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Harpstedt Ein einziges Mal ist Uwe Cordes seit dem 1. November 2014 versehentlich mit dem Auto auf den Harpstedter Amtshof abgebogen, ganz so, als stehe am Amtszimmer des Samtgemeindebürgermeisters immer noch sein Name. „Und kürzlich habe ich angefangen, von der Arbeit zu träumen“, erzählt er am Esstisch seines Harpstedter Hauses.

Gespräche fehlen

Den vergangenen Tagen als Chef der Samtgemeindeverwaltung trauert Cordes aber nicht nach. „Am Anfang fehlte des Gespräch mit den alten Kollegen“, gibt er zu. Gelegenheit für eine kurze Unterhaltung gibt es aber trotzdem ab und zu noch – wenn ihn eine seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten in den Amtshof führt.

Neben Zeitungs- und Buchlektüre und der Zeit, die er auf Ausflügen, Reisen und mit den Enkelkindern verbringt, arbeitet er im Vorstand des Harpstedter Turnerbundes mit, ist dort Mentor für den FSJ-ler (Freiwilliges soziales Jahr). „Ich schnuppere langsam in die Strukturen des Vereins hinein“, sagt Cordes.

Auch im Schulförderverein ist er aktiv, hat gerade ein mehrjähriges Sponsoring durch die Firma Avacon organisiert. In diesen Ehrenämtern zahlten sich die Kontakte aus seiner Amtszeit durchaus aus, sagt Cordes.

Den Terminkalender, der ihn während seiner mehr als 16 Dienstjahre täglich begleitet hat, hatte er zwischenzeitlich eingemottet. „Aber nachdem ich einige Termine vergessen hatte, hab ich jetzt doch wieder angefangen, sie alle in meinen Online-Kalender einzutragen“, sagt er. Erst jetzt könne er die Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit richtig einschätzen, sagt der Pensionär: „Es gibt so viele Menschen, die im Kleinen arbeiten.“

Als Gasthörer an die Uni

Seinen bereits zum Ende seiner Amtszeit gefassten Plan, als Gasthörer an die Uni zu gehen, hat Cordes kürzlich angepackt: „Ich war bei der Einführungsveranstaltung für Gasthörer in Oldenburg. Vielleicht besuche ich ein Seminar zu den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts.“ Die Entwicklungen in Politik und Verwaltung der Samtgemeinde verfolgt Cordes natürlich auch.

Zurück in die Politik

„Der Amtshof arbeitet ganz so weiter wie bisher“, ist sein Eindruck. „Obwohl Herwig Wöbse natürlich seinen eigenen Stil hat.“ Besonders aufmerksam ist Cordes, wenn es um die 380-kV-Leitung von Ganderkesee nach St. Hülfe geht. Dazu habe er schließlich in Gremien weit über die Samtgemeindegrenzen hinaus mitgearbeitet. Ausschuss- und Ratssitzungen auf Samtgemeindeebene meidet Cordes derzeit ganz bewusst, bei Sitzungen im Wildeshauser Kreishaus sitzt er dagegen ab und zu auf den Zuschauerplätzen. Was ist aus seinen Überlegungen geworden, irgendwann auf Kreisebene wieder in die Politik einzusteigen? „Diese Überlegungen sind da, deshalb sehe ich mir das auch ab und zu an.“

Ob er mit einem Jahr Abstand etwas anders machen würde, als er es während seiner Amtszeit getan hat? „Ich bereue nichts“, sagt Cordes. „Der Bürgermeister muss immer wieder ausgleichen, einen Dreifach-Spagat machen zwischen Bürgern, Rat und Verwaltung. Ich glaube, das habe ich ganz gut hinbekommen.“

Starke Verwaltung

Aus seiner kritischen Haltung zum Konstrukt Samtgemeinde habe er nie einen Hehl gemacht. „Natürlich gibt es da eine größere Nähe zur Bevölkerung, aber eben auch nur zu einigen Teilen“, sagt Cordes. „Manchmal ist eine zentrale Verwaltung einfach objektiver, und natürlich ist eine Samtgemeinde teurer als eine Einheitsgemeinde.“ Trotzdem sagt er: „Ich konnte damit leben.“

Wichtig sei, dass die Verwaltung stark sei: „Der Rat kann Richtlinien vorgeben, aber die Rechtsstaatlichkeit muss die Verwaltung garantieren“. Eine große Herausforderung für Politik und Verwaltung, da ist sich Cordes sicher, wird die Unterbringung und Integration der vielen Flüchtlinge: In diesem Punkt bereue ich wirklich nicht, dass ich nicht mehr im Amt bin.“

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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