Aldrup Schon am Eingang gab’s Geschichte pur: Ein alter Kartoffelroder stand neben einem Lanz mit dem Schriftzug „Reinhold Nr.1“. Die mehr als 600 Gäste, die am Freitag über den roten Teppich schritten, konnten aber auch einen modernen Vollernter bewundern. „50 Jahre Leidenschaft für Kartoffelgenuss“ lautete das Motto der großen Feier im Festzelt, unweit des Firmengeländes in Aldrup. Agrarfrost, Deutschlands großer Produzent nachhaltig hergestellter Kartoffel-Tiefkühlprodukte, feierte den 50. Jahrestag der Firmengründung.

Jährlich werden 550 000 Tonnen zu Kartoffelprodukten verarbeitet

Pioniergeist gilt als Fundament des Familienunternehmens: Anfang der 1960er-Jahre übernimmt Reinhold Stöver, damals 23 Jahre alt, den elterlichen Hof in Aldrup. Nach einer Reise in die USA verkauft er seine Milchkühe, um sich vom Erlös eine Maschine zur Herstellung von Pommes frites anzuschaffen. 1967 startet er auf der Diele des elterlichen Bauernhauses mit fünf Mitarbeitern die Pommes-Produktion. Heute, 50 Jahre später, zählt das Unternehmen zu Deutschlands größten Kartoffelveredlern.

An den Standorten Aldrup und Oschersleben (Sachsen-Anhalt) verarbeitet Agrarfrost heute 550 000 Tonnen jährlich zu tiefgekühlten Kartoffelprodukten. Rund 200 Vertragslandwirte bauen auf 8000 Hektar eigener Anbaufläche Kartoffeln an. Agrarfrost liefert Produkte in 65 Länder. Das Familienunternehmen zählt mit seinen gut 700 Mitarbeitern zu den größten Betrieben in der Region.

Allen Grund zu feiern hat der Produzent auch im Jubiläumsjahr: Mit einem Absatzplus von gut 13 Prozent setze die Firma den Positivtrend der vergangenen Jahre fort, so Marketingleiter Jörg Blanke. „Mit einem Relaunch der Marke Agrarforst vor zwei Jahren haben wir eine sehr gute Basis für die aktuelle Entwicklung geschaffen.“ Unter dem Motto „50 Jahre Leidenschaft für Kartoffelgenuss“ werden 555 „goldene Kartoffeln und weitere Gewinne im Gesamtwert von 5 Millionen Euro verlost, heißt es.

Das gut vierstündige Programm galt bis zuletzt ebenso als „geheime Verschlusssache“ wie der Ehrengast: Altbundespräsident Christian Wulff (58) wurde von den Geschäftsführern Eike Stöver und Manfred Wulf begrüßt. Moderator und Comedian Jörg Knör, der die Gäste mit Stimmenimitationen von Prominenten begeisterte, erklärte den Namen Wulff als Kürzel für „Will unbedingt leckere Fritten futtern“.

Der Ex-Bundespräsident nahm es mit viel Humor. Er würdigte den Pioniergeist von Unternehmensgründer Reinhold Stöver, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Feier teilnehmen konnte. „Stöver hätte hier den ganzen Vormittag gestrahlt, denn ihm waren Verantwortung, Vertrauen und Verlässlichkeit für die Region ganz wichtig.“ Agrarfrost stehe für „Lebensqualität im ländlichen Raum“. Deutschland könne stolz auf Mittelständler wie Agrarfrost sein, so Wulff. Wenn hier Familienangehörige schon in der dritten Generation beschäftigt seien, sage das mehr aus als alle Worte.

Geschäftsführender Gesellschafter Eike Stöver ging auf die Geschichte des Unternehmens ein – vom Start der Pommes-Produktion 1967 auf einer Diele bis zur neuen Energiezentrale in Aldrup.

„1985 wurde die größte Schnellrestaurantkette McDonalds’s unser Kunde,“ berichtete Stöver, der unter den Gästen auch den früheren McDonald’s-Geschäftsführer Michael Gerling begrüßte. 1992 nahm die Firma in Oschersleben ihren Betrieb auf. An beiden Standorten verarbeitet Agrarfrost heute rund 550 000 Tonnen Kartoffeln jährlich. „Das ist 55-mal das Gewicht des Eiffelturms.“ Augenzwinkernd sprach Stöver von „der spannendsten Pommesbude der Welt“.

Auf die aktuelle Entwicklung ging Geschäftsführer Wulf ein. Das Unternehmen mit seinen gut 700 Mitarbeitern könne stolz auf die positive Entwicklung sein. Im Jahr 2016 habe Agrarfrost etwa 270 000 Tonnen Fertigprodukte verkauft – eine Verdoppelung des Absatzes in den vergangenen 15 Jahren. Die Produktpalette reiche von Pommes frites, Kroketten bis hin zu Kartoffelchips. Agrarfrost liefert in 65 Länder der Welt. Die Familie begrüßte im Festzelt auch zahlreiche internationale Partner. Die Reden übersetzte ein Dolmetscher.

Auch Landrat Carsten Harings und Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski würdigten das solide und innovative Unternehmen. Er freue sich, dass mit der Marke Agrarfrost ein Stück Wildeshausen weltweit in den Regalen zu finden ist, sagte Kuraschinski. Zum Kreis der Gäste gehörten auch die beiden früheren Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke und Uwe Bartels (beide SPD), die Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und Franz-Josef Holzenkamp (CDU) und Benjamin Kanngießer, Bürgermeister in Oschersleben. Am Samstag werden nochmals rund 1000 Gäste über den roten Teppich schreiten: Dann feiern Mitarbeiter und Angehörige die „Goldene Hochzeit mit der Kartoffel“, wie Knör die Party nannte.

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Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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