die Reflexion der neuen Erfahrungen auf dem Stundenplan.

Schatzinsel-Leiterin Birgit Geerken ist mit ihren beiden „vierten Kräften“ in den Integrationsgruppen angesichts deren freiwilligen Engagements vollauf zufrieden: „Ich habe große Hochachtung vor den Ehrenamtlichen“, bilanziert sie.

Absolvieren können einen Bundesfreiwilligendienst alle Bürger, die ihre Pflichtschulzeit abgeleistet haben. Anders als für das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr gibt es keine Altersgrenze.

Die Regeldauer beträgt zwölf Monate. Möglich sind jedoch auch eine Verkürzung auf sechs oder eine Verlängerung auf 18 oder 24 Monate. Über 27-Jährige können auch in Teilzeit tätig werden.

Über die Höhe des Taschengeldes entscheiden die Einsatzstellen. Die Höchstgrenze liegt bei 330 Euro.

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Einsatzbereiche sind soziale Einrichtungen, Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung sowie Zivil- und Katastrophenschutz.

 @  http://www.bundesfreiwilligendienst.de

Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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