Harpstedt /Klein Ippener Die Botschaft klang provokativ und sollte es wohl auch sein. „Der Handel braucht die Stadt nicht mehr. Aber die Stadt braucht den Handel.“ – Mit diesen Worten appellierte Jan König am Donnerstagabend in Hackfelds Dorfkrug an Kommunen, dem Läden-sterben im Einzelhandel nicht tatenlos zuzusehen. König, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandels Nordwest, war einer der Referenten bei einem Fachgespräch des FDP-Bezirksverbandes Oldenburg. Das Thema: Die Einzelhandelssituation in ländlichen Gemeinden am Beispiel der Samtgemeinde Harpstedt.

Thea Alfken und Hauke Brahms stellten die Aktive Werbegemeinschaft Harpstedt vor. Die Gemeinschaft konzentriere sich darauf, mit unterschiedlichen Aktionen Kunden in Harpstedt und seinem Umfeld anzusprechen. Auch wolle man ortsansässige Betriebe stärken, aber „das können wir nicht allein“, sagte die Vorsitzende Thea Alfken.

Beim Fachgespräch der FDP wollten Alfken und Brahms Anregungen sammeln, mit denen sie später gegebenenfalls an die Gemeinde herantreten würden. Veranstaltungen wie die der FDP „würden wir uns von anderen Parteien auch wünschen“, so Alfken zur NWZ .

Zu der Veranstaltung in Hackfelds Dorfkrug begrüßten Bezirksverband-Vorsitzende Angelika Brunkhorst und der Harpstedter FDP-Chef Steffen Akkermann knapp 40 Interessierte. König skizzierte zunächst, worum es (deutschlandweit) gehe: Seit Jahrzehnten finde im Einzelhandel ein Strukturwandel statt, verursacht nicht nur durch den klassischen Verdrängungswettbewerb, sondern auch durch demografischen Wandel und Digitalisierung. Betroffen sei ein bedeutender Wirtschaftszweig: drei Millionen Beschäftigte, 474 Milliarden Euro Umsatz (2015).

Seit 2009, so sagte König, sei der Umsatz des Einzelhandels in Deutschland steigend – allerdings sehr ungleich. Beispiel 2016: Während im stationären Handel mit einem Umsatzplus von einem Prozent gerechnet wird, werden im Online-Handel elf Prozent erwartet. Auf Sicht würden dem Offlinehandel sogar deutliche Verluste vorhergesagt. Wenig betroffen seien von dem Trend (bis dato) der Lebensmittel-, der Getränke-, der Kosmetik-, Drogerie- und Gesundheitsartikelbereich.

Der Wandel, so mahnte König, habe gravierende Auswirkungen gerade auf ländliche Regionen – „weil es hier um Nahversorgung geht“. Teils versuchten Kommunen, mit Einzelhandelskonzepten steuernd einzugreifen (auch in Harpstedt wurde ein solches Konzept erarbeitet). König riet, in den Konzepten auch den Online-Handel zu berücksichtigen. Und: Der Einzelhandel solle nicht „eingeschnürt“ werden.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Wirtschafts-Newsletter der Nordwest Mediengruppe erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Gerhard Kier, Vorsitzender des FDP-Landesfachausschusses Stadtentwicklung, argumentierte, dass das Einkaufen für viele Menschen auch Erlebnis und Kommunikation sei. Kommunen seien gut beraten, sich mit den Einzelhändlern und interessierten Bürgern an einen Tisch zu setzen, um das zu erhalten.

Jan König riet Einzelhändlern ganz generell, auch online Präsenz zu zeigen, „zumindest eine kleine Visitenkarte“, möglicherweise auf einer Einkaufs-Plattform. Auch sei es wichtig, Kontakt zur kommunalen Verwaltung zu halten.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.