WARDENBURG Wenn an diesem Donnerstag der Zivildienst endet, endet auch eine Ära in Deutschland. Ab dem 1. Juli soll dann der Bundesfreiwilligendienst (BFD) den Zivildienst zumindest teilweise ersetzen – noch haben aber gerade einmal 2000 Freiwillige einen Vertrag abgeschlossen. Angepeilt sind 35 000 pro Jahr. In Wardenburg ist der BFD indes noch kein Thema. Auch, weil entsprechende Einrichtungen in der Gemeinde in Sachen Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gut aufgestellt ist.

Frank Speckmann, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, sieht durch den Wegfall des Zivildiensts keine Probleme auf Wardenburg zukommen: „Direkt sind wir nicht betroffen, weil uns die Einrichtungen fehlen, die großflächig mit Zivis arbeiten.“

Was jedoch wegfällt, sind die jungen Männer, die als Alternative einen sechsjährigen Ersatzdienst, etwa in der Feuerwehr, absolvieren. Aber auch hier sieht man der Zukunft gelassen entgegen: „Die Leute gehen aus Überzeugung in die Feuerwehr und werden dort bleiben“, schätzt Pressewart Daniel Eickmann. Die Ersatzdienstleistenden seien in der Regel schon vorher Mitglied in der Feuerwehr gewesen.

Das Technische Hilfswerk Wardenburg (THW) ist ähnlich positiv gestimmt: Nur sechs Helfer – etwa 14 Prozent – seien als Ersatzdienstleistende beim THW, sagt Ortsbeauftragter Enno Lankenau, und von diesen sechs wollen fünf bleiben. Der sechste höre aus beruflichen Gründen auf. Und wie bei der Feuerwehr kommt auch beim THW der Nachwuchs über die Jugendgruppe. Lankenau glaubt aber auch: „Das Problem wird sich natürlich verdichten, davon müssen wir ausgehen.“ Hier müssten nun Konzepte her, um auch in Zukunft aktive Helfer von außen zu holen.

Andere Vereine und Organisationen in Wardenburg setzen wiederum schon seit Jahren auf das Freiwillige Soziale Jahr. Im Wardenburger Turnverein etwa plant Dieter Kapust in diesen Tagen den Übergang. FSJ-ler Carsten Twiestmeyer hört zum 31. Juli auf, am Tag danach übernimmt Natalie Hörnlein seine Aufgaben. Der TV beschäftigt schon seit Jahren FSJ-ler – und wird das auch in Zukunft machen. Ehrenmitglied Kapust: „Wir werden beim FSJ bleiben, weil dort auch das Profil ,Sport’ im Vordergrund steht.“

Ähnlich ist die Situation im Wohnpark Wardenburg – hier hört in einem Monat Alexander Karlebowski auf. Zwei Nachfolgerinnen stehen schon fest, eventuell komme noch ein dritter FSJ-ler, so Wohnparkleiterin Anke Struck. Karlebowski hat das Jahr indes nicht bereut. „Es hat mir sehr gut gefallen, ich habe viel gelernt – etwa selbstständig zu arbeiten.“ Er hält Angebote wie das FSJ aus zweierlei Hinsicht für vorteilhaft: einerseits für die Einrichtung, die von der Arbeitskraft profitiert, andererseits für den FSJ-ler, der wichtige Erfahrungen sammelt.

Seine Chefin Anke Struck wird den 20-Jährigen vermissen. „Nicht alle FSJ-ler halten durch“, sagt sie, und Alexander habe vor allem seine Zuverlässigkeit ausgezeichnet. Dafür hat sie ihm jetzt noch einmal öffentlich gedankt: beim Sommerfest im Wohnpark samt „Achternmeerer Handmusikanten“.

Über mangelnde Nachfrage und fehlendes Interesse können sich auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde sowie die Jugendpflege nicht beklagen. Die beiden Einrichtungen teilen sich ab 1. September einen gemeinsamen FSJ-ler. Laut Kreisjugenddiakon Uwe Schwarting haben sich zwei junge Frauen und zwei Männer auf die Stelle beworben – letztere ohne die Pflicht zum Zivildienst. Schwarting ist zufrieden: Es habe „überraschend viele“ Bewerbungen gegeben, freut sich der Kreisjugenddiakon.

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