Frage: Herr Fleischer, als Mitglied des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge suchen Sie seit sieben Jahren zum Volkstrauertag das Gespräch mit Ganderkeseer Gymnasiasten. Was motiviert sie dazu?

Fleischer: Ich bin Jahrgang 1942 und habe die Folgen des Zweiten Weltkrieges für die Familien hautnah miterlebt. Auch dass viele Menschen schwer traumatisiert waren, was wir als Kinder aber damals nicht verstanden. Wie erklärt man einem Kind, dass der Vater im Krieg getötet wurde – irgendwo? Was macht das mit den Hinterbliebenen? Ich will darum meinen Beitrag dazu leisten, die junge Generation friedensfähig zu halten, damit so etwas nie wieder nötig ist.

Frage: Jahrzehnte des Friedens, Wohlstands und eine friedliche Wiedervereinigung Deutschlands liegen hinter uns. Erreichen Sie da noch die Jugend mit ihrer Warnung vor dem Krieg?

Fleischer: Ja, ich stelle sogar fest, dass das Interesse der Schüler an politischen Zusammenhängen wächst. Durch einen Dialog auf Augenhöhe kann ich die Gymnasiasten für das Thema Friedenserhalt interessieren. Welches Leid Waffen und Ideologien anrichten können, zeige ich auf dem Friedhof bei St. Cyprian und Cornelius. Wenn die Schüler dort die Gräber zweier 17-Jähriger sehen, die in den letzten Kriegstagen von den Nazis hingerichtet wurden, weil sie nicht kämpfen wollten, dann startet das eine Diskussion um den Sinn von Kriegen und den Rechtsradikalismus.

Frage: Wie können Sie junge Menschen davor bewahren, auf Feindbilder, falsche Versprechen oder Kriegsrhetorik hereinzufallen?

Fleischer: Ich möchte die Schüler kritikfähig machen. Durch Aufklärung über Populismus sollen sie lernen, Fakten von falschen Wahrheiten zu unterscheiden.

Frage: Hat sich die Bedeutung des Volkstrauertages in den letzten Jahren geändert?

Fleischer: Wir gedenken an diesem Tag aller Toten von Krieg, Vertreibung, Flucht und Gewaltherrschaft. Ihr Tod soll uns daran erinnern, nie wieder Krieg zu führen. Dieser Gedenktag darf nicht dazu missbraucht werden, irgendwann wieder zum „Heldengedenktag“ allein zur Erinnerung an gefallene Soldaten zu werden. Das hatten wir bei den Nazis.

Frage: Militärische Gewalt als Mittel zum Zweck, das scheint 74 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland zumindest wieder denkbar zu sein. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer fordert ein stärkeres militärisches Engagement Deutschlands in der Welt. Sorgt sie das nicht?

Fleischer: Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Es muss sehr genau überprüft werden, ob solche Einsätze tatsächlich friedenssichernd sind. Ansonsten sind sie abzulehnen.

Frage: Ist Krieg für Sie überhaupt ein Mittel zur Interessendurchsetzung?

Fleischer: Ich habe mich 1962 freiwillig zur Bundeswehr gemeldet – damals eine reine Verteidigungsarmee. Kriegerische Auseinandersetzungen sind für mich letztes Mittel zur Verteidigung und nichts anderes.

Volkstrauertag 2019: Gedenkfeiern in der Gemeinde

Der Volkstrauertag hat von Beginn an eine politische Dimension. Früher wurde nur an die getöteten deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert – heute an alle Toten von Krieg und Gewaltherrschaft.

Die Gemeinde, Vereine und Verbände gedenken an diesem Sonntag, 17. November, der Opfer von Krieg und Gewalt. Diese Termine finden statt:

Ganderkesee: 11.15 Uhr, Rathaus an der Mühlenstraße; 12 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal Mühlenstraße; 12.15 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof St. Cyprian und Cornelius

Hoykenkamp: 11.45 Uhr, Denkmal am Gasthof Menkens, Schierbroker Str. 75

Falkenburg/Habbrügge: 11 Uhr, Denkmal an der Orthstraße in Falkenburg

Bookholzberg: 13.45 Uhr, Gedenkfeier des SV Bookholzberg und Kranzniederlegung, Übern Berg

Elmeloh: 15 Uhr, Denkmal Elmeloher Straße/Ecke Denkmalsweg 

Hohenböken: 13.30 Uhr, Denkmal in Hohenböken, Fuhrenweg

Stenum: 14.30 Uhr, Ehrenmal am Dorfring

Bürstel/Immer: 15 Uhr, Denkmal in Immer

Schönemoor: 9.30 Uhr, Ehrenmal in Schönemoor; anschließend Kirchgang

Bergedorf: 11 Uhr, Denkmal an Alte Dorfstraße/Ecke Ohe

Hengsterholz/Havekost: 9.30 Uhr, Mahnmal am Feuerwehrhaus Havekost, Havekoster Straße

Urneburg: 9.30 Uhr, Ehrenmal beim SV Urneburg, Oldenburger Straße Bookhorn: Samstag, 16. November, 9.30 Uhr, Denkmal an der B 212

Thorsten Konkel Redakteur / Redaktion Ganderkesee
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