Ahlhorn /Wildeshausen Freitagmorgen um halb elf an der Visbeker Straße in Ahlhorn. Vor dem Gebäude der Wildeshauser Tafel steht eine Reihe Leute und wartet darauf, ins Gebäude gelassen zu werden. Drinnen im Verkaufsraum schieben sechs Frauen auf einem Tisch ihre Körbe langsam vorwärts, sprechen mit den Ehrenamtlichen auf der anderen Seite der Tische oder zeigen mit der Hand auf das eine oder andere Lebensmittel im Regal. Stück für Stück füllen sich die Körbe. Im Raum nebenan packen andere Frauen den gerade erworbenen Einkauf in Taschen und verlassen durch eine zweite Tür das Gebäude. Die nächsten sechs Personen werden eingelassen.

Wert von 60 Euro

„Wir versorgen in Ahlhorn jede Woche 90 Familien mit Lebensmitteln“, sagt Peter Krönung, Vorsitzender der Tafel. Eine vierköpfige Familie zahlt sechs Euro – Erwachse zwei Euro, Kinder einen Euro – und erhält dafür Lebensmittel im Wert von rund 60 Euro. „Das Geld kann die Familie einsparen und stattdessen ein Paar neue Schuhe oder Kleidung kaufen“, erklärt Krönung. Zugang zur Tafel erhalten ausschließlich registrierte Sozialhilfeempfänger.

Jeden Freitag ist die Tafel im einstigen Feuerwehrhaus von 10 bis 12 Uhr geöffnet. 20 Ehrenamtliche kümmern sich um die Kunden und die Waren. Die Tafel sucht weitere ehrenamtliche Helfer, insbesondere jüngere. Das Durchschnittsalter der Ehrenamtlichen liegt laut Krönung bei 67 Jahren.

Krönung ist 72 Jahre alt. Seine Zeit als Vorsitzender geht nach acht Jahren zu Ende. „Im Februar bei der Jahreshauptversammlung der Wildeshauser Tafel soll ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Mit dem 2. Vorsitzender Gerd Aring (65) steht ein Nachfolger bereit.

Seit Jahren engagiert

„In den acht Jahren haben wir Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Krönung. Zwischen 2015 und 2017 wurden viele geflüchtete Menschen versorgt – in Wildeshausen 150 Familien pro Woche. Inzwischen sei die Tafel wieder im normalen Alltag angekommen. Wie in Ahlhorn werden auch in Wildeshausen wöchentlich 90 Familien versorgt. In der Kreisstadt gibt es 60 Ehrenamtliche. Viele der Helfer, die in Ahlhorn und Wildeshausen tätig sind, engagieren sich seit Jahren.

Täglich sind Ehrenamtliche mit den beiden Fahrzeugen der Tafel unterwegs. Das Lebensmittelaufkommen sei groß, ob von Discountern, Bäckereien oder der Industrie. „Wir fahren bis nach Bielefeld, um Ware abzuholen“, berichtet Krönung. Die Wildeshauser Tafel sei in einem Verbund mit 16 Tafeln organisiert, darunter Delmenhorst, Twistringen, Cloppenburg oder auch die tafelähnliche Vereinigung „Brotkörbchen“ in Wardenburg. Mit den vielen Lebensmitteln könnten weitere Menschen versorgt werden.

In Ahlhorn ist die seit zehn Jahren bestehende Wildeshauser Tafel seit 2013 aktiv. Die Gemeinde Großenkneten bezahlt die Miete, doch die Tafel hat weitere Kosten und ist auf Spenden aus der Wirtschaft und von Bürgern angewiesen. „Gerade haben wir eine Rechnung über 1800 Euro für ein Ersatzteil und die Reparatur unserer Kühlung in Wildeshausen erhalten“, so Krönung. Dort nutzt die Tafel auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür die alte Küche. Und auch die Kühlfahrzeuge kosten Geld. „Es gibt nicht nur jede Menge zu tun, sondern auch jede Menge Kosten“, sagt Krönung.

Christoph Koopmeiners
Wildeshausen/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen

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