In eine fast schon verheilte Wunde piekste Innenminister Boris Pistorius beim Schaffermahl am Mittwoch. Er erinnerte an die Ein- und Ausladung von Gregor Gysi. Und fand es eigentlich ganz gut, dass der Linken-Politiker nicht beim Schaffermahl vor drei Jahren sprechen durfte. „Wer weiß, ob sie dann schon wieder einen Politiker eingeladen hätten. Und ich hätte heute nicht so ein leckeres Essen bekommen“, meinte der Minister. Allerdings hatte er an der Tafel auch etwas zu meckern. „Hier werden verlassene Bierflaschen auf den Tisch gestellt zum Mitnehmen nach Hause. Das ist nicht okay“. Doch kaum hatte er ausgesprochen, da stand auch schon ein Frischgezapftes vor ihm. Das extra von Nordmann gebraute Schafferbier war in der Tat als Geschenk für die Gäste gedacht und nicht zum Probieren beim Mahl. Was dennoch manchen Gast nicht davon abhielt, zum Öffner zu greifen. Mit 5,2 Prozent war es dann doch ziemlich gehaltvoll.

Dass die Gilde nicht nur eine reine Männersache ist, bewiesen einmal mehr die Schaffer- bzw. Fähnrichsfrauen. Sie versorgten die rund 150 geladenen Gäste mit frischen Bratkartoffeln, Heringen, Matjes, Rollmöpsen und Salat. Dafür bedankte sich Bürgermeister Jens Kuraschinski mit Blumen bei Regina Röhr, Anja Kreienborg, Melanie Tschöpe, Ines Posenauer, Kirsten Seyffart und Nina Harting.

Rund ging es hingegen auf dem Bierfass: Dort nahm Gaby Schneider-Schelling aus der NWZ -Chefredaktion in illustrer Gilde-Runde Platz. Gemeinsam mit Thomas Seyffart, Christian Harting und Gerald Kreienborg ließ sie sich das kühle Blonde schmecken (rundes Bild).

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Vor dem eigentlichen Essen gab es für Innenminister Boris Pistorius (SPD) noch einen kurzen Termin im renovierten Trauzimmer. Dort trug er sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Doch bevor er schrieb, las er erstmal. „Ich muss ja wissen, wen Sie hier sonst noch so zu Besuch haben“, sagte er zu Bürgermeister Jens Kuraschinski.

Nicht nur zum Schreiben wurde er verführt, auch zum Rauchen. Nach 18 Jahre schmeckte Pistorius nach eigenem Bekunden wieder Tabak. Kuraschinski und Oberst Ernst Frost hatten ihn beim Tabakskollegium mit genommen. Beide baten, er möge doch das Rauchverbot für den Rathaussaal bei Traditionsveranstaltungen aufheben. Doch Pistorius machte der Gilde wenig Hoffnung. „Das ist so wahrscheinlich wie der Verbleib von Hannover 96 in der Bundesliga.“ Da werden wohl viele Grünröcke in den nächsten Wochen den Roten die Daumen drücken.

Ein Redner, der gar nicht auf der Liste stand, tauchte spontan am Pult auf. Landrat Carsten Harings hatte im vergangenen Jahr versprochen sich darum zu kümmern, den Papagoy auf die Bundesflagge zu bringen. Das habe nicht so ganz geklappt. Aber mit Hilfe von Pistorius könne man ja dem Niedersachsenross den Papagoy aufsetzen. Und als in diesem Moment das Essen serviert wurde, meinte er nur: „Schade, ich hätte noch einen Beamtenwitz gehabt. Den erzähle ich dann im nächsten Jahr.“

Traditionell sehr hoch ist die Politikerdichte beim Schaffermahl. Gerade zurückgekehrt von einer Audienz beim Papst ließ sich Karl-Heinz Bley (CDU) deftiges Essen und deftige Reden schmecken. Der Wildeshauser Stadtrat war auch mit allen Fraktionen vertreten. Und aus den Nachbargemeinden waren Herwig Wöbse (Harpstedt) und Thorsten Schmidtke (Großenkneten) gekommen. Christian Pundt (Hatten) musste kurzfristig absagen und wurde von Gabriele Müller vertreten.

Gerngesehener Gast in Wildeshausen ist auch Peter Sparkuhl, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. An den Haupt-Feiertagen der Gilde ist der Harpstedter als Offizier des III. Rotts der Bürgerschützen aber in der Regel verhindert.

Das könne sich in diesem Jahr ändern, drohte scherzhaft General Kuraschinski und erinnerte daran, dass mit Steffen Akkermann, dem Dirigenten der Harpstedter Prager, schon einmal eine zentrale Figur des Harpstedter Bürgerschützenfestes „zwangsrekrutiert“ wurde.

Damit er im Fall der Fälle regelfest und textsicher ist, erhielt Sparkuhl die Wildeshauser Schützenorgel und Statuten und Dienstvorschriften der Gilde ausgehändigt.

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