Hude Im April hatte Marcus Schulte aus Großenkneten bei der Sanierung eines Bauernhauses eine 271 Jahre alte Zeitung gefunden, nun hat auch Hude sein antiquiertes Exemplar. Am Freitag meldete sich Bodo Hering bei der NWZ. Er habe genau die gleiche Ausgabe wie Schulte – die Wöchentlichen Bremer Nachrichten vom 14. Januar 1743 – gefunden. Und damit nicht genug. Auch einen Bremer Courier vom 4. Februar 1873 und die Bremer Nachrichten vom Donnerstag, 30. Mai 1872, habe er entdeckt.

Zeitalter der „Intelligenzzeitungen“

Im 18. Jahrhundert gab es einen Wandel im Zeitungsdruck. Das Niveau verbesserte sich, die Zeitungen wurden moralischer. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden die sogenannten Intelligenzzeitungen, die eigentlich staatliche Anzeigenblätter waren. Sie berichteten über Nachrichten, Politik, Handel, Landwirtschaft und hatten einen gewerblichen und privaten Anzeigenteil.

Die ersten Intelligenzblätter erschienen im Jahr 1727 in Preußen, sie hießen „Wöchentliche Berlinische Frag- und Anzeigungsnachrichten“. Kaiser Friedrich Wilhelm der Erste erklärte sie zur Einnahmequelle des Staates, denn noch galt das staatliche Anzeigenmonopol.

Hering kramt ein nicht einmal DIN A5-großes Blatt aus einer Klarsichthülle hervor – auf der Vorderseite sind „Ausgabe No.2 und 1743“ zu lesen. Für ihr Alter ist die Zeitung erstaunlich gut erhalten. Das Büttenpapier ist etwas vergilbt, aber robust, an den Rändern lassen sich nur leichte Abnutzungsspuren erkennen. Der Text ist in altdeutscher Schrift geschrieben und noch gut zu entziffern. Die Zeitungen haben er und seine Frau Rosemarie schon länger aufbewahrt – hatten sich aber nie richtig damit auseinandergesetzt, „bis wir den Artikel aus Großenkneten gelesen haben“, sagt Bodo Hering.

Herkunft unklar

Nun hat die beiden Huder die Neugier gepackt. „Wie kann es sein, dass Nachrichten aus Bremen ausgerechnet in Großenkneten und nun auch in Hude auftauchen?“, sagt Rosemarie Hering und hat schon eine Theorie: „Meine Eltern hatten damals eine alte Vitrine von einem Bremer Kaufmann erworben. Die steht noch heute bei uns. Wahrscheinlich waren die Zeitungen darin“, sagt sie. Ein Verkauf kommt für sie nicht infrage: „Wir werden die Zeitungen aufbewahren, wie es meine Eltern damals auch gemacht haben.“

Erstaunt ist das Paar vor allem von den Nachrichten aus der damaligen Zeit. In einer Ausgabe ist von „Personen, die verlangt werden“ die Rede – heutige Stellengesuche. Auf einer anderen Seite steht die Zeile „Ringekommene Schiffer und Waren“, anschließend werden die Kapitäne, Schiffe und Güter an Bord aufgelistet. Auch über Wechselkurse und den Immobilienmarkt wurde schon 1743 berichtet.

Rosemarie Hering schlägt den Courier auf. „Der ist nicht so gut erhalten, das Papier ist dünner als bei der älteren Ausgabe“, sagt sie und zeigt mit dem Finger auf eine Stelle. „Interessant, damals gab es schon Nachrichten aus dem Ausland. Wie haben die das wohl gemacht? Korrespondenten gab es sicher noch nicht“, sagt sie.

Vorher habe sie sich nie Gedanken über die Zeitungen gemacht. „Die waren einfach da, aber wenn man mal genauer liest, ist das richtig interessant.“

Selten oder nicht

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Bodo Hering hat sich die Bremer Nachrichten von 1872 geschnappt: „Expeditionen, Theater und Bremer Angelegenheiten – sowas gab es damals auch schon“, sagt er.

Nun beschäftigt die beiden noch eine Frage: Sind die Ausgaben wirklich so selten? „Die Bremer Tageszeitungen wollen unsere Exemplare nicht für ihr Archiv haben, da haben wir irgendwann mal gefragt. Die haben sicher schon alle“, sagt Rosemarie Hering und packt die Zeitungen in die Klarsichtfolien zurück.

Sabrina Wendt Redakteurin / Gesamtleitung Ostfriesland
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