Neerstedt Im März sind es drei Jahre, dass Andrea Struthoff als Gemeindeschwester in der Flächengemeinde Dötlingen unterwegs ist. Sie besucht im Auftrag der Praxis „Landärzte Dötlingen“ Menschen in der Gemeinde, um beispielsweise Blut abzunehmen, zu impfen, Blutdruck zu messen, Wunden zu kontrollieren und nach dem Allgemeinbefinden zu fragen. „Wichtig dabei ist aber auch, Kontakt zu halten und eine Beziehung zu den Patienten aufzubauen. So merke ich schnell, wie es den Menschen tatsächlich geht“, erklärt Struthoff.

80 Besuche in der Woche

„Wenn die Patienten, vor allem ältere, zu uns in die Praxis kommen, dann zeigen sie nicht unbedingt ein richtiges Bild von sich. Sie wollen gut aussehen und sich gut präsentieren“, sagt Dr. Manfred Schwarz. „Ganz anders ist das häufig in den eigenen vier Wänden. Hier kann ein Besuch oft viel besser zeigen, wie es den Personen tatsächlich geht.“

An vier Tagen in der Woche ist die „arztnahe Gemeindeschwester“ auf Besuchstour. Aktuell werden 65 Patienten regelmäßig von ihr aufgesucht. „Es sind meist 80 Besuche in der Woche, die ich mache.“ Das bedeutet mehr Zeit für Dr. Manfred Schwarz und seinen Kollege Ansgar Schmidek. Zeit, die für Patienten in der Praxis genutzt werden kann. Ergänzt wird das Ärzte-Team aktuell durch Dr. Juliane Rüchel, die ihren letzten Abschnitt einer Weiterbildung zur Fachärztin in Neerstedt macht.

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Eigentlich gibt es den Typus Gemeindeschwester mit Zusatzausbildung Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis schon seit sieben Jahren in der Neerstedter Praxis. Entstanden ist die Aufgabe der Gemeindeschwester aus dem von Schwarz entwickelten „Dötlinger Modell“, das auch ausgezeichnet wurde.

Heute ist Schwarz schon ein Stück weiter beim Blick in die Zukunft. „In einem halben Jahr werden wir soweit sein, dass Andrea Struthoff direkt beim Patienten per Tablet einen Kontakt zu uns live herstellen kann. Damit können wir Ärzte uns hier am Schirm ein Bild von der Wunde oder anderen Symptomen machen und weitere Schritte einleiten.“ Die Technik ist bei den Dötlinger Landärzten schon vorhanden. In den kommenden Wochen soll dann auch die Übertragungsmöglichkeit funktionieren.

Etwas anderes ist es mit der Bezahlung der Gemeindeschwester. Eine Abrechnung über die Kassenärztliche Vereinigung ist für Praxen erst ab einer bestimmten Anzahl an Patienten möglich. Geld gibt es dafür aber genügend. „Nur, es kann durch die bürokratischen Hürden nicht abgerufen werden“, betont Schwarz. Deshalb wird die Gemeindeschwester aus dem Einnahmetopf der Praxis bezahlt.

Projekt läuft weiter

„Zwar hat die politische Gemeinde die Arbeit der Gemeindeschwester monatlich gesponsert, aber es deckt bei Weitem nicht den Aufwand. Wir legen drauf. Aber mir ist das Modell so wichtig, dass wir das Gemeindeschwester-Projekt auch künftig laufen lassen wollen.“ So wie es im Altenbericht der Bundesregierung gefordert wird. Darin wird gefordert, dass für die Kommunen eine leistungsfähige, patientennahe haus- und fachärztliche sowie klinisch stationäre Versorgung sicherzustellen ist. Geprüft werden soll dabei, inwieweit der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) den Kommunen übertragen werden kann.

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