Wardenburg Mehrere hundert junge Menschen sterben jedes Jahr nach einem sogenannten „Disco-Unfall“. Übermüdung, schlechte Sicht, mangelnde Fahrerfahrung sind die Hauptursachen dafür. Vor diesem Hintergrund brachte der Beigeordnete Roland Holtz jetzt für die SPD-Fraktion das Thema „50:50-Taxen“ in den Jugend- und Sozialausschuss.

Die Idee ist, über Sponsoren das Taxifahren für junge Leute erschwinglich zu machen. Die Sponsoren übernähmen die Hälfte der Taxikosten, die Nutzer die andere Hälfte. Das Modell wurde im Ausschuss, der am Donnerstag in der Kindertagesstätte in Achternmeer tagte, sehr kontrovers diskutiert. „Das Modell ist viel flexibler und passgenauer als etwa Nachtbusverbindungen“, meinte Hilke Kenkel-Schwarz (Bündnis 90/Die Grünen). „Der klassische Disco-Unfall kann dadurch vermieden werden.“ Malte Schröder (CDU) zeigte sich skeptisch. Er könne sich nicht vorstellen, dass es dafür Sponsoren gäbe. Und: „Es gehört für mich auch zum Erwachsenwerden dazu, selbst Verantwortung zu übernehmen und zu organisieren, wie man nach Hause kommt.“ Dem hielt Andrea Glunde entgegen: „Es ist auch erwachsen zu sagen: ,Ich fahre nicht mehr, weil ich müde bin oder ein Bier getrunken habe’.“

Antrag konkretisieren

Andreas Klarmann (SPD) sprach sich dafür aus, das Modell auszuprobieren. Sie sehe „tausend Fragezeichen“, so Bürgermeisterin Martina Noske. „Wer soll Sponsoren suchen? Mit welchen Taxiunternehmen spricht man? Was genau ist die Zielsetzung?“ Auch die Rolle der Gemeinde sei nicht klar erkennbar. Kora Heisenberg (FDP) stellte den Antrag, hier noch einmal nachzubessern und den Vorschlag zu konkretisieren. Dies wurde einstimmig angenommen.

Einmal mehr ging es im Jugend- und Sozialausschuss um das Thema „Seniorengerechte Wohnungen“. Insbesondere bezahlbarer und gleichzeitig barrierefreier Wohnraum ist knapp: Für die Seniorenwohnungen am Brooklandsweg stehen derzeit 26 Interessenten auf der Warteliste, vier von ihnen möchten ausschließlich eine Wohnung im Erdgeschoss beziehen, weil das Haus nicht mit einem Fahrstuhl ausgestattet ist. Auch für die AWO-Wohnanlage am Molkereiweg gebe es eine Warteliste, heißt es im aktuellen Seniorenbericht, der dem Ausschuss zur Kenntnisnahme vorlag. Und: „Senioren, die ihre Wohnsituation entsprechend verändern möchten, haben in unserer Gemeinde kaum Möglichkeiten“, heißt es weiter.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Darlehnsvertrag der Gemeinde für das Hedwig-Weide-Haus ausgelaufen und so auch das damit verbundene Vorschlagsrecht der Gemeinde für die Belegung erloschen ist. Das gilt auch für die Seniorenwohnungen am Brooklandsweg, deren Darlehen in diesem Jahr abläuft.

Sozialer Wohnungsbau

Sollte die Gemeinde hier also im Wohnungsbau selbst aktiv werden? Diese Frage wurde wie schon in vorherigen Sitzungen intensiv diskutiert: Während sich etwa Veronika Hillenstedt (Bündnis 90/Die Grünen) vorstellen könnte, gemeindeeigene oder genossenschaftliche Seniorenwohnungen zu schaffen, sprach sich Josef Wunram (CDU) dagegen aus. „Die Folgekosten wären unüberschaubar“, warnte er. Für kommunalen Wohnungsbau sei die Gemeinde Wardenburg zu klein, bekräftigte Bürgermeisterin Martina Noske. „Aber es gibt Möglichkeiten, hier richtungsweisend einzugreifen“, sagte sie und bezog sich damit auf die Ausgestaltung aktueller Bebauungspläne.

Im Seniorenbericht wird vor diesem Hintergrund empfohlen, bei der Ausweisung neuer Baugebiete eine Verpflichtung zum sozialen Wohnungsbau mit aufzunehmen. Denn die Miete auf dem freien Markt verfügbarer Neubauwohnungen ist häufig für Senioren nicht erschwinglich.

Anke Brockmeyer Redakteurin / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.