Sandkrug Kommunen freuen sich in der Regel, wenn ihre Bürger durch Eigeninitiative dem Allgemeinwohl dienen. 1974 gab es deshalb viel Lob und Anerkennung für die Anlieger des Barneführerholzweges. Mit einer großen Spendenaktion hatten diese im Ort Sandkrug die stolze Summe von 11 327 D-Mark gesammelt. Die gleiche Summe steuerte die Gemeinde Hatten bei, so dass dafür ein kombinierter Fuß- und Radweg parallel zu der Straße gebaut werden konnte – eine Erfolgsgeschichte.

Damals machten sich die Anlieger vor allem Sorgen um ihre Kinder. Da zu der Zeit große Harvester und Holztransporter die gewaltigen Orkanschäden im Sandkruger Wald beseitigten, erschien der Barnerführerholzweg für die schwächeren Verkehrsteilnehmer besonders gefährlich. Gebaut wurde vom Hatter Weg bis zum Kurfürstendamm, dann war das Geld alle. „Dass wir überhaupt soweit kamen, machten erst kostenloser Sand vom Wasserwerk und günstiger Erstbrand vom Wardenburger Betonwerk möglich“, erinnert sich Anlieger Rainer Adam.

Mehr als 40 Jahre bewährte sich die Nebenanlage, dann sprach – zwischenzeitlich im November 2010 – das Bundesverfassungsgericht ein Grundsatzurteil, dass eine Radwegebenutzungspflicht „nur bei besonderer örtlicher Gefahrenlage“ für zulässig erklärt. Anlass war damals eine Klage über mehrere Instanzen in Süddeutschland. Ein paar Jahre dauerte es noch, aber 2016 musste die Gemeinde auf Drängen des Landkreises auch im hohen Norden die alten Schilder entfernen. Seitdem ist der 1,25 m breite Streifen offiziell nur noch als Fußweg gekennzeichnet.

Ausgetauscht wurden die Schilder, ohne dass mit den Bürgern gesprochen worden war. „Zuerst habe ich gedacht, die sind bloß gewaschen worden“, gibt einer der Anlieger zu. Sie fühlten sich durch diesen Schritt ein Stück weit enteignet, sagen Heidi und Rainer Adam, Gerold Diers und Wilhelm Michaelsen. Wer kann es ihnen verdenken? „Sandkrug ist ein Ausflugsort. Hier fahren weiterhin viele Eltern und Kinder auf Rädern in Richtung Forst.“ Fußgänger sehe man dagegen eher selten, gibt Rainer Adam zu Bedenken. Die Straßenlaternen beleuchteten allerdings nur den Fußweg, wo bleibe da die Sicherheit für Radfahrer auf der Straße?

Nachfrage der NWZ bei Hattens Bürgermeister: „Aus meiner Sicht hätte man alles genau so lassen sollen“, sagt Christian Pundt, aber der Landkreis habe auf den Schilderabbau gedrängt. Mit 1,25 m sei der Weg leider auch zu klein, um unter den Bestandsschutz zu fallen. Im Rathaus werde noch geprüft, ob eine Verbreiterung möglich ist und was diese kosten würde. „Ich begrüße das Engagement der Bürger und bedauere, dass es so gekommen ist“, sagt der Verwaltungschef.

Für völlig neue Fuß-/Radwege sind heutzutage 3 Meter Breite nötig. Ob es dazwischen einen Mittelweg gibt, wird sich zeigen müssen. Eines steht allerdings jetzt schon fest: „Wenn’s sein muss, packen wir notfalls auch noch mal mit an“, sagt Rainer Adam mit Nachdruck.

Werner Fademrecht Redakteur / Hatten
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