Bookhorn Wenn er den Blick über die Friedhöfe schweifen lässt, ist Herbert Dietrich gar nicht wohl zumute: „Da kriegt man Angst“, sagte der Steinmetz und Steinbildhauer am Montagabend beim Besuch der Ganderkeseer SPD-Fraktion in seinem Betrieb im Gewerbegebiet Bookhorn. Mit einer Prise Dramatik versuchte der 67-jährige Seniorchef der Firma Grabmale Dietrich zu veranschaulichen, welchen umwälzenden Veränderungen seine Branche zurzeit ausgesetzt ist.

Denn das Hauptgeschäft bröckelt zunehmend: „Im Jahr 2000 lag in Ganderkesee der Anteil der Urnenbestattungen noch bei fünf Prozent“, wusste Dietrich zu berichten, „heute sind es 70 Prozent.“ Aufwendige und teure Grabmale können oder wollen sich immer weniger Angehörige leisten, von den kleinen Gedenktafeln auf den Urnengräbern indes kann der Steinmetz sein Geschäft auf Dauer nicht bestreiten.

Das bleibt nicht ohne Folgen, wie Herbert Dietrich den Gästen von der SPD schilderte: 7800 selbstständige Steinmetz-Betriebe habe es vor 20 Jahren noch bundesweit gegeben – heute existiere davon nur noch die Hälfte. „Diese Zahl wird sich noch einmal halbieren“, prophezeite er und gab sich kämpferisch: „Wir wollen dann noch dabei sein!“ Dafür stellt sich das Ganderkeseer Unternehmen breiter auf: „Das Geschäft mit Grabmalen wird zurückgehen“, erwartet Juniorchef Marcel Dietrich (30), der im nächsten Jahr die Geschäftsleitung übernehmen wird.

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Vater und Sohn Dietrich sind beide als Restauratoren ausgebildet, in diesem Bereich wollen sie sich künftig stärker engagieren. Kleinere Aufträge gab es schon, für größere Projekte mangele es noch an Zeit, sagte Dietrich junior, „und an Mitarbeitern.“ Mit ihren drei Angestellten sind die Dietrichs aktuell gut ausgelastet. Und sie nehmen auch nicht jeden Auftrag an: Als im vergangenen Jahr eine Anfrage aus Izmir kam, wo Teile der Stadtmauer restauriert werden sollten, habe er abgewunken, so Marcel Dietrich: „Die Arbeitsbedingungen waren unzumutbar.“

Neu aufgestellt haben sich die Dietrichs auch bei Einkauf und Produktion: „Wir wollen mehr deutsche Materialien verarbeiten“, kündigte Marcel Dietrich an, „und wir wollen möglichst zu 100 Prozent selber produzieren.“ Dafür haben Vater und Sohn kräftig investiert: 100 000 Euro kostete eine Maschine, mit der sie große Steine sägen, fräsen, schleifen und bis zum Endprodukt fertigstellen können – „unser Bearbeitungszentrum“ nennt Marcel Dietrich das wuchtige Gerät. Verglichen mit der herkömmlichen Handarbeit habe sich der Zeitaufwand damit halbiert.

Baulich wird ebenfalls noch einmal erweitert: Am Standort im Bookhorner Gewerbegebiet, wo Grabmale Dietrich mittlerweile seit 25 Jahren ansässig ist, entsteht eine neue Produktionshalle. Angst um die Zukunft haben die Dietrichs nicht wirklich.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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