WILDESHAUSEN Mit Orden und Ehrenzeichen kennt sich die Wildeshauser Schützengilde aus. „Der Papagoy ist offenkundig die Miniaturausgabe des Bundesadlers“, machte Generalinspekteur Volker Wieker der altehrwürdigen Bruderschaft ein Kompliment. Und während die Gilde schon bald Richtfest bei ihrem neuen Schießhaus feiern könne, hoffe er schon bald das Grundgerüst der neuen Bundeswehr zu sehen, meinte Deutschlands ranghöchster Soldat. Der Applaus war dem 57-jährigen, der mit seiner Familie in Ganderkesee lebt, sicher. Als Ehrengast des 33. Schaffermahls „der Neuzeit“ hatte Wieker am Mittwochabend im Wildeshauser Ratssaal ein Heimspiel.

Zu Beginn der traditionsreichen Veranstaltung im blau-rot dekorierten Saal hatte der General der Gilde, Bürgermeister Dr. Kian Shahidi, die Gäste begrüßt – unter ihnen die Bundestagsabgeordneten Angelika Brunkhorst (FDP), die Landtagsabgeordneten Renate Geuter (SPD), Christian Dürr (FDP) und Kreszentia Flauger (Linke). Erstmals dabei waren unter anderem Franz Wessendorf (46) von der „Interessengemeinschaft Altes Gogericht “, Björn Luthardt als Vertreter der Pielepoggen, der Kinderkönig von 1961 Gerd Rademacher und Helmuth Beuck (60), der vor 50 Jahren Kinderschaffer war. Erstmals dabei war auch der Wildeshauser Willi Adam (74), der Schwiegervater Wiekers.

Böttcher wirbt um Wieker

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Shahidi wies auf die enge Verbundenheit Wiekers mit Wildeshausen hin. Hier begann seine Karriere als Berufssoldat (siehe Kasten). Auch die Traditionen der Gilde und die Geschichte des Mahls ließ Shahidi nicht unerwähnt. Schaffer Arne Tschöpe konnte aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Er weilt derzeit in Frankreich. Schafferin Melanie Tschöpe, Amtsvorgänger Jörn Ahlers, der auf einem Fass am Ende der Tafel Platz nahm, sowie die Fähnriche und ihre Frauen servierten Heringsvarianten mit herzhaften Bratkartoffeln. Auf den Tischen lagen zwar Tonpfeifen und Tabak bereit. Das traditionelle Tabakskollegium fand erneut vor der Tür statt.

Ernst Frost kündigte an, dass er zum letzten Mal als Oberst an einem Schaffermahl teilnehmen werde. Weil mehrere Persönlichkeiten ihre Ämter abgeben, schlug er ein Rotationsprinzip vor: Thomas Gottschalk werde in die Gummibärchen-Welt wechseln, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann künftig Steuer-CDs verkaufen. „Und ich muss wohl ,Wetten, dass?’ machen“, meinte der Oberst.

Otto Böttcher vom Hohen Gericht der Gilde versuchte, Wieker ein Amt bei der Gilde schmackhaft zu machen. „Was ist schon ein Generalinspekteur gegen den Schützenkönig?“, fragte er. Als Gildegeneral würde Wieker ein Regiment führen, das sich mehr als 600 Jahre erfolgreich an der Cocktailbar geschlagen habe. Verwundete gebe es ohnehin kaum. „Und das Geld aus der Sterbekasse ist so gering, damit allen die Lust am Sterben vergeht.“

„Solide Grundausstattung“

Wieker dankte für die Vorschusslorbeeren. „Ich habe mich nicht immer wieder erkannt.“ Der Generalinspekteur zitierte Dichterfürst Goethe und den preußischen General von Clausewitz. „Manche Qual lässt keine Wahl“, wies er auf die Notwendigkeit des Endes der Wehrpflicht hin. Wer Arbeits-, Immissionsschutz und Mülltrennung bei der Bundeswehr als ebenso wichtig wie „Leib und Leben der Soldaten“ betrachte, habe ein „unterbelichtetes Problembewusstsein“. Die Bundeswehr benötige eine „solide Grundausstattung“, warnte er vor einer „Sicherheitspolitik nach Kassenlage“. Um die Zukunft der Gilde mache er sich weniger Sorgen, meinte er unter Applaus.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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