Benthullen „Wenn ich groß bin, werde ich Bauer“, verkündet Finn, während er über den Hof läuft, den seine Ur-Urgroßeltern gegründet haben. Mit Finn übernähme die fünfte Generation den landwirtschaftlichen Betrieb in Benthullen. „Wir halten uns da raus. Meinetwegen kann Finn auch NWZ-Redakteur werden“, lächelt sein Vater, Hajo Suhr.

Demo mit Wardenburgern

Doch dann wird der 36-Jährige schnell wieder ernst, denn nach Lachen ist ihm eigentlich im Moment nicht zumute. Im Gegenteil: Das neue Agrarpaket treibt die Landwirte einmal mehr auf die Straße. Auch Wardenburger Landwirte werden sich am kommenden Dienstag an der in Oldenburg geplanten Demonstration beteiligen.

1934 hatten Hajo Suhrs Urgroßeltern die Fläche in Benthullen vom Landessiedlungsamt zugesprochen bekommen. „Vorher war das hier reine Moorfläche. Da konnte man bis nach Oldenburg oder Friesoythe gucken“, sagt er. „Alles, was hier an Kulturlandschaft geschaffen worden ist, haben die Landwirte damals angelegt.“

Generationenvertrag

Es gebe, so Suhr, wohl keinen Beruf, der nachhaltiger sei als der des Landwirts. „Wir möchten unseren Kindern einen gesunden Hof mit fruchtbaren Böden hinterlassen. Landwirt sein – das ist quasi ein Generationenvertrag.“ Das, was das neue Agrarpaket fordere, gehe allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Die reduzierte Düngung, die in einigen Gebieten nun vorgeschrieben werde, lauge die Böden aus.

Was ihn aber am meisten ärgert: „Vor einem Jahr gab es eine neue Düngeverordnung. Jetzt gibt es schon wieder eine Novellierung. Das ist für uns nicht verlässlich.“ Und: Es werde viel zu wenig mit den Landwirten gesprochen. „Umso mehr hat es mich gefreut, dass Landrat Carsten Harings und der Landtagsabgeordnete Axel Brammer beim Erntedankfest mit uns in den Dialog getreten sind.“ Nur im direkten Gespräch, so Suhr, sei Verständnis füreinander erreichbar. „Ja, wir müssen ran an Themen wie Grundwasser und Tierwohl“, räumt er ein. „Aber wir kommen nicht weiter, wenn wir nur mit Vorwürfen – vorwiegend von Einzelnen – überhäuft werden. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung steht hinter den Landwirten, das zeigt sich immer wieder.“

Nahrung für Insekten

Finn stapft mittlerweile durch blühende Landschaft – gelb blühend, um genau zu sein: Senf, Ölrettich und Öllein, die als Zwischenfrucht angebaut worden sind. „Hier finden die Insekten auch im Herbst noch Nahrung, im Winter sind die Pflanzen Futter für Rehe und andere Wildtiere“, erklärt Suhr. Nach der Frostperiode werden diese Pflanzen gemulcht und untergepflügt – neue Nährstoffe für den Boden. „Wir wollen nachhaltig mit der Natur arbeiten“, betont der Landwirt. Was zudem oft übersehen wird: Landwirtschaft schafft auch Arbeitsplätze. Seit mehr als 30 Jahren bildet der Hof Suhr aus, drei Mitarbeiter unterstützen den Landwirt.

 Was wünscht er sich, damit er seinem Sohn eines Tages guten Gewissens den Hof übergeben kann? „Zumindest innerhalb der EU sollten gleiche Bedingungen für die Landwirte gelten. Vom Weltmarkt ganz zu schweigen.“ Die Auflagen, die in Deutschland erfüllt werden müssen – „Und von den Landwirten auch umgesetzt werden“ –, führten zu enormen Wettbewerbsverzerrungen. Mehr Entscheidungsmöglichkeiten für die einzelnen Landwirte wünscht sich Suhr ebenfalls. „Wir sollen Unternehmer sein, dürfen aber viele unternehmerischen Entscheidungen gar nicht treffen“, bemängelt er. „Mit gesetzlichen Auflagen und langwierigen Genehmigungsverfahren stoßen wir da ganz schnell an unsere Grenzen.“

Macht der Verbraucher

Und auch ein dritter Aspekt liegt dem Landwirt am Herzen: „Das Verbraucherverhalten ist für uns ausschlaggebend. Wenn sie wirklich mehr regionale Produkte kaufen, mehr Wert auf Qualität legen und dafür bereit sind, etwas mehr Geld auszugeben, stärken sie uns den Rücken.“ Dann wird Finn vielleicht tatsächlich Landwirt und nicht NWZ-Redakteur.

Anke Brockmeyer Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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