Ahlhorn Geduldig stehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in mehreren Reihen Schlange hinter der Transall. Sie wollen alle mal einen Blick in die Transportmaschine der Bundeswehr werfen, die früher häufig über dem Ahlhorner Himmel zu sehen war und jetzt in Hohn stationiert ist. Die Schlange der Wartenden auf dem Fliegerhorst ist am Sonntag zeitweilig 50 Meter lang.

„Der Samstag war mit 2000 Besuchern ja schon gut. Doch der Sonntag übertrifft die Zahl noch einmal deutlich“, sagt Wulf Bertinetti, 2. Vorsitzender der Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn, die die Jubiläumsfeier 100 Jahre Fliegerhorst veranstaltet. „Wir sind überwältigt von der Resonanz“, strahlt Bertinetti.

Neben der Transall ist auch eine Bell UH-1D auf dem einstigen Flugfeld vor der Technikerhalle begehrt. Sie ist extra aus Landsberg in Bayern gekommen. Probesitzen im Cockpit und hinten ist erlaubt. Ein Soldat steht Rede und Antwort. Eine andere Bell setzt gerade zur Landung an. Eine Firma aus Ahlen bietet Rundflüge an. Zur Zeit des Hubschraubertransportgeschwaders 64 sollen bis zu 100 Bell in Ahlhorn stationiert gewesen sein.

Daran kann sich Siegfried Meyer (62) noch gut erinnern. Der einstige Berufssoldat, gebürtig aus Lutten, steht auf dem Flugfeld und unterhält sich mit Hartmut Warsinski (58) aus Rastede, ebenfalls pensionierter Berufssoldat. Beide arbeiteten viele Jahre gemeinsam in Ahlhorn und flogen SAR-Einsätze zusammen: Meyer als Bordmechaniker, Warsinski als Luftrettungsmeister.

Für die Jubiläumsfeier hatten sie sich verabredet. Meyer ist aus Hohn angereist, wo er heimisch geworden ist, nachdem seine 2. HTG-Staffel 1993 nach Schleswig-Holstein verlegt wurde.

„Ahlhorn war eine super Zeit“, meint Meyer. Warsinski fühlt einerseits Wehmut, wenn er an seine Jahre in Ahlhorn zurückdenkt, andererseits schaut er nüchtern auf das, was sich verändert hat. Zahlreiche Firmen sind inzwischen im Metropolpark Hansalinie ansässig geworden.

Warsinski und Meyer verbindet auch eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Fliegerhorstes. „Wir saßen beide in dem SAR-Hubschrauber, der 1991 nachts beim Landeanflug auf den Fliegerhorst abstürzte“, berichtet Meyer. Einer der vier Soldaten kam damals ums Leben.

Während draußen unter anderem Feuerwehr, THW, Bundeswehr, Polizei, Johanniter oder auch die Verkehrswacht ihre Fahrzeuge ausstellen und informieren, wird drinnen in der Technikerhalle die Geschichte des Fliegerhorstes den Besuchern vor Augen geführt – von den Anfängen als Luftschiffhafen bis zum Wandel zum heutigen Industriepark. Zahlreiche Infotafeln mit Bildern und Texten vermitteln einen Überblick. Ausstellungsstücke aus der Fliegerei des Militärs ergänzen die Schau. Auch das umstrittene G36 der Bundeswehr und andere Waffen werden von Soldaten erläutert.

Heike Frommhold (50), geborene Röstel, blättert derweil in einem der vielen dicken Bände mit Fotos und Zeitungsartikeln. „Ich schaue, ob es ein Bild von mir gibt, als ich noch auf dem Fliegerhorst gearbeitet habe.“ Sie war früher bei der Standortverwaltung, hat dort auch gelernt. Schon ihr Vater war auf dem Fliegerhorst tätig. „Ich bin mit dem Fliegerhorst und der Bell aufgewachsen“, erzählt die Ahlhornerin.


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Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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