Wildeshausen Urlaubszeit ist für die heimischen Schulen normalerweise Handwerkerzeit. Das ist in diesem Jahr anders: Gebaut und saniert wird in Wildeshausen lediglich in der Holbeinschule, dem Gymnasium und demnächst in den Berufsbildenden Schulen (BBS). Einer der Gründe: Für die Stadt, aber auch für den Landkreis Oldenburg wird es immer schwerer, angemessene Angebote für Bauvorhaben zu finden.

„Die Auslastungen der hiesigen Handwerksbetriebe suchen ihresgleichen“, sagt Stadtsprecher Hans Ufferfilge im Gespräch mit unserer Zeitung. Nahezu alle Branchen profitierten vom Bauboom. Die Preisentwicklung sei immens. Gleichzeitig würden sich immer weniger Betriebe an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen. „Die Jahre, in denen wir zehn Angebote pro Gewerk erhalten haben, sind lange vorbei“, erklärt der erfahrene Fachmann, der zugleich Bauamtsleiter ist.

Und Ufferfilge kennt genug Beispiele: So fiel das erste Angebot für Elektroarbeiten beim Stadthaus-Umbau 30 Prozent teurer aus als die Schätzung des Fachplaners. Nach Rücksprache mit dem Rechnungsprüfungsamt beim Kreis wurde das Ausschreibungsverfahren aufgehoben. Als Tischlerarbeiten an der Holbeinschule ausgeschrieben wurden, lag das Angebot gar um 139 Prozent über der Schätzung. „Auch das hat zur Aufhebung und der freihändigen Vergabe geführt“, erinnert sich Ufferfilge.

Normalerweise sollen nach einer Ausschreibung mindestens drei Angebote pro Gewerk vorliegen. Ufferfilge: „Dazu kommt es kaum noch!“ Bei fünf weiteren Ausschreibungen der Stadt in diesem Jahr lag in drei Fällen nur ein Angebot vor, in einem Fall waren es zwei und nur bei einem Gewerk gab es drei Angebote.

Einen ähnlichen Trend hat Maik Ehlers, Schulamtsleiter im Kreishaus, ausgemacht. Eine der wenigen Vergaben aus der jüngsten Vergangenheit, bei der mehr als drei Angebote vorlagen, waren der Sonnenschutz am Graf-Anton-Günther-Gymnasium. In diesem Fall hätten acht Angebote vorgelegen. Bei der Sanierung eines ganzen Bauteils des GAG habe es für Rohbauarbeiten und Fassadenverkleidung lediglich jeweils ein Gebot gegeben. „Wir mussten die Ausschreibung aufheben und haben im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung die Firmen direkt angesprochen“, so Ehlers. Der Schulamtsleiter warnt vor „Ping-Pong-Spielen“ zwischen öffentlichen Auftraggebern und Firmen, wenn Projekte stets neu ausgeschrieben werden müssten.

Das Problem: Kommt es zu einer Aufhebung des Vergabeverfahrens, führe das zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung, erhöhtem Bürokratieaufwand und Kostensteigerungen. Bei einer freihändigen Vergabe bestehe zudem die Gefahr, dass Firmen einen Auftrag zusagen, den sie später nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung abarbeiten können. Ehlers empfiehlt, den Zeitpunkt der Maßnahme im Blick zu haben. Wenn in den Sommerferien gebaut werden solle, müsse die Ausschreibung spätestens im Januar erfolgen. Das setze voraus, dass ein rechtsgültiger Haushalt der jeweiligen Kommune vorliegt.

Ein probates Mittel sei auch eine sogenannte mehrjährige Ausschreibung, wie sie beispielsweise für die Sanierung des A-Traktes an den BBS erfolgt sei. Das Projekt sei über die gesamte Laufzeit von drei Jahren vollständig ausgeschrieben worden. Dieses Vorgehen garantiere Planungssicherheit und Preisstabilität, erklärt Ehlers.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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