Sandkrug Er ist einer der Sympathieträger in der Region und darüber hinaus. Bremens Bürgermeister a. D., Dr. Henning Scherf (79), hat am Mittwochabend gezeigt, warum das so ist, und außerdem den Neujahrsempfang der Gemeinde Hatten für ein Herzensthema genutzt – die stetig älter werdende Gesellschaft und die daraus entstehenden Konsequenzen für die Menschen.

WG gegen Einsamkeit

„Alle reden immer von gesundheitlichen Risiken – die größte Gefahr im Alter ist aber die Einsamkeit“, so Scherf. Es gebe keine größere und wichtigere Veränderung als den demografischen Wandel. Der Bremer glaubt an neue Formen des Zusammenlebens: Bereits seit 30 Jahren lebt er selbst in einer zehn Personen starken Wohngemeinschaft. Für ihn ist diese Wohnform zukunftsweisend. Mehr als die Hälfte der Wohnungen in Deutschland werde von alleinstehenden Menschen bewohnt – Kinder aus dem Haus, Partner auf dem Friedhof, man bleibe alleine zurück. Bei alternativer Nutzung gebe es gar keine Wohnungsknappheit, sagt der Bremer.

„Ein neues Kapitel im Leben“ sei das, so Scherf. Er plädierte nachdrücklich für ein engeres Zusammenleben der Menschen und mehr Achtsamkeit untereinander. „Das sind kleine Bausteine für die Lebensqualität im Alter.“ An Hattens Bürgermeister und die Menschen, die das öffentliche Leben gestalten, appellierte er, bestehende Netzwerke zum Schaffen einer neuen Gemeinschaft zu nutzen. Scherf: „Ich nenne das zivilgesellschaftlichen Fortschritt.“

Eine gute Figur machte der eigentlich nur als Gastredner eingeladene Bremer auch als Sänger. Er unterstützte zu Beginn des von etwa 300 geladenen Gästen besuchten Empfangs den durch die Grippe personell geschwächten Gemischten Chor Sandkrug.

Bürgermeister Christian Pundt nutzte seine Rede, um die Menschen auf ein stetig wachsendes Problem hinzuweisen. „Die Zahl der von Armut oder Ausgrenzung bedrohten älteren Menschen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren auf fast sechs Millionen gestiegen“, zitierte Pundt entsprechende Statistiken.

Warnung vor Armut

Waren im Jahr 2010 noch 4,9 Millionen Menschen im Alter von 55 und älter betroffen, stieg deren Zahl seither kontinuierlich auf zuletzt 5,7 Millionen. Das bedeute, dass die Generation der „Babyboomer“ immer weniger am sozialen Leben teilnehmen könne, warnte der Bürgermeister. Rat und Verwaltung müssten die Weichen dafür stellen, dass alle eine lebenswerte zweite Lebenshälfte genießen könnten. Entscheidend zum Wohlfühlfaktor in der Gemeinde tragen derzeit laut Pundt das persönliche Engagement der Menschen in Vereinen, Flüchtlingstreffs und Feuerwehren bei. Hatten sei eine im Landesvergleich junge Gemeinde mit steigenden Geburtsraten und attraktiven Angeboten (Nachtbus, Theaterbus, mobiler Einkaufswagen, Weihnachtsmärkte). Der Haushalt profitiere von der guten Wirtschaftslage, steigenden Einnahmen durch Bevölkerungsentwicklung und einer konservativen Haushaltsführung. „Herausfordernd bleiben die Investitionen in Bildungseinrichtungen und Feuerwehren“, weiß Pundt.

Landrat Carsten Harings rief den Zuhörern in seinem Grußwort zwei positive Meldungen der jüngeren Zeit ins Gedächtnis: Zum einen sollen mit Beginn der Osterferien die Arbeiten an der Kreuzung Astruper/Bümmersteder Straße beginnen. Zum anderen erkennt der Kreis an, dass der Gemeinde Hatten für den Ausbau der von vielen Wardenburger Schülern besuchten Waldschule auch eine finanzielle Unterstützung zusteht.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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